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EZB-Präsidentin Christine Lagarde tritt vorzeitig zurück

Der Rücktritt ermöglicht die Nachfolge vor der Frankreich-Wahl und einem möglichen Wahlsieg Marine Le Pens.
Michael Neubauer
Michael Neubauer
LAGARDE, Christine
LAGARDE, Christine
© Sanziana Perju ECB

Die EZB-Chefin Christine Lagarde legt ihr Amt am 7. Februar 2027 nieder. Das gab die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag, dem 29. Oktober, bekannt. Damit verlässt die Französin die Spitze der europäischen Notenbank mehrere Monate früher als ursprünglich geplant. 

Lagarde habe den EZB-Rat sowie den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, über ihre Entscheidung informiert, teilte die Notenbank mit.

Nachfolge rückt in den Mittelpunkt

Mit der angekündigten vorzeitigen Amtsniederlegung beginnt die politische und wirtschaftliche Suche nach einer Nachfolge an der Spitze der EZB. Die Ernennung des neuen Präsidenten erfolgt durch den Europäischen Rat nach dem vorgesehenen europäischen Nominierungsverfahren. Eine offizielle Entscheidung über die Nachfolge liegt bislang nicht vor.

Als mögliche Kandidaten für den Spitzenposten werden unter anderem der frühere niederländische Notenbankchef Klaas Knot und der ehemalige spanische Zentralbankpräsident Pablo Hernández de Cos gehandelt. Das Rennen gilt jedoch weiterhin als offen.

Politischer Zeitplan sorgt für Aufmerksamkeit

Als Grund für den angeblichen Schritt nennen die Berichte die französischen Präsidentschaftswahlen im Frühjahr 2027. Die Überlegung dahinter: Ein Rücktritt vor der Wahl würde es den amtierenden EU-Staats- und Regierungschefs – darunter Emmanuel Macron und Friedrich Merz – ermöglichen, die Nachfolge zu regeln, bevor neue politische Kräfte Einfluss gewinnen könnten. Spekuliert wird dabei über einen möglichen Wahlsieg von Marine Le Pen und dem Rassemblement National, von dem man befürchtet, er könnte die Arbeitsweise der EZB grundlegend verändern wollen.

Bereits in den vergangenen Monaten hatte es Spekulationen über einen möglichen vorzeitigen Abgang Lagardes gegeben. Dabei wurde auch über einen möglichen Wechsel an die Spitze des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos berichtet. Über die konkreten Beweggründe für ihre nun angekündigte Entscheidung machte die EZB in ihrer Mitteilung zunächst keine Angaben.

Lagarde prägte Europas Geldpolitik

Christine Lagarde steht seit dem 1. November 2019 an der Spitze der EZB. Zuvor war sie geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und französische Finanzministerin.

Ihre Amtszeit war von außergewöhnlichen wirtschaftlichen Herausforderungen geprägt. Die Corona-Pandemie, massive Störungen der Lieferketten und der starke Inflationsanstieg nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine stellten die Geldpolitik im Euroraum vor große Herausforderungen.

Die EZB reagierte auf den Inflationsschub mit deutlichen Zinserhöhungen. Gleichzeitig stand die Notenbank wiederholt vor der schwierigen Aufgabe, Preisstabilität zu sichern, ohne die wirtschaftliche Entwicklung unnötig abzuwürgen.

Mit dem vorzeitigen Abgang Lagardes beginnt nun eine neue Phase für die europäische Geldpolitik – und ein wichtiges Kapitel im Ringen um die künftige Ausrichtung der EZB.

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