Die US-Notenbank Federal Reserve beließ den Leitzins am 29. Juli 2026 zum fünften Mal in Folge unverändert. Der Zielkorridor verharrt bei 3,50 % bis 3,75 % (effektiver Fed Funds Rate: 3,63 %). Die Entscheidung fiel jedoch nicht einstimmig — und der Blick auf das September-Meeting zeigt, dass die Pause nicht zwingend anhält.
Entscheidung im Detail
Die Mehrheit des Gremiums votierte für eine unveränderte Zinspolitik — ein Ergebnis, das 62 bis 79 % der Analysten im Vorfeld erwartet hatten. Lediglich 20 bis 38 % rechneten mit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte; eine Zinssenkung galt mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 2 % als nahezu ausgeschlossen.
Gespaltenes FOMC: Drei Gegenstimmen
Die Entscheidung war umstritten. Drei Fed-Gouverneure — Beth M. Hammock, Neel Kashkari und Lorie K. Logan — stimmten gegen den Beschluss und sprachen sich für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte aus. Dieses Stimmungsbild spiegelt die aktualisierte Dot-Plot-Prognose vom Juni 2026 wider: 9 von 18 FOMC-Mitgliedern erwarten mindestens eine Zinserhöhung im zweiten Halbjahr 2026.
Makroökonomischer Hintergrund
Die US-Inflation liegt derzeit bei 4,2 % — deutlich über dem Fed-Ziel von 2 %. Die Arbeitslosenquote beträgt ebenfalls 4,2 %. Beide Kennzahlen prägen den geldpolitischen Spielraum des FOMC und begründen die anhaltende Diskussion über weitere Zinsschritte.
Sonderfaktoren: Geopolitik, KI-Engpässe und neuer Fed-Chef
Mehrere Faktoren belasten das wirtschaftliche Umfeld zusätzlich: Geopolitische Spannungen rund um den Iran-Konflikt sowie gestiegene Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck. Hinzu kommt ein Inflationsdruck durch KI-Engpässe. An der Spitze der Fed steht seit 2026 Kevin Warsh, der als Vertrauter von Donald Trump gilt und einen eher restriktiven geldpolitischen Kurs verfolgt.
Ausblick: September-Meeting als nächste Weichenstellung
Der Markt preist für das September-Meeting bereits eine Wahrscheinlichkeit von rund 77 % für eine Zinserhöhung ein. Angesichts der anhaltend erhöhten Inflation, der internen Meinungsverschiedenheiten im FOMC und des restriktiven Kurses von Fed-Chef Warsh bleibt die geldpolitische Richtung für das zweite Halbjahr 2026 offen — die nächste Sitzung dürfte zur entscheidenden Weichenstellung werden.