Einer der Erfolgsfaktoren bei New World Of Work (NWOW) Projekten besteht darin, aus Mitarbeitern Beteiligte zu machen, meint Christian Hauser, Senior Resources bei Samsung Electronics Austria, im Interview mit dem ImmoFokus.
Einer der Erfolgsfaktoren bei New World Of Work (NWOW) Projekten besteht darin, aus Mitarbeitern Beteiligte zu machen, meint Christian Hauser, Senior Resources bei Samsung Electronics Austria, im Interview mit dem ImmoFokus.
Lässt sich New World Of Work in jedem Unternehmen umsetzen? Welche Aufgaben kommen in Zuge eine NWOW-Strategie auf HR-Abteilungen zu? Christian Hauser: Nein, auf keinen Fall. New World Of Work (NWOW) ist nicht für jedes Unternehmen geeignet. Vor einer Einführung sollte man sich überlegen, ob eine NWOW-Strategie auch zum Unternehmen passt. Wenn ich ein Geschäftsmodell habe, bei dem ich Menschen benötige, die gerne Gewohntes in Routine nine-to-five abarbeiten, wenn „thinking out of the box“ nicht notwendig ist, dann brauche ich auch kein NWOW. Dann habe ich aber auch Mitarbeiter, die so arbeiten wollen. Welche Anforderungen werden an Mitarbeiter gestellt, um NWOW erfolgreich umsetzen zu können? Ich brauche Mitarbeiter, die etwas Neues ausprobieren wollen. Mitarbeiter, die Privat- und Berufsleben selbst organisieren, selbst unter einen Hut bringen wollen. Mitarbeiter, die eine hohe Selbstverantwortung für ihr Leben übernehmen wollen. Als Personalverantwortlicher muss ich mir die Frage stellen: Habe ich die richtigen Mitarbeiter, die nicht nur damit können, sondern auch bereit sind umzulernen? Beim Recruiting muss ich darauf achten, exakt diese Mitarbeiter zu bekommen. Es nützt mir nichts, wenn ich Mitarbeiter ins Unternehmen hole, die fachlich gut sind, die ich aber zu NWOW zwingen muss. Ich muss meinen potentiellen Arbeitnehmern schon beim Recruiting vermitteln: So schaut dein Arbeitsplatz, dein Arbeitsumfeld aus. Passen wir zusammen oder nicht? Wie kann ich aber in einem bestehenden Unternehmen Mitarbeiter, die gewohnt sind, nine-to-five zu arbeiten, für NWOW motivieren? Kann in einem Unternehmen auch eine Mischform funktionieren? Es gibt drei Kategorien von Mitarbeitern. Da gibt es erstens Mitarbeiter, die begeistert sind, und dann jene, die gar nichts Schönes an dem neuen Konzept finden und das Unternehmen verlassen. Am spannendsten ist die Gruppe, die weder der einen noch der anderen Gruppe zuzurechnen ist. Die große Kunst ist es, die Menschen abzuholen: Wie kann ich sie zu Beteiligten machen? Die Frage ist leicht und schnell zu beantworten: Man muss ihnen möglichst viel Information geben. Man muss ihnen den Nutzen aufzeigen. Nicht nur den Nutzen für das Unternehmen, sondern auch den persönlichen Nutzen, den sie aus der neuen Strategie ziehen können. Vor allem aber: Man muss Angebote formulieren. Es gibt da genug Möglichkeiten: Awareness-Trainings, aber auch Führungskräfteschulungen. Man muss alles ausprobieren. Dieser Prozess ist sicher nicht nach einem oder drei Monaten abgeschlossen. Nach ein, zwei Jahren wird sich dann die Spreu vom Weizen trennen. Große internationale und nationale Unternehmen sind mit großem Enthusiasmus gestartet. Bis zur letzten Konsequenz hat es keiner durchgehalten. Sie bauten tolle Collaboration-Räume. Die sind aber nur für Mitarbeiter, die auch damit etwas anfangen können. Manche Mitarbeiter brauchen einen