Der Linzer Einzelhandelsmarkt zeigt sich trotz weiterhin herausfordernder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen robust und entwickelt sich zunehmend zu einem der dynamischsten Retail-Standorte außerhalb Wiens wie der neueste Marktbericht des internationalen Immobiliendienstleisters CBRE zeigt. Hohe Kaufkraft, stabile Beschäftigungsstrukturen sowie mehrere laufende Projektentwicklungen sorgen für eine positive Entwicklung und steigendes Interesse nationaler wie internationaler Marken.
Zentrale Einkaufsachse bleibt die Landstraße mit 191 Geschäften in A-Lage, die als höchstfrequentierte Einkaufsstraße außerhalb Wiens gilt. Im Verlauf des Jahres 2025 kam es dort zu mehreren Neueröffnungen, darunter Søstrene Grene (vermittelt von CBRE), Scotch & Soda sowie Only & Sons. Zwar schließt die Interio Filiale Mitte des Jahres, doch bestehende Händler investieren in ihre Standorte: So befindet sich beispielsweise Kleider Bauer aktuell in einer umfassenden Umbauphase mit geplanter Wiedereröffnung Ende 2026. Die Mieten liegen zwischen 40 und 70 Euro pro Quadratmeter im Monat für Geschäfte in der Größe zwischen 100 und 500 Quadratmetern.
Eine Besonderheit des Standorts ist die Kombination aus klassischer Highstreet und mehreren innerstädtischen Einkaufszentren wie Linzerie, Passage und Atrium City Center. Gleichzeitig sorgt die nahegelegene PlusCity in Pasching weiterhin für intensiven Wettbewerb im oberösterreichischen Retailmarkt. „Umso wichtiger werden klar positionierte Konzepte, starke Marken und eine hohe Aufenthaltsqualität“, sagt Christoph Ecker, Director Retail bei CBRE Österreich.
Auch auf Projektseite erhält der Markt zusätzliche Impulse. Der Umbau der Passage Linz wurde 2025 abgeschlossen, während die Neupositionierung und Modernisierung des Einkaufszentrums „Pro Kaufland“ in Urfahr derzeit umgesetzt wird. Darüber hinaus entstehen mit neuen Mixed-Use-Projekten wie dem Quartier „Quadrill“ moderne Nutzungskonzepte mit Handel, Gastronomie, Fitness und Nahversorgung. „Der Markt entwickelt sich klar in Richtung Nutzungsmix und Erlebnisorientierung. Reine Verkaufsflächen reichen nicht mehr – gefragt sind Standorte mit Aufenthaltsqualität und ergänzenden Angeboten“, sagt Christoph Ossberger, Leiter des Standorts Westösterreich bei CBRE.
Steigender Einzelhandelsumsatz
Der gesamtösterreichische Einzelhandelsmarkt zeigt generell nach herausfordernden Jahren erste Anzeichen einer Stabilisierung. Dementsprechend legte der Umsatz 2025 inflationsbereinigt leicht um 0,8 Prozent zu. Wachstumstreiber waren insbesondere der Lebensmittelhandel sowie der E-Commerce, während der Non-Food-Bereich – vor allem Möbel, Sport und Elektronik – unter Druck bleibt. Gleichzeitig sorgen steigende Energie- und Personalkosten für anhaltenden Margendruck und eine fortgesetzte Marktbereinigung, die sich in Insolvenzen und Flächenreduktionen widerspiegelt. „Der österreichische Retailmarkt befindet sich aktuell in einer Phase der Konsolidierung. Aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen agieren sowohl Händler als auch Investoren weiterhin selektiv“, sagt Ecker.
Investmentmarkt mit selektivem Fokus
Auch der Retail-Investmentmarkt zeigt wieder zunehmende Aktivität. Im Jahr 2025 lag das Investmentvolumen bei rund 485 Millionen Euro und machte etwa 12 Prozent des gesamten Immobilieninvestmentmarktes aus. Bedeutende Abschlüsse waren unter anderen das Kaufhaus Tyrol in Innsbruck oder der Verkauf des Gewerbeparks Stadlau in Wien. Internationale Investoren dominieren weiterhin das Marktgeschehen, wobei der Fokus klar auf Core-Produkten und Trophy-Assets liegt. Fachmarktzentren mit hoher Nahversorgungsfunktion stehen besonders im Fokus. Die Spitzenrenditen lagen zuletzt bei rund 4,7 Prozent für Highstreet-Objekte, 5,7 Prozent für Fachmarktzentren und 5,9 Prozent für Shopping-Center. „Investoren konzentrieren sich zunehmend auf qualitativ hochwertige Objekte mit stabilen Cashflows. Sekundäre Lagen und schwächer positionierte Objekte stehen hingegen stärker unter Druck“, so Manuel Bugl, Head of Investment bei CBRE.