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Das AIT Austrian Institute of Technology koordiniert das neue EU-Forschungsprojekt CANVAS, das im September 2026 im Rahmen von Horizon Europe gestartet ist (Grant Agreement Nr. 101308703). Das Projekt bringt 18 Partnerorganisationen aus elf Ländern zusammen, läuft über vier Jahre und verfügt über ein Gesamtbudget von rund 5,11 Millionen Euro. Ziel ist es, Stadtmöblierung als Instrument für nachhaltige, inklusive und klimaresiliente öffentliche Räume in Europa neu zu positionieren.
Viele europäische Städte und Gemeinden kämpfen mit veralteter Infrastruktur, unzureichenden öffentlichen Aufenthaltsmöglichkeiten und mangelnder Sicherheit. Sitzgelegenheiten, Beleuchtung und weitere Elemente der Stadtmöblierung gelten in der öffentlichen Beschaffung überwiegend als funktionale Produkte — Aspekte wie Klimaanpassung, lokale Bedürfnisse oder kulturelle Identität bleiben dabei häufig unterbelichtet. CANVAS setzt hier an und entwickelt, auf Grundlage der Prinzipien des Neuen Europäischen Bauhauses, Gestaltungsansätze, die ökologische, soziale und kulturelle Anforderungen miteinander verbinden.
„Gestaltungsprozesse und öffentliche Beschaffung sollten das Potenzial von Stadtmöblierung als Motor für Nachhaltigkeit, lokale Wertschöpfung, Inklusion und kulturelle Identität stärker nutzen. Mit CANVAS wollen wir die Transformation öffentlicher Räume in Europa vorantreiben und gemeinsam einen neuen europäischen Qualitätsstandard für Stadtmöblierung entwickeln, der gestalterische Exzellenz, gesellschaftliche Beteiligung und ökologische Leistungsfähigkeit miteinander verbindet.“—Gudrun Haindlmaier, Projektkoordinatorin am AIT Center for Innovation Systems and Policy
Acht Pilotstandorte, 21 konkrete Lösungen
Das Projekt erprobt neue Ansätze an acht Pilotstandorten in unterschiedlichen europäischen Regionen: Ajdovščina (Slowenien), İzmir (Türkei), Longford County (Irland), Reșița (Rumänien), Reykjavík (Island), Oberösterreich sowie Wolin und Wrocław (Polen). Geplant sind insgesamt 21 konkrete Lösungen und sieben innovative Designmodelle. Dazu zählen modulare und flexibel nutzbare Stadtmöbel, der Einsatz kreislauffähiger Materialien sowie naturbasierte Elemente zur Beschattung und Begrünung. Die entwickelten Lösungen sollen ganzjährig Komfort, Sicherheit und Barrierefreiheit verbessern und gleichzeitig lokale kulturelle Besonderheiten berücksichtigen.
Partizipation und neue Beschaffungsstandards
Ein wesentlicher Bestandteil von CANVAS ist die aktive Einbindung der Bevölkerung. Gemeinden, lokale Organisationen, Kreativwirtschaft und Unternehmen identifizieren gemeinsam standortspezifische Herausforderungen und entwickeln daraus Lösungen. Künstlerische Gestaltung, Designwettbewerbe und digitale Werkzeuge unterstützen diese partizipativen Prozesse.
Über die Pilotstandorte hinaus erarbeitet CANVAS praxisorientierte Leitlinien und Instrumente für Gemeinden und regionale Akteure. Diese decken sämtliche Phasen der öffentlichen Beschaffung ab — von der gemeinsamen Entwicklung von Gestaltungskonzepten über die Auswahl nachhaltiger Materialien bis zur Berücksichtigung von Klimaanpassung und langfristiger Instandhaltung.
Monitoring, Wissenstransfer und „CANVAS on Tour"
Ein begleitendes Monitoring untersucht die Wirkungen der umgesetzten Maßnahmen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen in Empfehlungen für die Stadtentwicklung und öffentliche Beschaffung sowie in Strategien zur Übertragung erfolgreicher Lösungen auf weitere europäische Regionen ein. Mit „CANVAS on Tour“ ist zudem eine Initiative vorgesehen, die Erkenntnisse aus den Pilotstandorten aufgreift und im Rahmen einer Intervention im öffentlichen Raum in Oberösterreich praktisch umsetzt.
Das Kick-off-Meeting findet vom 14. bis 16. Oktober 2026 im DOCK am Wiener Donaukanal statt. Neben den internationalen Projektpartner:innen nehmen Vertreter:innen des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) sowie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) teil. Langfristig zielt CANVAS darauf ab, einen neuen europäischen Qualitätsmaßstab für Stadtmöblierung zu etablieren und öffentliche Räume als Orte der Begegnung, der gesellschaftlichen Teilhabe und der Klimaanpassung zu stärken.
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