Einheitliche Datenerfassung als Grundlage zukunftsfähiger Immobilien

„Vom Datenpunkt zur Entscheidung: Einheitliche Datenerfassung als Grundlage zukunftsfähiger Immobilien“.
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Peter Engert, ÖGNI
Peter Engert, ÖGNI
© ÖGNI/Martinez-Flener

Nicht fehlende Daten bremsen die Digitalisierung der Bau- und Immobilienwirtschaft — sondern die mangelnde Verbindlichkeit ihrer Nutzung. Zu diesem Befund gelangt eine Arbeitsgruppe der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) in ihrem neuen Positionspapier „Vom Datenpunkt zur Entscheidung: Einheitliche Datenerfassung als Grundlage zukunftsfähiger Immobilien“. Das Papier formuliert sieben konkrete Forderungen und richtet sich an Eigentümer, Investoren, Nutzer sowie die öffentliche Hand.

Regulatorischer Druck wächst

Der Hintergrund ist eindeutig: EU-Taxonomie, CSRD und die novellierte EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) verlangen valide, lebenszyklusbezogene Gebäudedaten. Die regulatorischen Anforderungen steigen — die verfügbare Datenbasis in Österreich hält damit nicht Schritt. Die Arbeitsgruppe beschreibt die aktuelle Datenlage als „stark fragmentiert“ und sieht darin ein strukturelles Hindernis für die Erfüllung bestehender Berichtspflichten.

Deutschland als Referenzmodell

Als Orientierungsrahmen verweist die ÖGNI-Arbeitsgruppe auf die deutsche DIN SPEC 91475, die digitale Gebäudedaten über den gesamten Lebenszyklus bereits verbindlich strukturiert. Einen vergleichbaren einheitlichen Ordnungsrahmen fordert die Arbeitsgruppe nun auch für Österreich. Davon würden laut Positionspapier mehrere Akteursgruppen profitieren: Eigentümer und Verwalter erhielten fundierte Entscheidungsgrundlagen, Investoren könnten ESG-Pflichten leichter erfüllen, Nutzer profitierten von transparenteren Abrechnungen, und die öffentliche Hand gewänne belastbare Daten über die bebaute Umwelt.

Sieben Forderungen im Überblick

Konkret benennt die Arbeitsgruppe sieben Maßnahmen. Dazu zählen die verpflichtende Bereitstellung standardisierter Gebäudedaten, der Aufbau einer zentralen europäischen Gebäudedatenbank sowie die vollständige Digitalisierung von Energieausweisen. Darüber hinaus fordert die Gruppe die systematische Rückmeldung der Gebäudeperformance durch Netzbetreiber an die jeweiligen Eigentümer — eine Maßnahme, die bislang weder einheitlich geregelt noch flächendeckend umgesetzt ist.

Handlungsbedarf für die Branche

Das Positionspapier der ÖGNI liefert der Branche eine klare Argumentationsbasis gegenüber Gesetzgeber und Normungsgremien. Die Forderung nach einem verbindlichen Datenstandard nach dem Vorbild der DIN SPEC 91475 adressiert eine Lücke, die mit zunehmendem Reporting-Druck durch CSRD und EU-Taxonomie an Gewicht gewinnt. Ob und wann entsprechende Regelungen auf nationaler oder europäischer Ebene folgen, bleibt offen — der Impuls aus der Branche ist gesetzt.