Nach dem erfolgreichen Abschluss der Sanierungsarbeiten am Gründerzeithaus Fernkorngasse 41 in Wien-Favoriten besuchte Innovationsminister Peter Hanke das Projekt gemeinsam mit den Projektverantwortlichen. Das Vorhaben erhielt im Rahmen der Förderinitiative „Technologien und Innovationen für die klimaneutrale Stadt (TIKS)“ des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) eine Förderung von 500.000 Euro aus der 3. Ausschreibung 2024. Ziel der Initiative ist es, innovative Technologien und praxisnahe Lösungen für die Klimawandelanpassung österreichischer Städte zur Umsetzung zu bringen. Das Ergebnis in der Fernkorngasse gilt nun als Leuchtturmprojekt für die klimafitte Sanierung des Gründerzeitbestands.
Duschabwasserwärmerückgewinnung: Österreichweit erstmals flächendeckend umgesetzt
Den technologischen Kern des Projekts bildet eine dezentrale Duschabwasserwärmerückgewinnung, die erstmals österreichweit in allen Wohnungen eines Wohngebäudes installiert wurde. Die Technologie gewinnt einen beträchtlichen Teil der bisher ungenutzten Energie aus dem Abwasser zurück und setzt sie für die Warmwasserbereitung ein. In einem gut sanierten Gebäude lässt sich der Energiebedarf für Warmwasser damit um 30 bis 40 Prozent senken. Projektleiterin Felicitas Wettstein vom Büro Schöberl & Pöll unterstreicht die Relevanz des Ansatzes: „Die in allen Wohnungen eingebaute Duschabwasserwärmerückgewinnung macht dieses Projekt zu einem Vorzeigebeispiel für ressourcenschonende Sanierung im urbanen Raum. Sie zeigt, wie selbst beim Duschen Energie eingespart und der Warmwasserbedarf deutlich reduziert werden kann.“
Geothermie auf öffentlichem Grund: Neues Modell für den dicht bebauten Stadtraum
Sechs Tiefensonden versorgen das Gebäude gemeinsam mit Wärmepumpen fossilfrei mit Energie für Heizung, Kühlung und Warmwasser. Vier der Sonden wurden auf öffentlichem Grund errichtet — ein in Wien bislang selten realisierter Ansatz. In Kombination mit einer Photovoltaikanlage und der Wärmerückgewinnung entsteht ein vollständig erneuerbares Energiesystem. Architekt Günther Trimmel von Trimmel Wall Architekten ordnet die Bedeutung ein: „Vier der Tiefensonden wurden auf öffentlichem Grund errichtet – ein in Wien bislang selten umgesetzter Ansatz, der neue Möglichkeiten für die Nutzung von Geothermie im dicht verbauten Stadtgebiet eröffnet.“
Thermische Sanierung: 78 Prozent weniger Heizwärmebedarf
Die umfassende thermische Sanierung der Straßen- und Hoffassaden, die Dämmung der Kellerdecken sowie der Fenstertausch reduzierten den Heizwärmebedarf des Gebäudes um rund 78 Prozent. An der Hoffassade kamen Strohdämmung und Glaskugelputz zum Einsatz; in einer Musterwohnung wurden Schafwolldämmung und Strohputzträgerplatten als ökologische Alternativen zu konventionellen Baustoffen erprobt. Der gesamte Fußbodenaufbau wurde aus natürlichen und ressourcenschonenden Materialien hergestellt. Außenliegender Sonnenschutz und passive Kühlung über die Fußbodenheizung sichern den Wohnkomfort auch während sommerlicher Hitzeperioden.
Projektbeteiligte: Einschätzungen aus der Praxis
„Die Transformation unseres Gebäudebestands ist eine der zentralen Herausforderungen auf dem Weg zur Klimaneutralität. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie technologische Innovation, ökologische Verantwortung und hohe Wohnqualität erfolgreich miteinander verbunden werden können. Hier ist ein wichtiges Vorbild für die nachhaltige Erneuerung unserer Städte entstanden.“—Bundesminister Peter Hanke
„Dieses Projekt beweist eindrucksvoll, wie der historische Charakter eines Gründerzeithauses bewahrt und gleichzeitig ein wichtiger Beitrag zu klimafittem und leistbarem Wohnen geleistet werden kann. Die Innovation, die hinter dieser Sanierung steckt ist beispielgebend. Die Stadt Wien und der Bund unterstützen dabei gemeinsam mit Beratung und Förderung. Das Ergebnis: leistbarer Wohnraum bei höchster Wohnqualität, der für Generationen gesichert bleibt.“—Stadträtin Hanel-Torsch
„Das historische Eckhaus wird in allen Belangen up-to-date gebracht, nicht nur thermisch und energetisch. Auch die Wohnqualität steigt für die Bewohner – mit mehr Platz, mehr Freiräumen, Barrierefreiheit und einer zeitgemäßen Ausstattung für alle Wohnungen.“—Gregor Puscher, Geschäftsführer des wohnfonds_wien
Das Projekt Fernkorngasse 41 demonstriert, wie sich innovative Technologien, erneuerbare Energien und ökologische Baustoffe im Gründerzeitbestand kombinieren lassen. Die erstmalige flächendeckende Umsetzung der Duschabwasserwärmerückgewinnung sowie der Einsatz von Geothermie auf öffentlichem Grund setzen Maßstäbe, die für die weitere Altbausanierung im urbanen Raum Österreichs relevant werden könnten.