eigenen, einen persönlichen Arbeitsplatz, weil er ein Teil von ihnen ist. Die Unternehmen verfolgten dann eben nicht mehr die reine Lehre, weil es in der Praxis nicht funktionierte. Das heißt, nicht alle Unternehmensbereiche sind gleich gut für NWOW geeignet? Ich denke da zum Beispiel an die Buchhaltung oder das Controlling. Diese Mitarbeiter müssen doch in Teams zusammenarbeiten, die sollten doch auf jeden Fall zusammensitzen? Das stimmt. Umso mehr Abteilungen intern ausgerichtet sind, umso weniger praxistauglich ist die Idee „jeder sucht sich jeden Tag seinen Arbeitsplatz neu“. Aber auch da gibt es Gegenbeispiele: Abteilungen die nach einem Business Partner Modell arbeiten, wie zB manche Human-Resource-Abteilungen, sitzen nicht mehr zusammen, sondern in den Abteilungen ihrer Business-Stakeholder. Für projektorientiertes Arbeiten gibt es Social Meeting Spaces. Mitarbeiter, die in Teams zusammenarbeiten müssen, finden automatisch zusammen, wenn man ihnen die Möglichkeit bietet. Ticken die Leute, die sich für Jobs in „NWOW-Unternehmen“ bewerben, einfach anders? Achten diese auf andere Dinge? Besteht bei einer konsequenten Umsetzung von NWOW nicht die Gefahr, dass Mitarbeiter, die viel zu Hause arbeiten, in eine Falle, nämlich die der Selbstausbeutung, fallen? Diese Gefahr ist natürlich gegeben. Da bedarf es auch einer abgestimmten Mitarbeiterführung. Hier ist das Management gefordert. Beide Seiten müssen lernen, mit NWOW umzugehen. Für Führungskräfte gibt es eigene Schulungen zum Thema NWOW. … und was passiert, wenn es dennoch zu Problemen kommt? Bei Samsung haben wir mit consentiv, einem externen Berater, ein eigenes Employee Assistance Program aufgesetzt. Bei consentiv können alle Arbeitnehmer und deren im selben Haushalt lebenden Angehörige, Coaching und Beratung , kostenfrei und anonym in Anspruch nehmen. Wie stark wird das Angebot genutzt? Welche Fragen werden behandelt? 10 bis 15 Prozent unserer Mitarbeiter bzw. deren Familienangehöriger nehmen diese Hilfe zu den unterschiedlichsten Themen in Anspruch. Das reicht von firmenbezogenen Problemen - „Ich habe Probleme mit meinem Vorgesetzten und weiß nicht, wie ich sie ansprechen soll“ - bis hin zu persönlichen, familiären Problemen wie „Die Abholzeiten des Kindergartens meines Kindes passen nicht“. Woran scheitern NWOW Projekte? Die Triade People, Place & Technology muss in der Firmenphilosophie verankert sein und mit der Praxis übereinstimmen. Was nützt es, Mitarbeiter mit Laptops auszustatten, die fix an den Schreibtischen verkabelt sind? Wie sollen diese Mitarbeiter die vorhandenen Social Rooms nutzen? NWOW muss vom Management gelebt werden. In vielen Fällen werden die Mitarbeiter nicht angeleitet, gemäß NWOW zu arbeiten. Die Architektur mag zwar wunderschön sein, ist aber vielleicht die falsche. Wenn ich NWOW plane, darf ich mich nicht von Fragen wie „Was ist sexy?“, „Was gibt es für technische Möglichkeiten?“, „Was ist die schönste Architektur?“ leiten lassen. Wenn ich das tue, blute ich mich finanziell aus. Das Unternehmen muss sich die Frage stellen: „Wer bin ich? Wie möchte ich agieren? Wie ist mein Geschäftsmodell?“ Die Antwort kann NWOW - oder auch ganz sicher nicht sein. NWOW kann vieles, NWOW ist aber sicher nicht die eierlegende Wollmilchsau! Was sie auf keinen Fall kann, ist unternehmerische Fehlentscheidungen abzufedern.