Dunkle Wolken über dem Mandarin Oriental Vienna

Generalunternehmer Hagenauer soll auf unbezahlten Rechnungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro sitzen.
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Dunkle Wolken über dem Mandarin Oriental Vienna
© Mandarin Orienta

Mit Fanfaren und großem Pomp hat die traditionsreiche Mandarin Oriental Hotel Group im Dezember letzten Jahres ihr erstes Haus in Österreich, im umgebauten ehemaligen Handelsgericht in Wien, eröffnet.

Der Weg dahin war steinig. Ursprünglich war der Start des Mandarin Oriental Vienna bereits für das Jahr 2023 avisiert, dann wurde die Eröffnung für Oktober 2025 fixiert. Doch auch dieser Termin hielt nicht. Der Grund: Es gäbe von benachbarten Bewohnern ausführliche Bedenken wegen der möglichen Lärmimmissionen und fehlende Betriebsanlagengenehmigungen. Die 25 Luxus-Residenzen sollten mit Hotelservice angeboten werden – doch dafür fehlte die Betriebsanlagengenehmigung. So musste in einem Eilverfahren nachgebessert werden.

Jetzt hört man gerüchteweise, dass beim Eigentümer und Entwickler, der Brisen Group, hinter der die britisch-russischen Investoren Dimitry and Edita Vallen stehen, nicht alles Gold ist was da glänzt.

Es ist die Rede von abenteuerlichen Vertragskonstruktionen, unbezahlten Rechnungen und sonderbarem Geschäftsgebaren. So soll der Generalunternehmer Hagenauer auf unbezahlten Rechnungen in Höhe von rund 15 Millionen Euro sitzen und die Brisen Group zwingend gesetzlich vorgesehene Sicherstellungen verweigert haben oder nicht in der Lage sein, diese zu stellen.

Kapitalgeber sind die Wilmington Trust SP Services (Frankfurt) GmbH, die im Eigentum der M&T Bank Corporation in Boston steht und ein Real Estate Debt Fund der Aukera Real Estate AG.

100-Prozent Eigentümer der Brisen Development GmbH ist die LCG Services Immobiliers SA mit Sitz in Genf. An der Spitze: Verwaltungsrätin Edita Vallen. Geschäftsführer der Brisen Development GmbH in Wien sind Mag. Jörg Thomas-Leitner, und Conrad A. Weiss.

Und jetzt wird es spannend. Denn der Generalunternehmervertrag, der dem ImmoFokus vorliegt, hat es in sich. In Punkt 26 heißt es dazu: „Für den AG (Auftraggeber Anm.) sind ausschließlich folgende Personen ermächtigt, bindende Erklärungen mit Wirkung für den AG abzugeben und entgegenzunehmen, und zwar jeweils mit Einzelvertretungsbefugnis (insgesamt beschränkt auf dieses Projekt und diesen Vertrag:

Herr Dimitry Vallen und Frau Edita Vallen.

Die sonst vom AG eingesetzten Personen sind zur rechtsgeschäftlichen Vertretung des AG weder berechtigt noch ermächtigt, es sei denn, dies wird vom AG schriftlich bestätigt.“

Das Thema faktischer Geschäftsführer hatten wir doch gerade? Auch hier wird, wie bei der Signa von der Signa Group, immer von einer Brisen Group gesprochen, die aber nur als Briefkopf und als Gruppe nicht verbundener Unternehmen existiert.

Auch mit dem Verkauf der luxuriösen Residenzen, die mit vollem Hotelservice beworben werden, soll es nicht zum Besten stehen. Das Interesse an den Residenzen scheint, vorsichtig ausgedrückt, zu den aufgerufenen Kaufpreisen durchaus überschaubar zu sein. Das dürfte wiederum, soweit man hört, die oder zumindest eine Ursache für die finanziellen Probleme sein.

Es gibt keine großen, breit dokumentierten Skandale rund um Edita Vallen, Dimitry Vallen oder die Brisen Group in der internationalen Presse. Allerdings tauchen einige Punkte auf, die als potenziell sensibel gelten können dazu zählt unter anderem die komplexe Firmen- und Holdingstruktur in mehreren Ländern.

Der Name von Dimitry Vallen erscheint in der Offshore-Leaks-Datenbank des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Dort wird er als Shareholder einer Firma namens “Christie Consulting Inc.” in Panama geführt.

Wichtig zur Einordnung: Die Datenbank enthält Firmen aus den Panama Papers. Eine Erwähnung bedeutet nicht automatisch illegales Verhalten, sondern lediglich eine Verbindung zu einer Offshore-Firma. Solche Strukturen werden im internationalen Immobilien- und Investmentgeschäft häufig genutzt.

Eine Anfrage bei der Brisen Group in Wien, blieb bis jetzt unbeantwortet. Auch beim Totalunternehmer Hagenauer hält man sich (noch) bedeckt: „Wir kommentieren anhängige Auseinandersetzungen nicht.“

Ob sich da der nächste Immobilienskandal anbahnt?