FBI fordert Effizienz und Verlässlichkeit statt Förderstopp

Nur ausgewogene Mittelverwendung ermöglicht Effizienz; erst Heizwärmebedarf reduzieren, dann Kessel tauschen.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI)
Georg Bursik, Vorstandsvorsitzender Forschungsverband der österreichischen Baustoffindustrie (FBI)
© Baumit GmbH/APA-Fotoservice Hörmandinger

Der Forschungsverband der Baustoffindustrie (FBI) zeigt sich kritisch gegenüber Plänen des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, den Sanierungsbonus ab sofort auf den Heizkesseltausch zu fokussieren.

Entsprechend der überraschenden Ankündigungen sind neue Registrierungen und Förderanträge nur mehr für den Heizkesseltausch möglich. Damit werden Fenstertausch und thermisch energetische Sanierung de facto auf 2027 verschoben, obwohl noch nicht alle Fördermittel der Sanierungsoffensive 2026 abgerufen wurden. Solche kurzfristigen Eingriffe gehen zu Lasten von Planbarkeit und schaffen Unsicherheit bei Gebäudeeigentümer und Betrieben, wodurch Investitionen verhindert werden.

„Die heute verkündete Schwerpunktsetzung der im November präsentierten Fördermaßnahmen greift  zu kurz und verkennt die zentrale Rolle der thermisch-energetischen Sanierung der Gebäudehülle. Effizienz bedeutet, zuerst die Gebäudehülle zu sanieren sowie den Energieverbrauch zu senken und danach den Heizungstausch umzusetzen. Da im Rahmen der Sanierungsoffensive 2026 noch Mittel vorhanden sind, dürfen investitions- und sanierungsbereite Gebäudeeigentümer nicht auf 2027 vertröstet werden“, appelliert FBI-Vorstandsvorsitzender Georg Bursik für eine ausgewogene Mittelverwendung. „Ohne konsequente Reduktion des Heizwärmebedarfs bleibt jeder Heizkesseltausch lediglich eine teure Symptombekämpfung.“

Förderende bremst dringend notwendige Investitionen

Dämmung, Fenster- und Fassadensanierung sind die Grundvoraussetzung für nachhaltige CO₂ Reduktion, dauerhaft leistbare Heizkosten und den effizienten Einsatz moderner Heizsysteme. Deshalb gilt es zuerst den Heizwärmebedarf dauerhaft zu senken und danach folgt der Heizungstausch. Dennoch zeigte sich bereits in der letzten Förderperiode eine massive Schieflage in der Mittelverwendung: Ein erheblicher Teil der Fördergelder floss in den Heizkesseltausch, während für ganzheitliche thermische Sanierungen kaum ausreichend Budget zur Verfügung stand. Die Folge waren Überförderungen mit hohen Mitnahmeeffekten, ohne den Heizwärmebedarf der Gebäude substanziell zu senken.

Dabei zeigt eine vom FBI beauftragte volkswirtschaftliche Studie von Friedrich Schneider (JKU Linz) klar, dass gerade thermische Sanierungen besonders hohe gesamtwirtschaftliche Effekte erzielen: Fördermittel in diesem Bereich lösen ein Vielfaches an Wertschöpfung im Inland aus, sichern zehntausende Arbeitsplätze entlang der Bau- und Baustoffwertschöpfungskette und führen zu höheren Steuer- und Abgabenrückflüssen, als der Staat an Förderung einsetzt. Diese Ergebnisse werden durch ein weitere Studie des FBI untermauert. Auch diese zeigt, dass Investitionen in die thermische Sanierung besonders hohe Multiplikatoreffekte, stabile regionale Beschäftigung und eine nachhaltige Stärkung des Wirtschaftsstandorts bewirken – Effekte, die beim isolierten Heizkesseltausch in dieser Breite nicht erreicht werden.

Das angekündigte Förderende trifft Eigentümer und Betriebe gleichermaßen. Als Folge  könnten Investitionsentscheidungen verschoben, Projekte gestoppt und Kapazitäten in der Bau- und Sanierungswirtschaft unsicher werden. Der FBI fordert daher eine ausgewogene Mittelverteilung zwischen Heiztechnik und thermischer Sanierung, eine klare Priorisierung von Maßnahmen mit hoher CO₂- und Wertschöpfungswirkung, sowie Planungssicherheit und Kontinuität für Sanierungswillige und Betriebe. „Effizienz im Sinne des Klimaschutzes und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit beginnt bei der Gebäudehülle. Alles andere greift zu kurz“, so das abschließende Fazit von Georg Bursik.