Seit März restauriert Jörg Riedel das beeindruckende Deckenfresko im Jesuitensaal des künftigen "Q. Dein Raum für Wissenschaft" in der Wollzeile. Pünktlich zum Internationalen Tag des Denkmals ist die Fertigstellung in Sicht. Der älteste Theatersaal Wiens zeigt sich damit wieder in alter Pracht.
"Wenn man ein Werk erneut restauriert, ist es auch für einen selbst an der Zeit zu gehen – alte Weisheit unter Restauratoren", erzählt Jörg Riedel. In seinem Fall verhält es sich anders: Bereits als Student arbeitete er an dem Fresko des ehemaligen Collegium academicum, auf Augenhöhe mit der dargestellten Maria, die in den Himmel aufgenommen wird. Als Teil eines internationalen Teams half er damals, die Decke des Theatersaals in der Wollzeile konstruktiv zu sichern. Das Gebäude war im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer beschädigt worden und eindringende Feuchtigkeit hatte schwere Schäden verursacht.
Fast 30 Jahre später: Restaurierung vollendet
In den 1990er Jahren installierte der damals junge Student an der Seite seines Lehrmeisters ein komplett neues Aufhängungssystem, die im Laufe der Zeit korrodierten Drahtbefestigungen wurden dabei durch Polypropylenfasern ersetzt. Die Decke hat bis heute Bestand – das bestätigte eine Begutachtung kurz vor der Übernahme des Gebäudes durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften, die Universität Wien und die Technische Universität Wien. Gemeinsam entwickeln diese Institutionen hier ein neues Ausstellungshaus: Q. Dein Raum für Wissenschaft. Die Bauarbeiten für die Modernisierung werden von der Bundesimmobiliengesellschaft abgewickelt. Vor der Eröffnung des Q galt es, jene Arbeiten abzuschließen, die in den 1990er Jahren offengeblieben waren: das Retuschieren der Kittungen von Fehlstellen ehemaliger Verschraubungen einer zwischenzeitlichen Sicherung, die sich wie kleine, helle Flecken über das gesamte Fresko verteilten. Neben dieser ästhetischen Überarbeitung entfernte Jörg Riedel auch bauschädliche Salze, die sich im Laufe der Zeit gebildet hatten.
Seit März ist er dafür mit Schwamm, Pinsel und Aquarellfarben im Einsatz. Das Fresko wird dabei nicht "übermalt", wie es in der Vergangenheit üblich war. Stattdessen passt Riedel die Fehlstellen farbig an das Gesamtbild an. "Dazu gehört auch die Schmutzpatina, die das Fresko aus dem 18. Jahrhundert erst wirken lässt", so Riedel. Unterstützt wird er dabei von seiner Frau Julia Kolar, ebenfalls Restauratorin. "Allerdings nur in Teilzeit", ergänzt sie schmunzelnd, "das Arbeiten über Kopf geht auf Dauer ganz schön in den Nacken."
Die aufwändige Restaurierung hat sich gelohnt: Die Malerei von Anton Hertzog und Franz Anton Danne konnte für kommende Generationen gesichert werden. Unterstützt wurde die Konservierung von der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), dem Bundesdenkmalamt, der Österreichischen Gesellschaft der Denkmalfreunde und den Jesuiten in Wien.
Neuer Raum für Wissenschaft, neue Zukunft für den Jesuitensaal
Das denkmalgeschützte Gebäude wird derzeit nach Plänen von Mohr Niklas Architekten umgebaut und öffnet 2027 als Q seine Türen. "Wir möchten die reiche Geschichte dieses Ortes bewahren und den Räumen gleichzeitig eine neue Zukunft geben – mit Ausstellungen, Veranstaltungen und Diskussionsformaten, die Wissenschaft und gesellschaftliche Herausforderungen in den Mittelpunkt stellen", sagt Q-Gründungsdirektor Christopher Lindinger.