Kann man ein Krankenhaus in Holzmodulbauweise errichten, oder wird der Brandschutz dabei zum Stolperstein? Das Ingenieurbüro Hoyer Brandschutz gab in dieser Frage grünes Licht undübernahm die Planung für das Stationsgebäude Süd des Universitätsklinikums AKH Wien, das im Frühjahr 2026 baulich fertiggestellt wurde. Der großflächige Einsatz von Holz, der Modulbau mit seinem hohen Vorfertigungsgrad und die Erfordernisse eines modernen Krankenhausbetriebs waren dabei auf einen Nenner zu bringen. Umstellungen im Planungsablauf und sorgfältige Einzelprüfungen – vor allem zu den Anschlusssituationen der insgesamt 112 verbauten Module – brachten das Projekt erfolgreich über die Ziellinie. Und einmal mehr die Erkenntnis, dass die Angst vor Holz oft unbegründet ist.
Das Stationsgebäude Süd am Gelände des AKH Wien dient als Ausweichquartier während der Modernisierung des Bettenhauses Ost und beherbergt auf 4.000 m² Nutzfläche 46 Zimmer für 88 Patient:innen, eine Tagesklinik sowie 45 Therapieräume. Alle vier Obergeschoße entstanden in Holzmodulbauweise: 112 vorgefertigte Holzmodule wurden dafür auf der Baustelle millimetergenau montiert. Um das Pionierprojekt aus der Taufe zu heben, war anfangs aber eine grundlegende Frage zu klären: Lässt der Brandschutz ein solches Gebäude zu?
Entscheidungsfrage Brandschutz
Den CO2-Fußabdruck reduzieren und zügig errichten – diese Kriterien hatten bei der Projektierung des Stationsgebäudes Süd Priorität, weshalb die Kombination aus Holz und Modulbau in den Fokus rückte. Der Brandschutz sorgte jedoch für Bedenken: „Durch die spezielle Nutzung unterliegt ein Krankenhaus vielen Auflagen und ist technisch sehr komplex“, so Werner Hoyer-Weber, Geschäftsführer von Hoyer Brandschutz.
„Wir konnten aber darlegen, dass es für jede Anforderung eine Lösung im Brandschutz gibt. Auch der Holzbau ist in den Richtlinien mittlerweile verankert.“ Letztlich gab es nur eine Einschränkung: Aufgrund der Gebäudehöhe waren die zwei Treppenhäuser an den Stirnseiten des Gebäudes als nicht brennbarer Massivbau zu errichten. Zwischen den Treppenhäusern konnten die jeweils 32 m² großen Holzmodule aber ohne wesentliche Abweichungen von der Bauordnung neben- und aufeinander platziert werden.
Tragende Faktoren
Da das statische System des Gebäudes auf Holz beruht, war die Frage des Abbrands zentral für die Tragfähigkeit im Brandfall. Die Holzmodule wurden aus statischen Gründen größer dimensioniert, was dem Brandschutz zugutekam: Mit ihrer Holzdicke erfüllen die Module nicht nur den geforderten Feuerwiderstand von 30 Minuten, sondern 90 Minuten – und damit deutlich mehr als gemäß den gesetzlichen Vorgaben notwendig wäre. Ein weiterer wichtiger Aspekt ergab sich aus der Bauweise, denn die Holzmodule liegen jeweils auf den Decken der darunterliegenden Module auf. Sämtliche Auflager- und Knotenpunkte mussten daher sorgfältig beurteilt werden, um die Tragfähigkeit des Gesamtsystems sicherzustellen.
Jede Schraube zählt
Der hohe Vorfertigungsgrad setzte voraus, dass die Brandschutzplanung mit sämtlichen relevanten Ausführungsdetails schon mit Baubeginn abgeschlossen war. Die kompakte, aber intensive Planungsphase war durch brandschutztechnische Einzelprüfungen geprägt: Jedes Detail der Holzmodule – von der Konstruktionsweise selbst über den Transport bis hin zur Montage – musste auf seine Übereinstimmung mit dem Brandschutzkonzept überprüft werden. Zudem gab es zahlreiche Details im Sinne einer Werks- und Montageplanung zu bedenken. „Jede Anschlusssituation, Schraube oder Befestigung kann im Brandfall Auswirkungen haben. Jedes Loch kann eine Schwächung des Holzes bedeuten und jeder Hohlraum zwischen den Holzmodulen einen Einbrand zur Folge haben“, erklärt Werner Hoyer-Weber. „Oft liegt im Brandschutz die Herausforderung darin, das schwächste Glied zu finden.“
Sicherer Aufenthalt, sichere Flucht
Die Planung von Hoyer Brandschutz sieht vor, dass Patient:innen im Brandfall bis zu 60 Minuten im Zimmer verbleiben können. Dafür wurde eine Zellenstruktur gebildet und jedes Modul brandschutztechnisch von den benachbarten Modulen abgetrennt. Mit der AKH-Feuerwache gibt es zudem eine Betriebsfeuerwehr, die in wenigen Minuten vor Ort ist und über Fluchtmaßnahmen entscheiden kann. Für eine Evakuierung ist jedes Obergeschoß als Brandabschnitt ausgebildet und in drei Evakuierungsabschnitte unterteilt. In Kombination mit den Personen- und Lastenaufzügen, von denen sich jeweils zwei in den Treppenhäusern an den Stirnseiten des Gebäudes befinden, ermöglicht das Konzept eine optimale Entfluchtung: So kann unabhängig vom Ort des Brandausbruchs stets in den benachbarten Brandabschnitt auf gleicher Ebene oder über eine Aufzugsanlage evakuiert werden.
Lautlose Alarmierung im Brandfall
Die Anlagentechnik wurde an die Bedürfnisse des Krankenhausbetriebs angepasst. Eine Brandmeldeanlage im Schutzumfang „Vollschutz“ sorgt für eine rasche Branddetektion. Um Panik unter den Patient:innen zu vermeiden, erfolgt jedoch eine stille Alarmierung. Diese wird an vorab definierte Stellen übertragen, etwa an die AKH-Feuerwache, Leitstelle oder Stationsstützpunkte. Zudem ist das Gebäude, wie die anderen Einrichtungen am Gelände des AKH, mit einer Objektfunkanlage ausgestattet. Das sichert den ungestörten Funkverkehr in sämtlichen Räumen und Geschoßen.
Bedenken vs. Praxis: Holz überzeugt
Nach erfolgreichem Abschluss betont Werner Hoyer-Weber den Pioniercharakter des Projekts: „Es ist wegweisend, dass man sich in einer Krankenhausnutzung so klar für diese nachhaltige Umsetzung entschieden hat. Das spürbare Engagement des Bauherrn und aller Gewerke hat die Realisierung ermöglicht.“ Die Brandschutzplanung musste dabei aktiv auf die Feinheiten im Modulbau eingehen, da sich selbst kleine Fertigungs-, Transport- und Montageprozesse auf das Verhalten der Konstruktion im Brandfall auswirken können. Auch in puncto Holzbau findet der Fachplaner klare Worte: „Holz ist und bleibt ein brennbarer Baustoff.
In Brandschutzkonzepten wird er aber eingebettet in eine Gesamtheit an abgestimmten Maßnahmen wie Brandabschnitte, Abschottungen oder Anlagentechnik“, erklärt Hoyer-Weber. Damit bleibe ein Brand – wie bei Beton, Ziegel und anderen nicht brennbaren Baustoffen – stets auf einen minimalen Bereich beschränkt.