Komplexes Bauvorhaben für die Satelliten-Produktion in Berlin-Charlottenburg

Auf rund 5.000 Quadratmetern entstehen in Berlin Labor-, Reinraum- und Büroflächen für Planet Labs
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Komplexes Bauvorhaben für die  Satelliten-Produktion in Berlin-Charlottenburg
© Planet Labs Germany GmbH

In Berlin-Charlottenburg entsteht ein neuer Produktionsstandort für Satellitentechnologie. Das deutsch-US-amerikanische Raumfahrtunternehmen Planet Labs baut dort Labor-, Reinraum- und Büroflächen für die Montage, Integration und Prüfung von Satelliten der neuesten Generation. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE übernimmt das Projektmanagement – von der Koordination der Planungsbeteiligten bis zum Kosten-, Termin- und Qualitätsmanagement.

Reinräume der ISO-Klassen 6 und 7: Infrastruktur auf 5.000 Quadratmetern

Auf rund 5.000 Quadratmetern entstehen Flächen, die höchste branchenspezifische Anforderungen erfüllen müssen. Herzstück des Vorhabens sind hochspezialisierte Reinräume der ISO-Klassen 6 und 7, in denen Planet Labs künftig Komponenten für die neuen Pelican-Satelliten fertigt und testet. Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Partikelkonzentration müssen dauerhaft innerhalb strenger Toleranzgrenzen liegen. Drees & Sommer koordiniert die beteiligten Gewerke so, dass diese Vorgaben durchgehend eingehalten werden. Unter diesen kontrollierten Bedingungen lassen sich Sensoren, Elektronik sowie optische Systeme wie Teleskope und Kameras montieren und prüfen, bevor sie den Weg ins All antreten.

Die Pelican-Satelliten liefern hochauflösende Bilddaten in kurzen Zeitabständen, die Nutzenden nahezu in Echtzeit zur Verfügung stehen. Die Einsatzmöglichkeiten reichen vom Monitoring landwirtschaftlicher Flächen und Lieferketten über die Dokumentation von Meeresverschmutzung bis zur Analyse von Flüchtlingsbewegungen bei humanitären Hilfseinsätzen. Auch für Aufgaben der zivilen Sicherheit und Verteidigung – etwa zur Identifikation von Militäranlagen – eignen sich die Daten. Ein konkretes Beispiel: Im August 2022 trugen Satellitendaten von Planet Labs dazu bei, die Ursachen des massenhaften Fischsterbens in der Oder nachzuweisen. Experten stellten mithilfe der Daten fest, dass es bereits im Vormonat nahe der polnischen Stadt Opole eine erhöhte Chlorophyll-Konzentration gegeben hatte.

Projektsteuerung über Zeitzonen hinweg

Das Bauvorhaben gilt als hochkomplex. Internationale Projektteams aus Deutschland und den USA arbeiten über mehrere Zeitzonen hinweg zusammen, um die neue Produktions- und Laborumgebung zu realisieren. Drees & Sommer übernimmt in allen Projektphasen die Projektsteuerung sowie das Schnittstellenmanagement, um die spezifischen Vorgaben für Labor-, Reinraum- und Produktionsflächen aufeinander abzustimmen. Hinzu kommen technische Beratungsleistungen und die Koordination aller Planungs- und Ausführungsbeteiligten.

„Gerade bei anspruchsvollen Spezialimmobilien und ambitionierten Zeitplänen ist ein präzises Zusammenspiel aller Beteiligten entscheidend. Unsere Erfahrung mit Labor-, Reinraum- und Hightech‑Produktions-Projekten stellt sicher, dass wir die ehrgeizigen Qualitätsziele, Terminpläne und technischen Anforderungen zuverlässig in Einklang bringen.“
—Rojda Emre, Teamleiterin bei Drees & Sommer

Planet Labs: Marktposition und Berliner Präsenz

Planet Labs wurde 2010 von drei ehemaligen NASA-Wissenschaftlern in San Francisco gegründet und ist heute an der New York Stock Exchange (NYSE) notiert. Das Unternehmen betreibt die weltweit größte Flotte von Erdbeobachtungssatelliten. Seine Europa-Zentrale unterhält Planet Labs seit mehr als zehn Jahren am Kurfürstendamm in Berlin. Mit dem neuen Standort in Charlottenburg erweitert das Unternehmen sein Berliner Team von rund 150 Mitarbeitenden um bis zu 70 neue Kräfte.

2025 schloss Planet Labs mit der Bundesregierung einen Vertrag über Satellitenaufklärung im Wert von 240 Millionen Euro ab.

„Die Erweiterung unseres europäischen Hauptsitzes um unseren neuen European Space Hub in Berlin markiert einen wichtigen Meilenstein in der europäischen Wachstumsstrategie von Planet. Unser European Space Hub bringt Satellitenfertigung, Engineering, Mission Operations und Business Operations an einem Standort zusammen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen, Innovationen schneller in operative Fähigkeiten zu überführen und Europas langfristige technologische und industrielle Handlungsfähigkeit im Weltraum zu stärken.“
—Martin Polak Geschäftsführer von Planet Labs Germany

New-Space-Ökonomie: Markt wächst auf zwei Billionen Euro

Das Berliner Vorhaben steht für einen globalen Investitionstrend. Laut der Studie „Aufholjagd im All“ von Roland Berger prognostizieren Experten, dass sich der globale Weltraummarkt bis 2040 von heute knapp 500 Milliarden auf rund 2.000 Milliarden Euro vervierfacht. Die Studie bewertet Investitionen in hochspezialisierte Standorte wie den in Berlin-Charlottenburg als Voraussetzung dafür, dass Europa seine Marktanteile langfristig sichert. Zugleich mahnt sie: Im Wettbewerb mit den USA und China brauche Deutschland ein neues Mindset und Begeisterung für die Potenziale, die New Space bietet.

Für Drees & Sommer markiert das Projekt einen Ausbau der Expertise im Segment Spezialimmobilien. 

„Nicht zuletzt benötigt die New-Space-Branche individuelle bauliche Lösungen wie Reinräume und Labore, die höchste branchenspezifische Standards erfüllen. Diese Zukunftsräume wollen wir mit unserer Expertise aktiv mitgestalten – von der Standortanalyse über die Konzeption bis hin zur Realisierung und Inbetriebnahme.“
—Rojda Emre 

Der Berliner Space Hub verdeutlicht, dass Hightech-Produktionsimmobilien zunehmend spezialisiertes Projektmanagement-Know-how erfordern – und dass dieser Bedarf mit dem Wachstum der New-Space-Ökonomie weiter steigen wird.