Angebot an neuen gewerblichen Mietwohnungen bricht 2027 um 80% ein

Schockierende Zahlen aus Wien: 2027 werden im gewerblichen Wohnimmobilienmarkt nur noch 496 Einheiten errichtet
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Angebot an neuen gewerblichen Mietwohnungen bricht 2027 um 80% ein
© ImmoFokus

Wien steuert auf eine massive Wohnraumlücke zu: Das Angebot an neuen gewerblichen Mietwohnungen bricht 2027 voraussichtlich um rund 80 Prozent ein – von 2.500 Einheiten im Jahr 2026 auf nur noch 496. Gleichzeitig hält der Zuzug an, während die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sinkt. Die Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Wien schlägt Alarm und fordert bessere Rahmenbedingungen für den Wohnbau.

Die Zahlen stammen aus dem Quartalsupdate Q3 des ersten österreichischen Neubauberichts. Die Daten wurden von EXPLOREAL im Auftrag der Fachgruppe erhoben und ausgewertet.

Nicole Fürntrath, Obfrau der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Wien, warnt: „Wenn in Wien im kommenden Jahr nur rund 500 neue gewerbliche Mietwohnungen fertiggestellt werden, ist das ein Alarmsignal. Was heute nicht gebaut wird, fehlt morgen am Wohnungsmarkt.“ Gefragt seien Planungssicherheit, schnellere Genehmigungen und tragfähige Finanzierungsmöglichkeiten.

Weniger Neubau, mehr Druck auf die Mieten

Das Gesamtangebot sinkt von rund 11.400 Wohneinheiten im Jahr 2025 auf weniger als 10.000 bis 2027. Bauträgersprecher Clemens Biffl betont, dass die Zahlen das erwartete Angebot und nicht die tatsächlichen Verkäufe abbilden. Projektverschiebungen könnten die Prognose noch verändern.

Besonders kritisch ist der Blick auf die kommenden Jahre: Bei noch nicht konkretisierten Projekten für 2027 und 2028, für die noch kein Baustart erfolgt ist, entfallen lediglich 18 Prozent auf Mietwohnungen. Da zwischen Baubeginn und Fertigstellung rund 18 Monate liegen, wirken heutige Entscheidungen erst mit erheblicher Verzögerung auf den Markt.

Die Folge dürfte ein weiter steigender Mietdruck sein. Selbst bei Neuvermietungsmieten von rund 17,70 Euro pro Quadratmeter lassen sich viele Projekte wirtschaftlich kaum noch darstellen. Die Forderungen der Branche sind daher klar: niedrigere Baukosten, flexiblere Finanzierungslaufzeiten und verlässliche Rahmenbedingungen. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir die nächsten zwei Jahre zu wenig Wohnungen haben – und das wird sich natürlich auch auf die Mieten auswirken“, warnt Biffl.

Zweifel an Mietrechtsreform und neuen Regeln

Auch die jüngsten Eingriffe ins Mietrecht sorgen für Kritik. „Einschnitte, die es in letzter Zeit in bestehendes Recht gegeben hat, haben halt nicht dazu geführt, dass jetzt Investoren sehr freudig in Wohnbauprojekte investieren“, sagt Fürntrath.

Beim angekündigten Bonus-Malus-System im Mietrecht bleibt sie skeptisch. Nach den bisherigen Gesprächen sei dessen Umsetzung „jetzt schon wieder fraglich“. Ein breiter Konsens sei nicht in Sicht, auch ein umfassender Wurf bei der Mietrechtsreform erscheine unsicher. Kurzfristige Änderungen seien derzeit nicht absehbar. Sollte es dennoch dazu kommen, drohe erneut eine Umsetzung unter großem Zeitdruck. Fürntrath bringt die Kritik auf den Punkt: „Wahrscheinlich erfahren wir es am 17. Dezember dann wieder, dass wir mit 1. Jänner etwas umsetzen dürfen.“

Die grundsätzliche Warnung von Fürntrath fällt deutlich aus: „Wir fahren sehenden Auges gegen eine Wand, und die Wand ist jetzt schon fast zu sehen.“

Bauordnungsnovelle als Chance

Hoffnung setzen Biffl und Fürntrath auf die geplante Wiener Bauordnungsnovelle 2028. Eine Enquete im April 2027 soll wichtige Impulse liefern. Dafür erarbeitet die Fachgruppe ein Positionspapier für die Baudirektion und die zuständige Stadträtin. Ein zentraler Vorschlag ist ein zweistufiges Genehmigungsverfahren: Fragen aus der Nachbarschaft sollen parallel zur technischen Prüfung eines Projekts behandelt werden. Das könnte Verfahren beschleunigen und dazu beitragen, dringend benötigten Wohnraum schneller auf den Markt zu bringen.

Die Botschaft der Branche ist klar: Ohne rasche Reformen, wirtschaftlich tragfähige Projekte und verlässliche Spielregeln droht Wien in den kommenden Jahren eine spürbare Verschärfung der Wohnraumknappheit.

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