GBV-Bilanz 2025: 11.900 Fertigstellungen,

Marktanteil bei Baubewilligungen überschreitet 50-Prozent-Marke
Ferdinand Neubauer
Ferdinand Neubauer
GBV-Bilanz 2025: 11.900 Fertigstellungen,
© Kristina Kircher
GBV-Bilanz 2025: 11.900 Fertigstellungen,
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GBV-Bilanz 2025: 11.900 Fertigstellungen,
GBV-Bilanz 2025: 11.900 Fertigstellungen,

Der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) hat auf seiner Bilanzpressekonferenz die Ergebnisse der Schnellerhebung 2025 präsentiert. Die Zahlen belegen einen Rückgang bei den Fertigstellungen, zeigen aber zugleich, dass der gemeinnützige Sektor seinen Anteil am Mehrgeschoßwohnbau deutlich ausgebaut hat. „Im Jahr 2025 wurden von den gemeinnützigen Bauvereinigungen rund 11.900 Wohnungen fertiggestellt. Das entspricht einem Rückgang von 13 % gegenüber 2024. Dennoch muss betont werden, dass die gemeinnützigen Bauvereinigungen der stabilisierende Faktor für die Baukonjunktur waren und sind“, erklärte Verbandsobmann KR Mag. Michael Gehbauer.

Marktanteil und Ausblick: GBVs gewinnen Boden gegenüber gewerblichem Sektor

Während die Fertigstellungszahlen sinken, verschiebt sich die Marktstruktur spürbar. Der gewerbliche Sektor verzeichnet bei den Baubewilligungen einen deutlich stärkeren Einbruch als der gemeinnützige Bereich. In der Folge kletterte der GBV-Marktanteil bei Baubewilligungen im Mehrgeschoßwohnbau auf über 50 Prozent. Für 2026 rechnet der Verband mit einem weiteren moderaten Rückgang auf rund 11.000 bis 11.600 Fertigstellungen; ab 2027 zeichnet sich ein sanfter Aufwärtstrend ab. Verbandsobmannstellvertreterin Isabella Stickler verwies auf die strukturelle Stärke des Sektors: „Während gewerbliche Bauträger Projekte vielfach verschieben oder zurückstellen müssen, sichern die gemeinnützigen Bauvereinigungen mit ihrer langfristigen Ausrichtung Kontinuität in der Wohnbauleistung und tragen wesentlich zur Stabilisierung des Marktes bei.“

Investitionsvolumen: Neubau und Bestand zusammen rund 4,4 Milliarden Euro

Das Neubau-Investitionsvolumen der GBVs wird für 2025 auf rund 2,7 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen rund 1,7 Milliarden Euro, die in Sanierung und Instandhaltung fließen. Das Gesamtvolumen von rund 4,4 Milliarden Euro unterstreicht die anhaltende volkswirtschaftliche Relevanz des gemeinnützigen Wohnbaus, auch in einem angespannten Marktumfeld.

Herausforderungen: Baukosten, Grundstücke und geopolitische Risiken

Hohe Baukosten, ein knappes Grundstücksangebot und gestiegene Zinsen belasten die Bautätigkeit weiterhin. Stickler wies zusätzlich auf geopolitische Risikofaktoren hin: „Die Auswirkungen des Nahostkonflikts und die damit einhergehenden Energiekostensteigerungen sind derzeit noch nicht abschätzbar und könnten die weitere Entwicklung maßgeblich beeinflussen.“

Beim Thema Grundstücke fordert Gehbauer politisches Handeln auf Bundes- und Länderebene: „Leistbare Grundstücke sind das Fundament für leistbare Wohnungen. So sollten etwa Grundstücke, die im Eigentum von Gebietskörperschaften stehen, für leistbaren Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.“

Sanierungen und Heizungsumstellungen: Rekordwerte im Bestand

Im Bereich Sanierung verzeichnen die GBVs Allzeithochs. Die Zahl thermisch sanierter Wohnungen stieg 2025 auf rund 7.900, nach 6.800 im Vorjahr — ein Plus von 17 Prozent. Die Umstellungen auf klimafreundliche Heizsysteme erhöhten sich um weitere 6 Prozent auf rund 6.900 Wohnungen (2024: 6.600). Gehbauer betonte die Bedeutung stabiler Förderrahmenbedingungen: „Es zeigt sich einmal mehr, dass die GBVs Vorreiter in Sachen Sanierung und klimafreundlicher Heizsysteme sind. Wichtig ist, dass dieser eingeschlagene Weg nicht durch Förderkürzungen torpediert wird.“

Bundesländer: Starke regionale Divergenz

In vier der neun Bundesländer stiegen die Fertigstellungen 2025 gegenüber dem Vorjahr. Die stärksten Zuwächse verzeichneten das Burgenland (+65 %, 940 Wohnungen) und Kärnten (+22 %, 220 Wohnungen). Salzburg legte um 20 Prozent auf 1.300 Wohnungen zu, Oberösterreich um 7 Prozent auf 2.020 Wohnungen. Deutliche Rückgänge gab es hingegen in Niederösterreich (-44 %, 1.560 Wohnungen), der Steiermark (-40 %, 820 Wohnungen) und Tirol (-29 %, 1.200 Wohnungen). Wien verzeichnete ein Minus von 7 Prozent auf 3.580 Wohnungen, Vorarlberg ebenfalls -7 Prozent auf 270 Wohnungen. Der Verband weist darauf hin, dass sich alle Bundesländerangaben auf den Sitz der jeweiligen Bauvereinigung beziehen; im mehrjährigen Durchschnitt entstehen 94 Prozent aller GBV-Wohnungen im selben Bundesland, in dem die Bauvereinigung ihren Sitz hat.

Forderungen des Verbandes: Fünf strukturelle Maßnahmen

Der Verband der gemeinnützigen Bauvereinigungen formuliert angesichts der aktuellen Marktlage einen konkreten politischen Forderungskatalog:

  • Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung, sodass Fördermittel ausschließlich für den Wohnbau eingesetzt werden
  • Ausreichende Fördermittel für die Dekarbonisierung des Wohnbaus zur Beschleunigung des laufenden Tempos
  • Mobilisierung öffentlicher Grundstücke für den gemeinnützigen Wohnbau
  • Aufbau alternativer Finanzierungsmodelle als zusätzliche Finanzierungssäule
  • Flächendeckende, verbindliche Widmungskategorien für gemeinnützigen Wohnbau in allen Bundesländern

„Nur mit entschlossenem Handeln können die Voraussetzungen geschaffen werden, damit gemeinnütziger Wohnbau auch künftig seine zentrale Rolle für leistbares Wohnen in Österreich erfüllen kann“, betonten Gehbauer und Stickler übereinstimmend. Die GBVs verwalten derzeit über eine Million Wohnungen und versorgen mehr als zwei Millionen Menschen in Österreich mit Wohnraum.