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Finanzsektor kämpft mit Klimawandel

"Wir haben gar keine historische Evidenz, was bedeutet eine Klimaerwärmung von "x" für das Kreditrisiko?", umriss Erste-Group-Chef Bernd Spalt die Aufgabenstellung
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Spalt
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© Erste-Bank Zac.

"Der Klimawandel beeinflusst auch die Geschäfte von Banken und Versicherungen. Sie müssen mit den zukünftigen Risiken kalkulieren. Dafür gibt es jedoch noch keine entsprechenden Erfahrungswerte und Daten. "Wir haben gar keine historische Evidenz, was bedeutet eine Klimaerwärmung von "x" für das Kreditrisiko?", umriss Erste-Group-Chef Bernd Spalt die Aufgabenstellung bei der FMA-Aufsichtskonferenz in Wien. "Da müssen mal Hypothesen generisch aufgestellt werden."

"Nächstes Jahr werden wir einen Klimastresstest haben", sagte der Vize-Vorsitzende des Aufsichtsgremiums der Europäischen Zentralbank (EZB), Frank Elderson. Wie lange es dauern werde, bis Klimarisiken in Finanzrisiken übersetzt werden könnten, "ist schwierig zu sagen".# Erste-Group-Chef Bernd Spalt ist "ziemlich skeptisch bezüglich Klimastresstest". "Aber wenn man ihn für Lernzwecke verwendet, warum nicht?", meinte er. Eine grundsätzliche Vergleichbarkeit zu schaffen, "was ist 'grün' und was ist nicht 'grün'", sei gut. Ob beispielsweise Atomenergie "eine wünschenswerte nachhaltige Energie" sei, das werde in Europa "nicht einheitlich gesehen". "Das ist ein politisches Thema."

"Wir machen keine Klimapolitik", bekräftigte EZB-Aufseher Elderson. Es gehe um die Unterstützung der Unternehmen in dieser Transformation, sagte Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorständin der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB). Die OeKB beschäftigte sich bereits seit Anfang 2000 mit dem Thema Nachhaltigkeit. "Bei großen Projekten, die wir über Hausbanken finanzieren, prüfen wir auch Sozial- und Umweltaspekte." Die Kontrollbank gehe "bewusst nicht bloß auf 'grün', sondern auch auf 'sustainable'" (nachhaltig, Anm.). "Aber vielleicht sind wir da schon einen Schritt weiter."

In der gesamten "Financial Community" sei Nachhaltigkeit "ein großes Thema", strich der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl, hervor. "Es ist erstaunlich, was sich da an Dynamik entwickelt - wir sind da mit einem ziemlich großen 'Drive' unterwegs", vermerkte er als positiv. Verschiedenste politische Fragestellungen seien dabei "nicht beantwortet, wir brauchen aber diese Rahmenbedingungen", erklärte der FMA-Chef. Die Regulierungen müsse man erst umsetzen. "Da ist zu viel Politik drin und zu wenig essenzielles Know-how", kritisierte Ettl.

"Was wir gerade erleben, ist die größte Veränderungen der Wirtschaft - das ist eine riesige Revolution", betonte Elderson mit Blick auf die EU-Klimaziele. "Die gesamte Atmosphäre, in der wir alle uns bewegen, verändert sich." Und auch alle Banken verstünden, dass sie sich in irgendeiner Weise bewegen und verändern müssten. (apa)