Die EZB hat die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen. Für viele Experten kommt eine Anpassung noch zu früh – vor allem wegen der unsicheren Lage im Nahen Osten und unklarer Folgen für Inflation, Energiepreise und Wirtschaft.
„Mit der Beibehaltung des Leitzinsniveaus bestätigt die EZB die Markterwartungen“, sagt Felix Schindler. Gleichzeitig sei noch unklar, wie stark sich der Konflikt auf Lieferketten, Märkte und Preise auswirkt. Die Wahrscheinlichkeit für Zinserhöhungen sei zuletzt aber gestiegen.
Auch Francesco Fedele sieht die Entscheidung als erwartbar. „Steigende Energiepreise könnten zwar Bau- und Betriebskosten weiter erhöhen“, sagt er, größere Marktverwerfungen seien aber nur bei dauerhaft hoher Inflation zu erwarten. Kreditnehmer sollten sich stärker gegen steigende Zinsen absichern.
Steffen Sebastian spricht von einer weiterhin stabilen Lage, „wenn auch auf weiter erhöhtem Risikoniveau“. Die Finanzmärkte reagieren bislang moderat, langfristige Zinsen steigen nur langsam.
Für Maximilian Radert hat sich das Umfeld dennoch verändert: „Das Risikoprofil [hat sich] spürbar verschoben.“ Zinssenkungen seien unwahrscheinlicher geworden, während Inflationsrisiken zunehmen. Entscheidend bleibe, ob sich höhere Inflationserwartungen festsetzen – dann müsste die EZB reagieren.