Infrastrukturinvestitionen rücken in Deutschland stärker in den Fokus der Politik. Ziel ist es, private Investitionen in öffentliche Projekte schneller und einfacher zu ermöglichen. Gleichzeitig fehlt es weiterhin an belastbaren Daten und Erfahrung, insbesondere aus Sicht ausländischer Investoren. Transparenz und verlässliches Reporting gelten als zentrale Voraussetzungen.
Diese Themen diskutierten Christoph Kraiker (Hauck & Aufhäuser Fund Services), Dirk Krupper (Helaba Invest) und Martin Hüwel (Luther Rechtsanwaltsgesellschaft) in einer Expertenrunde. Infrastruktur-Investments lassen sich in unterschiedlichen Formen strukturieren, etwa als Fonds, Dachfonds, Co-Investments oder Joint Ventures. Je nach Anlegergruppe kommen unterschiedliche Vehikel infrage, darunter ELTIF-Strukturen, Sondervermögen oder Spezial-AIF.
Eine wichtige Rolle spielt der Fondsstandort. Luxemburg gilt als international etabliert und regulatorisch flexibler. „Das ermöglicht eine größere Vehikelauswahl und die Fondsprodukte lassen sich international besser vertreiben“, so Kraiker. Deutsche Fondsstrukturen seien stärker reguliert, würden aber von heimischen Investoren häufig bevorzugt.
Als weiterer Hebel gelten Public-Private-Partnerships. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass staatliche Risikoübernahmen Investitionen erleichtern können. Wenn der Staat etwa einen Teil möglicher Verluste absichert, sinkt das Risiko für private Investoren deutlich.
Unterschiede sehen die Experten auch bei Mitspracherechten. Während Immobilieninvestoren meist eng eingebunden sind, fehlt diese Transparenz bei Infrastruktur-Investments häufig. Einflussmöglichkeiten hängen stark von Größe und Zusammensetzung der Investorengruppe ab.
Mit Blick nach vorne setzen die Experten auf regulatorische Entlastungen. Hüwel sagt: „Das Standortfördergesetz, das voraussichtlich Anfang 2026 in Kraft tritt, wird den Rahmen für Infrastruktur- und Energiewendeinvestments insgesamt deutlich erleichtern.“ Auch auf EU-Ebene wird an einer Vereinfachung der ESG-Vorgaben gearbeitet.
Verbesserungen erwartet die Branche zudem beim Datenmanagement. Die Helaba Invest entwickelt ein Standard-Template zur Abfrage wirtschaftlicher Kennzahlen. „Für den Bereich Energie haben wir schon jetzt eine gute Datenbasis“, erklärt Krupper, während andere Infrastruktursegmente noch Nachholbedarf hätten. Künstliche Intelligenz soll künftig bei Analyse, Prognosen und Reporting unterstützen.
Insgesamt sehen die Experten großes Potenzial in Infrastruktur-Investments – auch in bislang wenig erschlossenen Bereichen wie Rechenzentren. Neben Renditechancen spiele dabei zunehmend auch der gesellschaftliche Nutzen eine Rolle.