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Lebenslange Haft für Evergrande-Gründer Hui Ka Yan

Der einst reichste Mann Asiens muss nun sein gesamtes Vermögen abgeben.
Michael Neubauer
Michael Neubauer
Lebenslange Haft für Evergrande-Gründer Hui Ka Yan
© ImmoFokus

Das Mittlere Volksgericht in Shenzhen verurteilte am 20. August 2026 Hui Ka Yan, auch bekannt als Xu Jiayin, den Gründer des chinesischen Immobilienkonzerns China Evergrande, zu lebenslanger Haft. Das Urteil markiert den juristischen Schlusspunkt eines der größten Unternehmenszusammenbrüche der jüngeren Wirtschaftsgeschichte – und sendet ein unmissverständliches Signal an Führungskräfte im chinesischen Finanzsektor.

Das Gericht befand Hui Ka Yan in sechs Anklagepunkten für schuldig: Betrug bei der Kapitalbeschaffung, betrügerische Ausgabe von Wertpapieren, Veruntreuung, Bestechung, illegale Einlagennahme sowie Fälschung von Finanzdaten im Zeitraum 2016 bis 2021. Neben der lebenslangen Freiheitsstrafe ordnete das Gericht die Einziehung des gesamten persönlichen Vermögens sowie den lebenslangen Entzug politischer Rechte an.

Die Evergrande Group erhielt eine Geldstrafe von 8,82 Mrd. Yuan (ca. 1,1 Mrd. Euro), die Tochtergesellschaft Evergrande Real Estate eine weitere Strafe von 7 Mrd. Yuan (ca. 1 Mrd. Euro). 56 weitere Personen wurden zu Haftstrafen zwischen 22 Monaten und 18 Jahren verurteilt.

Hui Ka Yan gründete Evergrande 1996 und trieb das Unternehmen durch aggressiven Einsatz von Fremdkapital zu einem der größten Immobilienkonzerne der Welt. 2017 galt er mit einem Vermögen von 45,3 Mrd. USD als Asiens reichster Mann. Die Verbindlichkeiten des Konzerns summierten sich dabei auf über 300 Mrd. USD.

Als Peking 2020 die sogenannte „Drei Roten Linien“-Politik einführte und die Kreditaufnahme hoch verschuldeter Bauträger regulatorisch begrenzte, geriet Evergrande in eine akute Liquiditätskrise. Ende 2021 folgte der Zahlungsverzug. Im Januar 2024 ordnete ein Hongkonger Gericht die Liquidation an; im August 2025 wurde die Aktie von der Hongkonger Börse genommen.

Systematischer Finanzbetrug über fünf Jahre

Laut Gericht blähte Evergrande zwischen 2016 und 2021 fortgesetzt Vermögenswerte auf und verschleierte Verbindlichkeiten gegenüber Investoren und Gläubigern. Allein in den Jahren 2019 und 2020 wurden Einnahmen um 78 Mrd. USD aufgebläht. Der Betrug erstreckte sich damit über einen Zeitraum, in dem das Unternehmen nach außen hin als solide wachsender Konzern auftrat.

Gläubiger erhalten nur einen Bruchteil

Deloitte schätzte 2023 die Rückzahlungsquote im Liquidationsfall auf lediglich 3,4 %. Bei Verbindlichkeiten von rund 45 Mrd. USD bedeutet dies für Gläubiger massive Verluste. Eine vollständige Befriedigung offener Forderungen bleibt damit ausgeschlossen. Zusätzlich erschwert die unterschiedliche Rechtslage zwischen Hongkong und dem chinesischen Festland die Vermögensverwertung, da der überwiegende Teil der Evergrande-Assets auf dem Festland liegt.

Chinesischer Immobilienmarkt bleibt unter Druck

Die strukturellen Folgen des Evergrande-Zusammenbruchs belasten den chinesischen Immobilienmarkt weiterhin erheblich. In den ersten sieben Monaten 2026 fielen Immobilieninvestitionen um 19,2 %, Neubauten gingen um 24 % zurück. Hauspreise sinken seit 20 Monaten in Folge (Stand: Januar 2026). Goldman Sachs warnte, dass die Preise bis 2027 weiter fallen werden; eine vollständige Markterholung vor 2030 gilt als unwahrscheinlich.

Hunderttausende Käufer warten nach wie vor auf bezahlte, aber unfertige Wohnungen. Kommunalverwaltungen, die strukturell auf Einnahmen aus Grundstücksverkäufen angewiesen sind, stehen unter erheblichem Finanzdruck. Der Immobiliensektor trägt nach Schätzungen rund 25 bis 30 % zum chinesischen BIP bei – das systemische Risiko für den gesamten Finanzsektor bleibt damit bestehen.