Wenn beeindruckende Gebäude, neue Stadtinitiativen und Freiflächen in Wien und Umgebung besichtigt werden dürfen, findet wieder OPEN HOUSE WIEN statt. Das Architekturfestival geht heuer zum elften Mal und an drei Tagen über die Bühne. Volunteers und Fachpersonal bieten kostenlose Führungen, bringen aktuelle Trends der Stadtentwicklung näher und liefern jede Menge Fun Facts und Hintergrundwissen. So wird Architektur für alle zugänglich und am eigenen Leib erlebbar. Jährlich nehmen rund 20.000 Besucher:innen an OPEN HOUSE WIEN teil, das zur weltweiten Initiative OPEN HOUSE WORLDWIDE mit fast zwei Millionen Besucher:innen in mehr als 60 Städten auf allen fünf Kontinenten gehört. Erstmals findet OPEN HOUSE WIEN heuer zeitgleich mit dem österreichweiten Tag des Denkmals am 27. September statt. An einem Wochenende laden daher sowohl zeitgenössische Architektur als auch bedeutende historische Bauwerke zum Entdecken ein.
„Architektur ist weit mehr als die Gestaltung einzelner Gebäude – sie prägt, wie wir leben, arbeiten und einander begegnen. Mit OPEN HOUSE WIEN möchten wir Menschen dazu einladen, diese Zusammenhänge zu entdecken, Architektur zu erleben und auch zu verstehen. Wenn Gebäude ihre Türen öffnen und die Geschichten dahinter sichtbar werden, entsteht ein neuer Blick auf die eigene Stadt“, sagt Festivalleiterin Inge Boch.
Architektur im Zeichen von Resilienz und Transformation
Bei OPEN HOUSE WIEN stehen heuer die beiden Schwerpunktthemen Resilienz und Transformation im Mittelpunkt und damit Gebäude und Projekte, die zeigen, wie sich unsere gebaute Umwelt an gesellschaftliche, ökologische und klimatische Veränderungen anpassen kann und wie bestehende Architektur durch neue Ideen zukunftsfähig wird.
Resilienz beschreibt dabei die Fähigkeit von Gebäuden und Stadtquartieren, auf Herausforderungen wie den Klimawandel, steigende Energiekosten oder gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren und langfristig funktionsfähig zu bleiben. Resiliente Stadtentwicklung entsteht durch das Zusammenspiel von innovativen baulichen Lösungen, natürlichen Kreisläufen und starken Gemeinschaften. Bei der Transformation geht es um die Frage, wie bestehende Gebäude und Stadtquartiere an neue Anforderungen (z. B. durch Umnutzung, Sanierung und Nachverdichtung) angepasst werden können, anstatt sie abzureißen und neu zu errichten.
Resiliente Architektur findet neue Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel. Das Roots House z. B. zeigt als Demonstrationsprojekt, wie sich Bestandsgebäude Schritt für Schritt auf erneuerbare Wärmeversorgung umstellen lassen – ohne kostspielige Generalsanierung. Dadurch wird die Dekarbonisierung bestehender Gebäude wirtschaftlich realistischer und zu einem Modell für die Wärmewende im Bestand. Dass Resilienz ebenso ökologische und soziale Aspekte umfasst, verdeutlicht z. B. die Kleine Stadt Farm, ein Lern- und Begegnungsort für urbane Selbstversorgung, Biodiversität und nachhaltige Kreisläufe, der erlebbar macht, wie Städte dadurch widerstandsfähiger werden. Im gemeinschaftlichen Wohnprojekt Assemblage Niklas Eslarn mit Fokus auf nachhaltigem Zusammenleben, Partizipation und nachbarschaftlichen Strukturen wiederum verbinden sich innovative Baustoffe wie Holz, Stroh und Lehm mit neuen Formen des Zusammenlebens.
Das Kollektiv Kaorle auf dem Otto Wagner Areal zeigt schließlich, wie bestehende Gebäude durch gemeinschaftliche kulturelle Nutzung zu lebendigen Orten des Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe werden. Weitere Projekte wie das Pilotprojekt Deutschordenstraße, In Generationen Wohnen oder die Bildungseinrichtung Willi Resetarits eröffnen zusätzliche Perspektiven auf zukunftsfähige, resiliente Architektur.
Wie Transformation gelingen kann, zeigt etwa Sophie 7, wo ein ehemaliger Spitalsstandort behutsam zu einem lebendigen Stadtquartier weiterentwickelt wird. Historische Pavillons bleiben erhalten und durch Nachverdichtung entsteht neuer leistbarer Wohnraum. Das Reallabor Fassfabrik verwandelt ein ehemaliges Industrieareal in einen experimentellen Ort für Kunst, Forschung und gemeinschaftliche Nutzung. Im Filmquartier Wien wurde eine historische Seidenfabrik erfolgreich zu einer Veranstaltungslocation umgestaltet und damit seine architektonische Identität bewahrt. Auch der Umbau eines Siedlungshauses in Hetzendorf verdeutlicht, wie bestehende Gebäude durch Sanierung, Wiederverwendung vorhandener Bauteile und energetische Optimierung zeitgemäß weiterentwickelt werden können. Ergänzt wird das Programm unter anderem durch Projekte wie das Funkhaus Wien, das Nordwestbahnhofareal, das Atelier Z57 oder die VinziRast am Land, die alle unterschiedlichen Facetten architektonischer Transformation sichtbar machen.
Erstmals zeitgleich mit Tag des Denkmals
Zum ersten Mal in der Geschichte findet OPEN HOUSE WIEN heuer zum selben Zeitpunkt wie der Tag des Denkmals, organisiert vom Bundesdenkmalamt, am 27. September statt. Unter dem diesjährigen Motto Denkmale: Wert für alle. öffnen hunderte Programmpartner:innen in ganz Österreich kostenlos die Türen zu ihren Denkmalen oder bieten interessante Touren an. Viele dieser Programmpunkte am Tag des Denkmals sind sonst nicht oder nur eingeschränkt zugänglich. „Der Tag des Denkmals und OPEN HOUSE WIEN an einem Wochenende – das ist eine großartige Gelegenheit, Österreichs kulturelles Erbe zu entdecken. Dass einige Objekte im Rahmen beider Veranstaltungen ihre Türen öffnen, zeigt nicht nur die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit und den Mehrwert unserer Denkmale, sondern auch die gelungene Zusammenarbeit der Teams des Tag des Denkmals und von OPEN HOUSE WIEN. Für Kulturinteressierte ist das eine Einladung, Österreichs Baukultur mit all ihren Facetten kennenzulernen“, betont Dr. Christoph Bazil, Präsident des Bundesdenkmalamtes.
Die Vision von OPEN HOUSE WIEN
Mit den diesjährigen Schwerpunkten Resilienz und Transformation rückt OPEN HOUSE WIEN aktuelle Entwicklungen der Architektur und Stadtplanung in den Fokus. Anhand konkreter Projekte zeigt das Festival, wie bestehende Gebäude ressourcenschonend weiterentwickelt, neue Nutzungen geschaffen und lebenswerte Räume für kommende Generationen gestaltet werden können. Besucher:innen erhalten dadurch nicht nur Einblicke in außergewöhnliche Architektur, sondern erleben unmittelbar, welchen Beitrag Baukultur zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte leisten kann.
Termin: von Freitag, dem 25. bis Sonntag, dem 27. September 2026
jeweils von 10:00 bis 17:00 Uhr
Location: 53 Gebäude in Wien und Umgebung
Alle Gebäude: https://openhouse-wien.at