Bis zu 500.000 Menschen passieren täglich den Frankfurter Hauptbahnhof – damit zählt er zu den meistfrequentierten öffentlichen Räumen Deutschlands und belegt unter den deutschen Bahnhöfen den zweiten Platz. Um diese Infrastruktur zukunftsfähig zu machen, investieren Bund, DB InfraGO AG und das Land Hessen rund 375 Millionen Euro in die Kernsanierung der sogenannten B-Ebene, jener unterirdischen Verteilerebene, die Fern- und Regionalverkehr mit dem städtischen Nahverkehr verknüpft. Das auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierte Beratungsunternehmen Drees & Sommer SE mit Hauptsitz in Stuttgart übernimmt dabei seit 2021 die Objektüberwachung sowie die Werk- und Montageplanprüfung.
Von der Verteilerebene zur Verkehrsdrehscheibe
Was einmal eine düstere Einkaufspassage war, wird vollständig entkernt, schadstoffsaniert und offener sowie übersichtlicher gestaltet. Insgesamt entstehen in der B-Ebene rund 30 neue Geschäfte auf 10.000 Quadratmetern Gewerbefläche. Der Umbau der B-Ebene bildet dabei nur einen Baustein eines weit größeren Vorhabens: Die DB InfraGO AG modernisiert den Frankfurter Hauptbahnhof in mehr als 20 Einzelprojekten und vollzieht damit eine der größten Umgestaltungen in der über 135-jährigen Geschichte des Bahnhofs.
„Wir schaffen hier nicht nur neue Flächen, sondern gestalten eine der wichtigsten Verkehrsdrehscheiben Deutschlands neu und machen sie fit für die Zukunft. Die B-Ebene soll künftig nicht nur als Verkehrsknotenpunkt dienen, sondern die Reisenden zum Verweilen einladen.“—Katja Maaser, Projektleiterin des Masterplans Frankfurt Hauptbahnhof
Ein neu entstehender, geschossübergreifender Lichthof soll dabei räumliche Orientierung schaffen und die Bewegungsströme verbessern.
„Die historische Eingangshalle war immer das Herz des Frankfurter Hauptbahnhofs – ein Ort der Orientierung und Begegnung. Diesen Gedanken führen wir mit dem neu entstehenden, geschossübergreifenden Lichthof fort. Er schafft eine klare räumliche Mitte, verbessert die Bewegungsströme und unterstützt die intuitive Wegeführung.“—Katja Maaser
Vollausbau bei laufendem Betrieb
Die eigentliche Herausforderung liegt nicht im Umfang der Maßnahmen, sondern in den Rahmenbedingungen: S- und U-Bahngleise bleiben während der gesamten Bauzeit aktiv.
„Einen Bahnhof dieser Größenordnung zu sanieren, während täglich Hunderttausende durch ihn strömen, ist eine echte Ausnahmesituation. Der wieder geöffnete Bereich am Kaisertor und die neue Ladengalerie zeigen, dass höchste Qualität und unterbrechungsfreier Betrieb kein Widerspruch sind.“—Stephan Ernst, Gesamtprojektleiter bei Drees & Sommer
Drees & Sommer koordiniert die zahlreichen Gewerke, hält Termine und Qualitätsstandards ein und stellt sicher, dass Planungsvorgaben in der gebauten Realität ankommen.
Bauablauf und Gewerbeflächenkonzept
Die Bauarbeiten folgen einem klar definierten Schema: Zunächst werden die Bestandsmedien freigeschaltet, dann erfolgt die Schadstoffsanierung, anschließend Abbruch, Rohbau und Innenausbau, zuletzt der technische Ausbau. In den Untergeschossen entstehen neue Lüftungszentralen, Elektrotechnikräume sowie Lager- und Aufenthaltsräume. Parallel saniert das Projektteam die Flächen des Ankermieters Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main (VGF) nach demselben Schema.
Das Gewerbeflächenkonzept setzt auf einen standardisierten Übergabezustand:
„Am Ende liefern wir eine Art veredelten Rohbau. Alle Shopflächen verfügen über eine technische Grundausstattung und sind so vorbereitet, dass künftige Mieter ihre Flächen ohne Projekteingriffe ausbauen können.,—Stephan Ernst
Öffentliche Bereiche wie Laufwege, Treppenabgänge, Förderanlagen und Treppenhäuser werden vollständig neu aufgebaut.
Zeitplan: Abschluss 2027, Masterplan bis 2035
Mit dem Kaisertor steht seit Ende Mai ein wichtiger Zugang zur B-Ebene wieder zur Verfügung. Am 25. Juni eröffneten die ersten Shopflächen in den neu gestalteten Bereichen. Die Arbeiten in den verbleibenden Abschnitten laufen weiter; voraussichtlich bis Spätsommer 2027 sollen sämtliche Baumaßnahmen in der B-Ebene abgeschlossen sein. Bis 2035 setzt die DB InfraGO AG den Masterplan Frankfurt Hauptbahnhof mit weiteren Umbauten fort.