Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung

Deutschlands größte genossenschaftliche serielle Sanierung in Hagen
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Rendering Balkonseite
Rendering Balkonseite
© Hagen eG

Der Wohnungsverein Hagen eG und das Berliner Unternehmen ecoworks sanieren zwölf Wohngebäude im Hagener Stadtteil Helfe seriell und energetisch. Das Investitionsvolumen beträgt 23 Millionen Euro. Das Projekt gilt als bislang größte genossenschaftliche serielle Sanierung in Deutschland und soll 192 Wohnungen auf den KfW-Effizienzhausstandard 55 (EH 55) heben sowie einen bilanziell treibhausgasneutralen Gebäudebetrieb erreichen.

Vorfertigung statt Baustelle

Die zwölf Gebäude stammen aus dem Jahr 1966 und umfassen rund 15.000 Quadratmeter Wohnfläche. Kernmerkmal der seriellen Sanierung ist die industrielle Vorfertigung von Bauteilen wie Fassadenelementen. Dadurch verkürzt sich die Bauzeit vor Ort erheblich, und die Belastung für die Mieter im bewohnten Zustand sinkt wesentlich.

„Energetische Modernisierungen sind der Schlüssel zu einem CO₂-neutralen Gebäudebestand. Mit der seriellen Sanierung durch ecoworks setzen wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie im Quartier Helfe konsequent um. So machen wir unseren Bestand fit für die Zukunft und senken CO₂-Ausstoß sowie Heizkosten für unsere Mieterinnen und Mieter spürbar.“
—Sebastian Greese, Geschäftsführer des Wohnungsvereins Haben eG

Maßnahmen im Detail

Die seriellen Sanierungsmaßnahmen umfassen vier Bereiche:

  • Thermische Gebäudehülle: Industriell vorgefertigte Holzrahmen-Fassadenmodule mit ab Werk integrierter Dämmung, Fenstern und elektrischen Rollläden.
  • Dach und PV-Anlage: Neudämmung und Abdichtung der Flachdächer; eine Photovoltaikanlage speist den erzeugten Strom vollständig ins Netz ein.
  • Wohnkomfort: Deutlich größere und überdachte Vorstellbalkone ersetzen die bestehenden Loggien.
  • Haustechnik: Die zentrale Fernwärmeversorgung bleibt erhalten; dezentrale Abluftventilatoren und Nachströmöffnungen in den Fenstern sichern das Raumklima.

36 Prozent weniger Endenergiebedarf

Der Endenergiebedarf des Projekts sinkt voraussichtlich um 36 Prozent. Die Kombination aus seriell sanierter Gebäudehülle und lokaler Stromerzeugung über PV-Anlagen spart im Quartier jährlich knapp 190 Tonnen CO₂-Emissionen ein. Damit positioniert sich das Quartier Helfe als Referenzprojekt für klimaneutralen Gebäudebetrieb im genossenschaftlichen Segment.

„Dieses Vorzeigeprojekt mit zwölf Gebäuden zeigt das enorme Potenzial der seriellen Sanierung für die Dekarbonisierung des Gebäudebestands. Durch unseren extrem hohen Vorfertigungsgrad machen wir eine effiziente, schnelle und klimaneutrale Transformation der Wohnungswirtschaft skalierbar.“
—Emanuel Heisenberg, Gründer und CEO von ecoworks

Marktkontext: Sanierungsrate unter einem Prozent

Rund 75 Prozent der Wohngebäude in Deutschland gelten als energetisch sanierungsbedürftig. Die aktuelle Sanierungsrate liegt bei unter einem Prozent pro Jahr. Die serielle Sanierung adressiert diesen Rückstand durch industrialisierte Prozesse: Sie erhöht die Sanierungsrate, senkt Kosten und stellt bezahlbaren Wohnraum schneller bereit. Das Projekt in Hagen-Helfe demonstriert, dass sich dieser Ansatz auch in der genossenschaftlichen Wohnungswirtschaft wirtschaftlich umsetzen lässt.