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Die österreichische Flugverkehrsabgabe steht unter massivem Druck. Politische Akteure quer durch alle Lager, die Luftfahrtbranche und der Flughafenbetreiber verlangen ihre Abschaffung — während die Bundesregierung auf Haushaltsdisziplin besteht und Alternativen ablehnt. Die Debatte gewinnt an Schärfe, je deutlicher die Passagierzahlen in Wien sinken und jene in Bratislava steigen.
Abgabe: 12 bis 30 Euro pro Passagier, 168 Millionen Euro Jahresertrag
Die Flugverkehrsabgabe beträgt derzeit 12 Euro pro Passagier bei regulären Flügen sowie 30 Euro bei Kurzstreckenflügen unter 350 Kilometern. Sie generierte 2024 rund 168 Millionen Euro für den Bundeshaushalt. Kritiker halten diesem Betrag entgangene Tourismuseinnahmen in Milliardenhöhe entgegen.
Politischer Druck quer durch alle Lager
Die FPÖ brachte einen Antrag auf ersatzlose Abschaffung im Nationalrat ein; dieser wurde an den Verkehrsausschuss verwiesen. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) fordert die vollständige Streichung und bezeichnet die Abgabe als „Schildbürgerstreich“. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) verlangt zumindest eine „ehrliche Evaluierung“. ÖVP-Verkehrssprecher Joachim Schnabel spricht sich für eine Senkung aus.
Luftfahrtbranche erhöht den Druck
Ryanair fordert die Abschaffung der Abgabe bis 31. Dezember 2025 und droht andernfalls mit weiteren Kapazitätskürzungen. Austrian Airlines kritisiert die Abgabe als Wettbewerbsnachteil. Flughafen-Wien-Vorstand Günther Ofner verlangt die vollständige Abschaffung. Die Steuer habe keinen Lenkungseffekt, es komme nur zu einer Verdrängung, soOfner an. Billig-Airlines wie Wizz Air kehren dem Flughafen Wien-Schwechat den Rücken oder ziehen wie Ryanair Flugzeuge vom Standort ab und wechseln nach Bratislava mit deutlich niedrigeren Kosten. „Die Ticketabgabe ist ein Schuss ins Knie und ein Arbeitsplätzeförderprogramm für Bratislava, denn die zwei Millionen Passagiere, die uns heuer fehlen, hat Bratislava mehr“, sagte Ofner kürzlich in einem Interview in der Zeit im Bild.
Wien verliert, Bratislava gewinnt
Die Verlagerungseffekte sind messbar. Im April 2026 wuchs der Passagierverkehr in Bratislava um 170 Prozent gegenüber dem Vorjahr; Wien verzeichnete im selben Monat einen Rückgang von 10 Prozent. Der Flughafen Wien erwartet für 2026 rund 2 Millionen Passagiere weniger als prognostiziert — etwa 30 Millionen statt 32,6 Millionen. Parkplatzdaten unterstreichen die Verschiebung: Am Flughafen Wien wurden 25 Prozent weniger Fahrzeuge mit ungarischen und 22 Prozent weniger mit slowakischen Kennzeichen gezählt. Die staatlichen Standortkosten sind seit 2019 um 87 Prozent gestiegen.
Bundesregierung hält Kurs
Verkehrsminister Peter Hanke bezeichnet eine Abschaffung als „unrealistisch“ und verweist auf die angespannte Budgetlage. Das Finanzministerium lehnt eine Streichung wiederholt ab. Zugesagt wurden 30 Millionen Euro Krisenhilfe im Rahmen des Doppelbudgets 2027/28 — laut Flughafen Wien ein unzureichendes Angebot.
Grüne: Sozial-ökologische Weiterentwicklung statt Abschaffung
Die Grünen lehnen eine ersatzlose Streichung ab. Sie fordern stattdessen eine sozial-ökologische Weiterentwicklung der Abgabe mit einer Staffelung nach Ticketpreisen sowie eine höhere Belastung für Privatjets. Ihr Argument: Der Luftverkehr solle einen Beitrag zu den öffentlichen Finanzen leisten.
Fazit: Milliardenverluste gegen 168 Millionen Euro Einnahmen
Den 168 Millionen Euro Jahreseinnahmen stehen befürchtete Milliardenverluste durch entgangene Tourismuseinnahmen gegenüber. Die Verlagerung von Passagieren nach Bratislava schreitet messbar voran. Ob die Bundesregierung unter dem wachsenden Druck aus Wirtschaft und Politik ihre Position hält, bleibt offen — ebenso wie die Frage, ob eine moderate Senkung als Kompromiss tragfähig wäre.
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