News

Die Zinswende ist da

EZB hebt Leitzins auf 2,25 % an – erste Erhöhung seit fast 3 Jahren! Inflation bei 3,2 %, Energiepreise +10,9 %.
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Christine Lagarde, EZB
Christine Lagarde, EZB
© Sanziana Perju/EZB

Die Europäische Zentralbank hebt erstmals seit September 2023 die Leitzinsen im Euroraum an. Der für Banken und Sparer wichtige Einlagenzins steigt von 2,0 Prozent auf 2,25 Prozent. Damit stemmt sich die Europäische Zentralbank EZB gegen den Inflationsschub infolge des Irankriegs.

"Der Krieg im Nahen Osten führt zu Inflationsdruck, und die Entscheidung für eine Zinserhöhung ist in einer Reihe von Szenarien, die die mögliche Entwicklung des Schocks und dessen Auswirkungen auf die mittelfristigen Aussichten für den Euroraum aufzeigen, unumstößlich", heißt es dazu in einer Aussendung der EZB.

Zuletzt hatte die Notenbank den Zins, den Geschäftsbanken für bei der EZB geparkte Gelder bekommen, siebenmal in Folge bei 2,0 Prozent belassen. Die letzte Zinserhöhung im Euroraum gab es im September 2023.

Die Zinserhöhung erfolgt in einem Umfeld, das die EZB vor ein "Stagflationsdilemma" stellt: hohe Inflation bei gleichzeitig sich eintrübenden Konjunkturaussichten. Die EZB rechnet im Basisszenario nun mit einem Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 0,8 % für 2026, 1,2 % für 2027 und 1,5 % für 2028. Dies entspricht einer Abwärtsrevision für 2026 und 2027 und spiegelt die stärkeren Auswirkungen des Krieges auf die Rohstoffmärkte, die Realeinkommen und das Vertrauen wider. Die Binnennachfrage wird voraussichtlich schwächer ausfallen als im März erwartet.

Die Aussichten sind weiterhin von hoher Unsicherheit geprägt, mit Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Der Konflikt im Nahen Osten belastet die Wirtschaft in der Eurozone und die Umfragen deuten auf eine Konjunkturabkühlung hin, insbesondere im Dienstleistungssektor.