Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an

Im Freiburger Stadtteil Stühlinger entsteht im Auftrag der Freiburger Stadtbau (FSB) auf dem Areal einer früheren Siedlung ein sozial vielfältiges und nachbarschaftlich geprägtes Wohnquartier.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an
Freiburg Quartier Im Metzgergrün
© David Matthiessen
Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an
Freiburg Quartier Im Metzgergrün
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Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an
Freiburg Quartier Im Metzgergrün
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Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an
Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an
Freiburger Quartier Im Metzgergrün nimmt neue Formen an

Mit dem abgeschlossenen ersten Bauabschnitt und dem Start in die zweite Phase nimmt das „Quartier Im Metzgergrün“ immer weiter Form an. Den neu gestalteten Stadtraum mit künftig rund 580 Wohnungen kennzeichnen Vielfalt der Bewohner, ein moderner Geschosswohnungsbau mit anteilig konstruktivem Holzbau, gemeinschaftliche Begegnungs- und Grünflächen rund um einen renaturierten Bachlauf sowie ein für Freiburg erstmaliges Quartiers-Erschließungszertifikat in Platin durch die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Im Auftrag der FSB soll im westlichen Stadtteil Stühlinger ein zukunftsweisendes Quartier entstehen, das moderne Wohnstandards erfüllt, durch Nachverdichtung zusätzlichen Wohnraum schafft und eine vielfältige Mischung aus gefördertem, frei finanziertem Wohnraum sowie Eigentumswohnungen ermöglicht. Infolge eines städtebaulichen Wettbewerbs und einer Mehrfachbeauftragung ging im Jahr 2017 als Siegerentwurf das Quartierskonzept des international agierenden Architekturbüros Dietrich Untertrifaller – kurz DTFLR – mit Standorten unter anderem in Bregenz, Wien, München, Paris und Belgrad sowie der Landschaftsarchitekt:innen von Ramboll Studio Dreiseitl aus Überlingen hervor, die inzwischen Teil des dänischen Planungsbüros Henning Larsen Architects sind.

Bereits mit der Auslobung stand fest, dass die bestehende Siedlungsstruktur die Anforderungen an das neue Quartier nicht erfüllen konnte und daher schrittweise durch Neubauten ersetzt werden sollte. Ausschlaggebend waren neben der nicht mehr zeitgemäßen Bausubstanz insbesondere Defizite bei Brandschutz und Statik, der geringe bauzeitbedingte energetische Standard und die fehlende Barrierefreiheit. Gleichzeitig ermöglichte erst die Neubebauung die Schaffung zusätzlicher geförderter Wohnungen und eines vielfältigeren Wohnungsangebots.

Vielfalt und soziale Ausgewogenheit

Im Frühjahr 2026 konnte ein erster Bauabschnitt auf dem insgesamt 5,9 Hektar großen Areal fertiggestellt werden. Entlang der Bissierstraße im Norden des Quartiers entstand ein Wohnensemble auf vormals weitgehend unbebautem Gelände, das lediglich Garagen und Wohnmobilstellplätze zur Verfügung stellte. Errichtet wurden zwei Wohnhöfe mit insgesamt 175 Wohnungen, darunter 125 geförderte, 26 frei finanzierte und 24 Eigentumswohnungen.

Der Mix aus unterschiedlich finanzierten Wohnungstypen unterstreicht den Wunsch, eine lebendige Umgebung beizubehalten, vorhandene Qualitäten fortzuschreiben und soziale Vielfalt durch eine ausgewogene Nachbarschaft zu ermöglichen. Im Lauf der weiteren Quartiersentwicklung wird auf dem Areal eine vormals zweigeschossige Siedlungsstruktur aus den 1950er Jahren sukzessive rückgebaut und südlich des fertiggestellten ersten Bauabschnitts um weitere Wohnblöcke ergänzt. Die FSB ermöglicht ihren bisherigen Mieter:innen, innerhalb des Areals in die nach und nach fertiggestellten Neubauten umzuziehen, und damit den Verbleib im Gebiet.

Zahlreiche Wünsche der Bestandsbewohnerschaft flossen in die Planung und Gestaltung des Quartiers ein. So werden im geförderten Wohnungsbau vorwiegend kleine, kompakte Grundrisse realisiert, die jedoch um eine Vielzahl an gemeinschaftlichen Flächen ergänzt werden. Terrassen, Loggien und Balkone für jede Wohnung, Laubengänge und erweiterte Erschließungszonen für nachbarschaftliche Begegnung sowie Gemeinschaftsgärten und vielseitig nutzbare Freiräume ergänzen das private Wohnungsangebot.

Städtebauliches Konzept, das die Geschichte des Ortes fortschreibt

Das neue Quartier entwickelt sich aus dem Vorhandenen und dem gelebten Miteinander heraus. Es übersetzt den tief verwurzelten, nachbarschaftlichen Gedanken in eine modern gestaltete Umgebung mit hoher Wohn- und Lebensqualität. Das städtebauliche Konzept befähigt eine gemeinschaftlich orientierte, lebendige Quartiersatmosphäre, die ein ausgewogenes Verhältnis von Rückzug und Offenheit zulässt. Das Areal wird in insgesamt sechs Wohnblöcke eingeteilt, die jeweils kleinere Gemeinschaften innerhalb des Wohngebiets formulieren. Eine Abfolge von Winkel-, Riegel- und Punktbauten schafft eine lockere und schlüssig gruppierte Verteilung der Baukörper auf dem Areal. Die Zwischenräume rücken in den Mittelpunkt. Durch die offene Blockbebauung entstehen fließende Übergänge zwischen den zurückgezogenen Innenhöfen, den gemeinschaftlichen Grünflächen und Begegnungszonen im Quartier sowie zur weiteren Stadtumgebung.

