CEOs blicken immer weniger optimistisch in die Zukunft

gleichzeitig steigen Deal-Bereitschaft und KI-Investitionen deutlich
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich.
Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich.
© WWW.POV.AT / EY

Konzernchefs weltweit blicken immer weniger optimistisch in die Zukunft: Im Vergleich zum Jänner dieses Jahres sank der Anteil der Optimisten von 24 auf 18 Prozent, nachdem er im September vergangenen Jahres noch bei über einem Drittel (35 %) gelegen hat. Mit Einschränkungen optimistisch sind aktuell weltweit noch 42 Prozent – im September 2025 war noch jeder zweite CEO eher positiv gestimmt (49 %). Pessimistisch äußern sich derzeit global neun Prozent der Unternehmenschefs.

Besonders große Sorgen bereiten den CEOs weltweit aktuell geopolitische Krisen: Mehr als jeder zweite Unternehmenschef weltweit (56 %) zählt politische Instabilität und Kriege zu den zwei größten Risiken für das eigene Unternehmen. Makroökonomische Schwankungen wie z.B. Inflation und Zinsvolatilitäten spielen für 31 Prozent eine zentrale Rolle. Technische Disruption (23 %) und Cybersicherheit bzw. Datenrisken (22 %) beunruhigen fast ein Viertel der CEOs.

Trotz der zunehmenden Sorge in Bezug auf Konjunktur und Weltpolitik: Mehr denn je setzen CEOs weltweit auf Zukäufe oder Fusionen, um ihre Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen: International gesehen liegt der Anteil an geplanten M&A-Aktivitäten mit 62 Prozent auf Rekordniveau.

Das sind Ergebnisse des aktuellen CEO-Survey, basierend auf einer Befragung von 1.200 CEOs weltweit. Die Umfrage wurde im April 2026 durchgeführt.

„Der Druck nimmt weiter zu. Die gleichzeitigen Herausforderungen durch geopolitische Konflikte, Handelsbarrieren, instabile Lieferketten, steigende Energiepreise sowie tiefgreifende technologische Veränderungen stellen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen: CEOs agieren unter ständiger Anspannung und stehen dennoch vor der Aufgabe, langfristige und strategisch bedeutsame Entscheidungen zu treffen. Geschäftsmodelle müssen heutzutage schneller als je zuvor überprüft und gegebenenfalls grundlegend angepasst werden. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, kann jedoch nicht in jedem Fall erfolgreich umgesetzt werden.“
—Gunther Reimoser, Country Managing Partner von EY Österreich

Reimoser weist darauf hin, dass immer weniger CEOs optimistisch sind:

„Die Zuversicht schwindet zunehmend, dass nach Zeiten großer Unsicherheit auch wieder ruhigere Phasen kommen werden. Ständiges Krisenmanagement und das Bewältigen immer neuer Herausforderungen sind mittlerweile Alltag.“
—Gunther Reimoser

Am optimistischen zeigen sich die Unternehmenslenker in Japan und Großbritannien (64 %), den USA (63 %) sowie Kanada und Italien (je 58 %). Der Anteil der Pessimisten ist in Deutschland und China mit je 14 Prozent am höchsten.

Höchster M&A-Appetit seit 2010: 62 Prozent vor Übernahme oder Fusion

Trotz der unsicheren makroökonomischen und geopolitischen Rahmenbedingungen bleiben Transaktionen ein zentraler Hebel für Transformation und Wachstum – allerdings mit stärkerem Fokus auf strategische Passung und Kompetenzaufbau statt reiner Skalierung. 62 Prozent wollen in den nächsten zwölf Monaten aktiv eine Übernahme oder Fusion verfolgen – das ist der höchste Wert seit 2010; vor einem Jahr lag der Anteil bei 48 Prozent.

89 Prozent der CEOs erwarten, dass ihre eigene Deal‑Bereitschaft in den nächsten zwölf Monaten steigen wird. Am stärksten ist der M&A-Appetit in Deutschland: 28 Prozent sehen deutlich zunehmende Deal-Bereitschaft, gefolgt von Italien mit 22 und Großbritannien mit 20 Prozent. Die geringste Zunahme ist in Indien zu sehen. Hier wollen nur drei Prozent deutlich zukaufen. Die USA bleiben das wichtigste Zielland für geplante M&A‑Aktivitäten, gefolgt von Indien, dem Vereinigten Königreich, Kanada und Deutschland.

Portfoliostrategien geprägt von KI und langfristigem strategischem Fit

KI‑Kompetenzen beeinflussen zunehmend Portfoliodesign und Kapitalallokation: Fast die Hälfte der Befragten (48 %) nennt den Ausbau von Technologie‑ oder KI‑Fähigkeiten als wichtigsten Faktor bei Akquisitions‑ oder Desinvestitionsentscheidungen, dicht gefolgt vom strategischen Fit mit langfristigen Wachstumszielen (47 %).

Für das kommende Jahr planen CEOs eine Mischung aus Transaktionsstrategien: M&A (62 %), strategische Allianzen (57 %), Joint Ventures (45 %) sowie Desinvestitionen (42 %).

„CEOs nutzen Transaktionen als strategischen Hebel für langfristiges Wachstum und bewahren gleichzeitig die Flexibilität, kurzfristig zu reagieren. Es geht nicht um opportunistisches Wachstum, sondern um disziplinierte Portfoliostrategien mit klarem Fokus auf strategische Passung und nachhaltigen Wert.“
—Eva-Maria Berchtold, Leiterin EY-Parthenon Österreich  

KI-Investitionen steigen bei acht von zehn Unternehmen

Die große Mehrheit der Unternehmen – weltweit 80 Prozent – plant, die KI-Investitionen im Jahr 2026 im Vergleich zum Vorjahr zu erhöhen. Der Anteil an Unternehmen, die noch kein Kapital für KI vorsehen oder weniger investieren wollen als im Vorjahr, fällt mit je einem Prozent verschwindend gering aus. 

KI beginnt, messbare Effekte auf Unternehmensebene zu liefern, insbesondere in wachstumsrelevanten Bereichen wie Kundennutzen (42 %), Produktion sowie Strategie (41 %) und Innovation (40 %). Zudem bleibt KI ein zentraler Treiber des CEO‑Vertrauens: 83 Prozent der Befragten zeigen sich optimistisch hinsichtlich der Investitionspläne ihres Unternehmens in neue Technologien.

Dennoch bleiben Talentengpässe eine der größten Hürden bei der Ausschöpfung des KI‑Potenzials. Jeder fünfte CEO nennt fehlende KI‑ und Datenkompetenzen sowie unzureichende Führungskapazitäten für den Umgang mit KI‑getriebenem Wandel als größte personalbezogene Herausforderung. Daher planen 43 Prozent, Rollen neu zu gestalten und 42 Prozent, in Weiterbildung des Personals zu investieren. Mehr als ein Drittel (35 %) möchte zusätzliche Mitarbeitende einstellen.

„CEOs sehen KI aktuell nicht als Ersatz für menschliche Arbeit. Mit der zunehmenden Verankerung von KI steigt die Nachfrage nach Talenten, die fachliche Expertise mit KI‑Kompetenz verbinden. Das eigentliche Risiko sind nicht Jobverluste, sondern wachsende Qualifikationslücken.“
—Gunther Reismoser