Beim 3. Immo Club Quadrat im „The Venue“ im Twenty One ging es darum, wie gut Österreich als Wirtschaftsstandort und damit auch als Immobilienstandort für die Zukunft aufgestellt ist.
ImmoFokus-Herausgeber Michael Neubauer und Co-Host Anton Bondi de Antoni (Bondi Consult) sprachen mit Peter Fischer (Evertree Real Estate), Gerald Zmuegg (KMU-Finanzinsider) und Werner Egger (CONFIDA Wirtschaftstreuhandgesellschaft). Sie tauschten sich über Investitionsklima, Standortqualität und die wachsende Belastung durch Regulierung, Steuern und Abgaben aus.
Die Untersuchung fiel kritisch aus. Zu viel Regulierung, zu hohe Abgaben und zu wenig Verlässlichkeit am Standort bremsen Investitionen. Sie belasten Unternehmen und machen Österreich weniger attraktiv für Kapital. Was heißt das für den Immobilienmarkt, und wie lange kann ein Standort diese Entwicklung durchhalten?
Trotz aller Skepsis wurde auch eine wichtige Stärke Österreichs hervorgehoben. Es gibt immer noch leistungsfähige Unternehmer, sehr gut ausgebildete Fachkräfte und im Grunde gute Voraussetzungen für den Standort. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Österreich Potenzial hat. Sondern ob die Politik wieder Bedingungen schafft, die Vertrauen, Investitionen und unternehmerisches Handeln möglich machen.
Die Kernaussagen:
📊 Das eigentliche Problem ist nicht der Immobilienmarkt. Es geht um den Wirtschaftsstandort Österreich. Die Immobilienbranche gilt als Seismograph. Sie zeigt besonders früh, wenn Investoren Vertrauen verlieren.
📊 Österreich hat seinen früheren „Safe-Haven“-Status verloren. In der aktuellen Diskussion gilt Österreich als ein „Explainable Market“. Investoren müssen heute genauer erklären, warum sie überhaupt in Österreich investieren.
📊 Internationales Kapital zieht sich zurück. Nicht weil kein Geld vorhanden ist, sondern weil Investoren abwarten. Sie rechnen mit niedrigeren Preisen und berücksichtigen das politische sowie regulatorische Risiko in ihren Renditeforderungen. Genannt wurden Yield-Aufschläge von 0,5 bis 1,0 Prozentpunkten.
📊 "Geld hat Zeit." Internationale Investoren können zwischen vielen Ländern und Anlageklassen wählen. Wenn Österreich zu kompliziert, unsicher oder unattraktiv erscheint, fließt das Kapital einfach woandershin.
📊 Planbarkeit ist wichtiger als die reine Rendite. Die wichtigste Kritik ist: Unternehmer und Investoren können heute nicht mehr sicher abschätzen, ob politische oder regulatorische Eingriffe ihren Businessplan nachträglich verändern.
📊 Regulierung ist nicht grundsätzlich schlecht. Sinnvolle Regulierung kann sogar Vorteile im Wettbewerb schaffen. Sie wird problematisch, wenn sie kompliziert, unvorhersehbar oder von Ideologie bestimmt ist.
📊 Hohe Steuern und Abgaben machen den Standort weniger attraktiv.
📊 Banken verschärfen die Immobilienkrise. Seit der Pleite von Signa vergeben sie Kredite viel vorsichtiger. Vor allem kleinere Projektentwickler haben wegen höherer Eigenkapitalanforderungen und strengerer Risikokriterien Probleme.
📊 Unternehmer bleiben trotz schwieriger Rahmenbedingungen aktiv. Viele machen weiter. Sie investieren und suchen Chancen, auch wenn die Bedingungen immer schwieriger werden.
📊 Die wirtschaftliche Substanz ist weiterhin vorhanden. Österreich hat laut Runde Know-how, gut ausgebildete Menschen, starke Unternehmen und hohe technische Kompetenz. Das Problem liegt vor allem darin, diese Stärken nicht genug in Wachstum und Investitionen umzuwandeln.
📊 Es besteht die Gefahr, dass Kapital, Industrie und Wissen abwandern. Besonders Standorte nahe der Grenze könnten von besseren oder zuverlässigeren Bedingungen in Ländern wie Tschechien profitieren. Geht Wissen und Produktionskapazität einmal verloren, lässt sich das nur schwer zurückholen.