Der zuvor am Rand der Siedlung verlaufende Runzbach, ein ehemaliger Gewerbebach, wurde freigelegt, renaturiert und in die Mitte des Quartiers verlegt. Die bereits fertiggestellten, viergeschossigen Baukörper orientieren sich zu diesem neuen, ökologisch reichhaltigen Korridor, der das Quartier gliedert und zusätzliche Aufenthaltsqualität schafft. Es entsteht eine neue Identifikation mit dem Ort, an dem sich die Zugehörigkeit zum eigenen Wohnensemble mit dem gemeinsam erlebbaren Naturraum und der größeren Gemeinschaft verweben.

Materialvielfalt in Konstruktion und Fassaden

Das bunte, lebendige Quartierskonzept ergänzt eine variantenreiche Architektur, die sich sowohl durch die Wahl der Konstruktionsmaterialien als auch in einer abwechslungsreichen Fassadengestaltung äußert. Die Tragstrukturen reichen vom Massivbau über reinen Holzbau bis hin zu Holz-Hybridbauten.

Außen zeigt sich ebenfalls ein abwechslungsreiches Bild: Hell verputzte Wandflächen mit farbigen Balkonbrüstungen, Holz- und Plattenverkleidungen variieren. Mit Glassteinen ausgefachte Wände, tiefe Loggien, kommunikative Laubengänge sowie Fassadenbegrünung und Gründächer, partiell als begehbare Dachterrassen, ergänzen die Gestaltungspalette an den Gebäudehüllen. Zudem konnten aus den früheren Siedlungshäusern des Quartiers alte Fensterläden zu Pergolen für die Erschließungswege und Gemeinschaftsflächen verarbeitet werden. Der elementierte Holzbau liefert seinerseits einen Beitrag zu künftig möglicher Zirkularität. Photovoltaikanlagen und ein umfassendes Regenwassermanagement ergänzen den hohen Nachhaltigkeitsanspruch. Das künftige Wohnviertel wird verkehrsberuhigt erschlossen und dadurch zum weitestgehend autofreien, intensiv begrünten und klimaresilienten Stadtraum.

DGNB-Erschließungszertifikat in Platin attestiert hohe Nachhaltigkeitskriterien für das Quartier

Das Quartier Im Metzgergrün konnte bereits während der Planungs- und Erschließungsphase ein DGNB-Erschließungszertifikat in der höchsten Auszeichnungsstufe Platin erhalten. Mit einem Erfüllungsgrad von mehr als 80 Prozent bewertet die Zertifizierung ökologische, ökonomische, soziokulturelle und technische Qualitäten ebenso wie die Prozessqualität der Planung. Zu den zentralen Kriterien zählen Klimaschutz, Klimaanpassung und Resilienz. Berücksichtigt werden unter anderem die CO₂-Emissionen in Planung, Bau und späterer Nutzung, das Stadt- und Mikroklima, Umweltrisiken und der langfristige Werterhalt sowie die Förderung der Biodiversität. Es handelt sich dabei um das erste entsprechende Zertifikat für Freiburg sowie das zweite in Baden-Württemberg.

Die Fertigstellung des gesamten Quartiers ist bis Anfang der 2030er Jahre geplant. Im eingeläuteten zweiten Bauabschnitt sollen 208 Einheiten, davon 125 öffentlich geförderte Wohnungen, 53 freifinanzierte Wohnungen sowie 30 Eigentumswohnungen hinzukommen. Außerdem ist ein Quartiers-Service-Zentrum vorgesehen, das Angebote für Pflege, Betreuung und Begegnung sowie einen offenen Quartierstreff beinhaltet. In den späteren Bauabschnitten entsteht die grüne Mitte mit einem zentralen Marktplatz, Parkanlagen, einem Café sowie Spielplätzen und eine mehrgruppige Kindertagesstätte, die sich über das Quartier hinaus der Stadt Freiburg öffnen.

„Im Metzgergrün ist es unser tiefes Anliegen, die Qualitäten des Bestands-Quartiers zu übertragen und im Einklang mit den Menschen und der Natur eine zukunftsfähige, lebenswerte Wohnumgebung zu schaffen, die dem heutigen städtebaulichen und architektonischen Nachhaltigkeitsanspruch entspricht sowie einer sozial ausgewogenen, vielfältigen Stadtgesellschaft gerecht wird.“ Patrick Stremler, Architekt und CEO Partner bei DTFLR.

„Diese städtebauliche Komposition aus Wohnhöfen, sozialräumlicher Mitte, hochwertigen und differenziert nutzbaren Freiräumen, neuen Vernetzungen und richtigen Wegeverbindungen hat das Potenzial, ein modellhaftes und zukunftsweisendes Quartier entstehen zu lassen […] Der Entwurf gestaltet im Sinne der Ansprüche des Projektes Metzgergrün überzeugend die sozialen, ökologischen, und partizipativen Themen der gestellten Aufgabe – städtebaulich, freiraumgestalterisch und architektonisch. Die Arbeit wird damit auch der bisherigen Geschichte dieses Projektes in besonderer Weise gerecht.“ 
—– aus dem Jurystatement zum Gewinnerentwurf 2017

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