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EZB-Zinsentscheidung: Pause nach turbulenten Monaten

EZB den Abwarte-Modus: Die vollständigen Auswirkungen des Energieschocks müssen sich erst entfalten
Michael Neubauer
Michael Neubauer
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© Nitschmann, Hans-Joachim/AdobeStock

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am 29. Oktober 2026 entschieden, die Leitzinsen nicht zu verändern. Die Zinssätze bleiben damit auf dem Niveau, das seit dem 16. September 2026 gilt. Hinter dieser Entscheidung stecken steigende Energiepreise, eine Inflation über dem EZB-Ziel und noch nicht vollständig absehbare wirtschaftliche Folgen.

Die aktuellen Leitzinsen im Überblick

  • Einlagensatz: 2,50 % – dieser Satz bestimmt, wie viel Zinsen Banken erhalten, wenn sie überschüssiges Geld bei der EZB parken.
  • Hauptrefinanzierungssatz: 2,65 % – der zentrale Leitzins, zu dem sich Banken Geld von der EZB leihen.
  • Spitzenrefinanzierungssatz: 2,90 % – der Zinssatz für kurzfristige Notfallkredite, die Banken bei der EZB aufnehmen können.

Um die aktuelle Lage zu verstehen, lohnt sich ein kurzer Blick auf die vergangenen zwei Jahre. Zwischen Juni 2024 und Juni 2025 senkte die EZB die Zinsen gleich achtmal in Folge. Danach drehte sich die Richtung: Im Jahr 2026 erhöhte die EZB die Zinsen zweimal – zunächst im Juni, dann erneut am 10. September 2026. Beide Male stieg jeder Zinssatz um 0,25 Prozentpunkte. Die heutige Entscheidung bedeutet nun eine Pause in dieser Erhöhungsphase.

Laut der offiziellen Pressemitteilung der EZB vom 29. Oktober 2026 spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Energiepreise steigen weiter und treiben die Inflation nach oben.
  • Gleichzeitig bremsen höhere Energiekosten das Wirtschaftswachstum.
  • Die Kerninflation – also die Preisentwicklung ohne Energie und Lebensmittel – blieb bisher weitgehend stabil.
  • Die Löhne reagieren in diesem Stadium noch kaum auf den Energieschock.

Die EZB steht damit vor einem Dilemma: Einerseits drücken steigende Energiepreise die Inflation nach oben, andererseits belasten sie die Wirtschaft. Eine weitere Zinserhöhung hätte das Wachstum zusätzlich geschwächt, ohne die Ursache – den Energiepreisanstieg – direkt zu bekämpfen.

Die Inflation im Euroraum lag im August 2026 bei 3,3 %. Die Kerninflation betrug 2,4 %. Beide Werte liegen über dem EZB-Ziel von 2,0 %. Das zeigt: Der Preisdruck bleibt spürbar, auch wenn er sich nicht weiter beschleunigt hat.