Baustart für erste kreislauffähige Sanierung in Wien

In Wien startet die erste Sanierung nach Kreislaufwirtschaft. Das Projekt gilt als österreichweite Premiere.
Ferdinand Neubauer
Ferdinand Neubauer
Baustart für erste kreislauffähige Sanierung in Wien
© Sedlak Unternehmensgruppe

In Wien startet erstmals die Sanierung eines Bestandsgebäudes strikt nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Die Sedlak Unternehmensgruppe saniert und erweitert ein Gründerzeithaus aus dem Jahr 1880 in der Van-der-Nüll-Gasse im 10. Bezirk. Das Projekt wird von der Stadt Wien im Rahmen des Stadterneuerungsprogramms WieNeu+ begleitet. Anfang Februar haben die Bauarbeiten begonnen.

Das Gebäude wird nicht nur modernisiert, sondern auch aufgestockt. Insgesamt entstehen rund 400 Quadratmeter zusätzliche Wohn- und Büroflächen. Die Sanierung erfüllt erstmals die Umweltziele 4 der EU-Taxonomie, die den Übergang zur Kreislaufwirtschaft definieren. Damit setzt das Projekt neue Maßstäbe für den nachhaltigen Umgang mit dem Gebäudebestand.

Ein Schwerpunkt liegt auf der Wiederverwendung von Materialien. Mindestens 70 Prozent der nicht gefährlichen Bau- und Abbruchabfälle sollen recycelt oder direkt wieder eingesetzt werden. Bestehende Terrazzoböden bleiben erhalten, Ziegel werden aufbereitet und erneut verbaut, Gipskartonplatten seriell wiederverwertet. Ergänzend werden ein digitaler Zwilling sowie ein Gebäuderessourcenpass erstellt.

Die Erweiterung erfolgt mit einer rückbaufähigen, sortenreinen Konstruktion, die spätere Anpassungen erleichtert. Ein Energiekonzept mit Erdwärmesonden und dezentraler Warmwasserversorgung soll den effizienten Betrieb des Hauses sichern.

Das Projekt ist Teil der Wiener Strategie zur klimafitten Stadtentwicklung. „Wir wollen umsetzen, wovon seit einiger Zeit alle sprechen. Mit dem Baustart treten wir den Beweis an“, sagt Wilhelm Sedlak. Die Fertigstellung ist für Mai 2027 geplant.