Die Immobilien-Crowdinvesting-Plattform Rendity hat ihre Investoren über die Einstellung des operativen Betriebs informiert. Das in Wien ansässige Unternehmen begründet diesen Schritt mit tiefgreifenden Veränderungen im wirtschaftlichen Umfeld sowie im Immobiliensektor.
Dem Schreiben an die Kunden zufolge wurde der operative Betrieb bereits deutlich früher eingestellt. „Rendity hat den operativen Betrieb der Plattform bereits mit April 2024 eingestellt. Seit diesem Zeitpunkt wurden keine neuen Emissionen mehr angeboten, keine neuen Investitionen vermittelt und keine neuen Geschäftsbeziehungen abgeschlossen“, heißt es in der E-Mail.
Die Gewerbeberechtigungen wurden zurückgelegt und die zuständigen Behörden informiert. Die technische Plattform soll jedoch im Zuge der Liquidation voraussichtlich noch bis mindestens 31. Mai 2026 betriebsfähig bleiben.
Als Hauptgrund für die Schließung nennt Rendity die massiven Verwerfungen im Immobilienmarkt. „Das wirtschaftliche Umfeld, insbesondere im Immobiliensektor, hat sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Die Kombination aus Zinswende, Inflation, steigenden Bau- und Finanzierungskosten sowie geopolitischen Unsicherheiten hat zu erheblichen Verwerfungen geführt“, schreibt das Unternehmen.
Diese Entwicklungen hätten spürbare Folgen gehabt: Projektentwicklungen verzögerten sich, Finanzierungen wurden schwieriger, mehrere Darlehensnehmer mussten Insolvenz anmelden und das Investoreninteresse im Immobilienbereich ging deutlich zurück.
Zudem gerieten zahlreiche Emittenten in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Teilweise kam es zu Verzögerungen, teilweise wurden Konkursverfahren eröffnet. Hinzu kam, dass vereinbarte Bearbeitungsgebühren vielfach nicht mehr bezahlt wurden. Diese dienten der Aufrechterhaltung und dem Betrieb der technischen Infrastruktur. „In den letzten beiden Jahren wurde die Plattform daher im Wesentlichen ohne laufende Einnahmen weiterbetrieben und aus eigenen Mitteln finanziert“, so Rendity.
Rendity selbst nicht Vertragspartner der qualifizierten Nachrangdarlehen
Für Investoren betont das Unternehmen, dass Rendity selbst nicht Vertragspartner der qualifizierten Nachrangdarlehen ist. Die Investments stellen direkte Vertragsbeziehungen zwischen Anlegern und den jeweiligen Emittenten dar. Unmittelbare rechtliche Schritte zur Durchsetzung offener Forderungen seien der Plattform daher nicht möglich gewesen.
Anleger werden aufgefordert, sich in ihr Konto einzuloggen, ihre hinterlegte Bankverbindung zu überprüfen oder ein Auszahlungskonto hinzuzufügen und vorhandene Mittel vom Verrechnungskonto auf ihr Bankkonto zu überweisen. Neue Einzahlungen oder Investitionen sind nicht mehr möglich, Auszahlungen hingegen weiterhin zulässig. Während des Abwicklungszeitraums eingehende Zahlungen von Emittenten werden den jeweiligen Verrechnungskonten gutgeschrieben.
Darüber hinaus verweist Rendity auf zusätzliche rechtliche Auseinandersetzungen, in denen die Rolle der Plattformbetreiberin teilweise missverstanden worden sei. Die daraus entstandenen Rechts- und Beratungskosten hätten die wirtschaftliche Situation weiter belastet.
Steuerlich weist das Unternehmen darauf hin, dass bei endgültigen Ausfällen keine automatische Verlustbescheinigung erfolgt. Verluste können im Rahmen der persönlichen Steuererklärung geltend gemacht werden, sofern entsprechende Nachweise vorliegen. Für individuelle Fragen wird die Konsultation einer Steuerberatung empfohlen.
Projektbezogene Updates sollen weiterhin direkt über die jeweiligen Emittenten erfolgen, die vertraglich zur regelmäßigen Information verpflichtet sind. Die entsprechenden Kontaktdaten wurden den Investoren zur Verfügung gestellt.
Das Support-Team bleibt während des Abwicklungszeitraums per E-Mail erreichbar, allerdings mit eingeschränkten Ressourcen.