Inklusion meets Arbeitskultur: Inklusives Restaurant in München denkt Mittagspause neu

Gerade in hybriden Arbeitsmodellen lockt das gemeinsame Mittagessen Mitarbeitende zurück ins Büro. In der Neuen Balan übernimmt das BalanDeli als Integrationsbetrieb eine besondere Rolle.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Inklusion meets Arbeitskultur: Inklusives Restaurant in München denkt Mittagspause neu
© Markus Werner
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© Markus Werner thefreelenser
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Inklusion meets Arbeitskultur: Inklusives Restaurant in München denkt Mittagspause neu
Inklusion meets Arbeitskultur: Inklusives Restaurant in München denkt Mittagspause neu

Seit 2017 ist das BalanDeli fester Bestandteil des Campus. Entstanden ist es aus einem inklusiven Umfeld heraus, das den Gedanken des „miteinander Lernens“ in ein „miteinander Arbeiten“ weiterentwickelt hat. „Inklusion ist hier kein Label, sondern Kern des täglichen Betriebs“, sagt Geschäftsführerin Verena Henschen.

Eine Besonderheit des BalanDeli: Die Mitarbeitenden arbeiten nicht im Rahmen eines Projekts zusammen, sondern im regulären Betrieb – mit qualifizierten und fair entlohnten Arbeitsplätzen, die auf ihre individuellen Stärken zugeschnitten sind. Ziel ist echte Teilhabe am Arbeitsleben, Existenzsicherung und Unabhängigkeit.

Inklusion als Arbeitsrealität

Für die Gäste am Campus – viele davon Mitarbeitende der umliegenden Unternehmen – ist das nicht immer sofort sichtbar. Nach Meinung von Maximilian von der Leyen, Vorstand der Allgemeinen SÜDBODEN AG, die die Neue Balan konzipiert hat, liegt darin ein Teil der Wirkung. „Wer im Deli zu Mittag isst, unterstützt einen funktionierenden inklusiven Arbeitsprozess im eigenen Arbeitsumfeld. Die Mitarbeitenden auf dem Campus schätzen das Konzept, das vorhandene Gastronomieangebote vom Food-Truck bis zum Thai-Food im Supermarkt um eine weitere Facette ergänzt.“ Integrations- und Inklusionsbetriebe sind in Deutschland gesetzlich geregelt. Sie eröffnen Menschen mit erschwertem Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt Chancen zur Beschäftigung. Nach der jüngsten Zählung gibt es bundesweit rund 945 Inklusionsunternehmen, -betriebe und -abteilungen, die zusammen etwa 13.600 Menschen mit Behinderung beschäftigen. Inklusionsbetriebe bleiben eine Seltenheit

In ganz Bayern gibt es derzeit rund 100 Inklusionsbetriebe mit insgesamt etwa 3.900 Arbeitsplätzen, davon rund 1.850 Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap. Damit bleiben Integrationsbetriebe die Ausnahme, wie ein Vergleich zeigt. Allein in München arbeiten laut Angaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) in rund 3.700 Gastronomiebetrieben mehr als 30.000 Menschen.

Dass Integrationsbetriebe bei aller Seltenheit überdurchschnittlich häufig in der Gastronomie zu finden sind, ist indes kein Zufall. „Die Arbeitsprozesse sind modular, Service, Küche, Vorbereitung, Logistik oder Catering bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Aufgaben lassen sich gut aufteilen und an unterschiedliche Stärkeprofile anpassen. Zudem schafft der Personalmangel in der Branche Chancen für Menschen, die im klassischen Arbeitsmarkt benachteiligt sind“, sagt Henschen. Hinzu kommt ein hohes Maß an sozialer Interaktion: Die Arbeit wird unmittelbar sichtbar, Rückmeldungen kommen direkt von den Gästen.

Eine Herausforderung liegt darin, strukturelle Unterstützung, sinnvolle Arbeitsorganisation und betriebliche Professionalität so zu verbinden, dass Inklusion nachhaltig wirkt. „Klare Abläufe, eine strukturierte Wochenkarte und unterschiedliche Tätigkeitsbereiche schaffen Orientierung und Stabilität im BalanDeli“, sagt Henschen. Mehr als Verpflegung: Das Deli als sozialer Anker im hybriden Arbeitsalltag

Neben seiner sozialen Funktion spielt der besondere Campus Caterer eine weitere Rolle, die in Zeiten hybrider Arbeitsmodelle immer wichtiger wird. Unternehmen auf dem Campus stehen vor der Herausforderung, Mitarbeitende wieder häufiger ins Büro zu holen. „Essen wird zum verbindenden Faktor. Das BalanDeli arbeitet mit mehreren am Campus ansässigen Unternehmen zusammen, etwa über subventionierte Lunch-Angebote, regelmäßige Team-Lunches oder Catering für Meetings und Veranstaltungen“, sagt von der Leyen.

Mitarbeitende müssen nicht selbst vorkochen und essen nicht allein am Laptop, sondern erleben die Mittagspause wieder als gemeinschaftlichen Moment. Für Unternehmen entsteht ein niedrigschwelliges Angebot, das Präsenz ohne zusätzlichen organisatorischen Aufwand fördert. Zwischen Homeoffice und Großraumbüro entsteht so ein dritter Ort: der Mittagstisch.