Gewerbe- und Handwerkerparks gewinnen weiter an Bedeutung

Stabile Nachfrage bei fortschreitender Professionalisierung
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Objektfoto SQUARE PARKS Hamburg-Jenfeld
Objektfoto SQUARE PARKS Hamburg-Jenfeld
© JENNER-EGBERTS Foto+Film/ SQUARE PARKS

Gewerbe- und Handwerkerparks entwickeln sich trotz des weiterhin herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds stabil und gewinnen auf Nutzer-, Investment- und Finanzierungsseite weiter an Bedeutung. Zu diesem Befund kamen Sven Carstensen MRICS (bulwiengesa), Henning Nietz (SQUARE PARKS), Andreas Pfaff (Berlin Hyp) und Niklas Räther (AEW Invest) in einem von RUECKERCONSULT organisierten Webinar unter dem Titel „Resilient durch Vielfalt: Mit Gewerbeparks und Gewerbehöfen stabil durch die Krise“. Als maßgebliche Treiber identifizierten die Teilnehmer die breite Nutzerstruktur, flexible Flächenkonzepte, urbane Lagen, eine hohe Drittverwendungsfähigkeit sowie die zunehmende Professionalisierung des Segments.

Neubau gewinnt an Gewicht

Das Segment speiste sich traditionell aus Bestandsimmobilien und der Nachnutzung ehemaliger Industrieareale. Dieser Schwerpunkt verschiebt sich.

„Wir kommen bei Gewerbeparks und bei Gewerbehöfen traditionell stark aus der Bestandsimmobilie und aus der Nachnutzung ehemaliger Industrieareale. Inzwischen sehen wir jedoch, dass sich das Segment sukzessive auch im Neubau etabliert. Gleichzeitig bleiben Nachfrage und Mietertreue stabil, während das Flächenangebot begrenzt ist. Die Mieten entwickeln sich daher schrittweise weiter nach oben.“
—Sven Carstensen, Geschäftsführer von bulwiengesa

Die Marktdaten von bulwiengesa untermauern diese Einschätzung: Im ersten Halbjahr 2026 wurden rund 284.400 Quadratmeter Gewerbeparkflächen fertiggestellt. Der Flächenumsatz belief sich im selben Zeitraum auf rund 325.800 Quadratmeter. Für das Gesamtjahr erwartet bulwiengesa steigende Umsätze bei weiterhin stabiler Nachfrage und sukzessiv steigenden Mieten.

Breite Nutzerstruktur: Kein Klumpenrisiko auf Objektebene

Ein zentrales Resilienzargument liefert die Diversität der Mieterstruktur.

„Wir sehen kein einzelnes Nutzercluster, von dem Gewerbeparks abhängig sind. Unsere Mieter kommen aus dem Handwerk und dem produzierenden Gewerbe ebenso wie aus E-Commerce, Last Mile oder technologieorientierten Bereichen. Genau diese Branchenvielfalt sorgt dafür, dass wir auf Objektebene kaum Klumpenrisiken haben und wirtschaftliche Schwankungen besser ausgleichen können.“
—Henning Nietz, Geschäftsführer von SQUARE PARKS

SQUARE PARKS entwickelt überwiegend Halleneinheiten zwischen rund 400 und 1.500 Quadratmetern mit ergänzenden Büroflächen, die für Produktion, Lagerung oder Showroom-Nutzungen einsetzbar sind. Neben der Flächenflexibilität gewinnen laut Nietz eine hochwertige Bauweise, moderne Gebäudetechnik sowie die urbane Lage als Erreichbarkeitskriterium für Mitarbeiter, Kunden und Zulieferer zunehmend an Gewicht.

Drittverwendungsfähigkeit und Standortdisziplin entscheiden

Aus Sicht institutioneller Investoren ergänzen urban gelegene Gewerbeparks klassische Logistikimmobilien dort, wo kleinere und flexiblere Flächengrößen gefragt sind. 

„Gewerbeparks bedienen einen Flächenbedarf, den klassische großflächige Logistikimmobilien nicht abdecken können. Für uns ist das Segment deshalb eine sinnvolle Diversifikation, insbesondere im Größenbereich von etwa 1.000 bis 3.000 Quadratmetern pro Einheit. Entscheidend sind eine hohe Standortdisziplin sowie eine Immobilie, die flexibel nutzbar und möglichst breit drittverwendungsfähig ist.“
—Niklas Räther, Executive Director und Head of Investment Germany bei AEW Invest

Berlin Hyp sieht Segment seit 2015 im Aufwind

Auch auf der Finanzierungsseite hat sich das Segment etabliert.

„Die Assetklasse hat sich von einer Nische stetig weiter professionalisiert. Bei uns ist sie seit circa 2015 im Portfolio sukzessive mitgewachsen und inzwischen ein relevanter Bestandteil unseres Kreditbestands. Gerade aufgrund seiner Resilienz und Zukunftsfähigkeit sehen wir das Segment sehr positiv.“
—Andreas Pfaff, Bereichsleiter Inland Nord/West der Berlin Hyp

Als entscheidende Kriterien für die Finanzierungsentscheidung nennt Pfaff einen professionellen und bonitätsstarken Investor beziehungsweise Entwickler, einen belastbaren Track Record, professionelles Asset Management sowie überzeugende Standort- und Objektqualitäten. Bei mittel- bis langfristigen Investmentfinanzierungen gelte stets eine objektspezifische und individuelle Betrachtung.

Asset- und Property-Management

Multi-Tenant- und Mixed-Use-Strukturen erfordern eine aktive Steuerung von Vermietung, Betrieb und Mieterstruktur. Dieser erhöhte Managementaufwand ist laut den Webinar-Teilnehmern kein Hindernis, sondern integraler Bestandteil des Investment Case. 

„Gerade deshalb gewinnt ein professionelles Asset- und Property-Management für Investoren und Banken an Bedeutung.“
—Henning Nietz

SQUARE PARKS greift dabei als Teil der ADOLF WEBER Gruppe auf langjährige Erfahrung und bestehende Strukturen im Asset- und Property-Management zurück.

Das Webinar verdeutlichte insgesamt, dass sich Gewerbe- und Handwerkerparks von einem bestandsgeprägten Nischensegment zu einem zunehmend standardisierten und institutionell wahrgenommenen Investmentprodukt entwickeln. Steigende Fertigstellungszahlen, stabile Flächenumsätze, eine breite Nutzerbasis sowie die wachsende Akzeptanz bei Investoren und Banken signalisieren eine weitere Professionalisierung des Segments.