Ein heißer, niederschlagsarmer Sommer, ein um rund ein Drittel gestiegener Tageswasserverbrauch und mehrere Feld- und Waldbrände rund um Melk an der Donau: Bereits im ersten vollen Betriebsjahr musste sich der neue Hochbehälter am Wachberg unter außergewöhnlichen Bedingungen bewähren — und bestand. Herzstück der erneuerten Trinkwasserversorgung der Stadt sind zwei von der Forstenlechner GmbH errichtete Edelstahlbehälter mit jeweils 1.500 Kubikmetern Fassungsvermögen, die gemeinsam 3.000 Kubikmeter Trinkwasser speichern. Damit verfünffacht Melk seine Speicherkapazität gegenüber dem bisherigen Stand von 600 Kubikmetern.
Verfünffachtes Speichervolumen am Wachberg
Forstenlechner realisierte zwei freistehende Edelstahltanks mit jeweils 15 Metern Durchmesser und neun Metern Höhe, inklusive Verrohrung und technischer Ausstattung. Pro Behälter verarbeitete das Unternehmen rund 20 Tonnen Edelstahl. Zwei Brunnen fördern das Wasser zum Hochbehälter; von dort gelangt es im freien Gefälle ins Ortsnetz. Bei einem durchschnittlichen Tagesbedarf von rund 1.500 Kubikmetern deckt das Gesamtvolumen von 3.000 Kubikmetern etwa den zweifachen durchschnittlichen Tagesverbrauch ab. Die Anlage versorgt rund 7.000 Einwohner in Melk und den umliegenden Katastralgemeinden sowie Einrichtungen wie Krankenhaus, Pflegeheim und Kaserne.
Coilverfahren ermöglicht Rekordgröße
Eine bautechnische Besonderheit ist die Fertigung im Coilverfahren: Edelstahlcoils werden direkt zur Baustelle transportiert, die Behälter weitgehend vor Ort errichtet. Lediglich Komponenten wie Teile der Dächer oder Geländer fertigt Forstenlechner im eigenen Werk vor. Das Verfahren reduziert die Anzahl der Schweißnähte und ermöglicht so die Realisierung besonders großer Behälter. Laut Forstenlechner entstand in Melk damit der größte Trinkwasserspeicher Österreichs, der bislang im Coilverfahren umgesetzt wurde.
Extremereignisse als Belastungstest
Wie rasch zusätzliche Reserven in der Trinkwasserversorgung entscheidend werden können, erlebte Melk innerhalb weniger Jahre gleich mehrfach. Beim Hochwasser 2024 fiel noch während der Bauphase der leistungsstärkere der beiden Brunnen aufgrund überfluteter Strominfrastruktur aus. Im Sommer 2026 folgte das andere Extrem: Eine monatelange Trockenperiode trieb den Wasserbedarf deutlich in die Höhe; an Spitzentagen wurden bis zu 4.000 Kubikmeter Trinkwasser benötigt. Gleichzeitig erforderten mehrere Feld- und Waldbrände innerhalb kurzer Zeit erhebliche Löschwassermengen.
„Wir hatten über die Sommermonate rund ein Drittel mehr Tageswasserverbrauch als im Durchschnitt der letzten Jahre. Dazu kam es durch mehrere Feld- und Waldbrände zu hohen Löschwasserbedarfen. Das große Speichervolumen war hier sehr hilfreich. Wir sind sehr froh darüber, dass wir uns mit dem neuen Behälter auf diese Entwicklung vorbereitet haben und gut gerüstet sind, sollten solche Situationen in Zukunft häufiger auftreten.“—Helmut Stegffek, leitender Wassermeister der Stadt Melk
Wassersparaufrufe an die Bevölkerung blieben trotz der außergewöhnlichen Situation aus.
Energieoptimierter Betrieb via Photovoltaik
Das zusätzliche Speichervolumen unterstützt zudem einen energieoptimierten Betrieb. Die Pumpen der beiden Brunnen laufen teilweise mit Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen. Bei entsprechender PV-Produktion fördert die Anlage gezielt mehr Wasser in den Hochbehälter und bevorratet es für Zeiten geringerer Stromproduktion. Wasserförderung, Speicherung und Energieerzeugung lassen sich so aufeinander abstimmen.
Edelstahl statt Beton: Lebenszykluskosten im Fokus
„Edelstahl ist langlebig, hygienisch, wartungsarm und sehr gut zu reinigen. Nicht ohne Grund ist das Material in der Lebensmittel-, Pharma- und Chemieindustrie seit Jahrzehnten Standard. Bei der Trinkwasserspeicherung setzen wir in Österreich dagegen noch vielfach auf Beton, während Edelstahl etwa in Deutschland bereits wesentlich stärker etabliert ist.“—Forstenlechner-Geschäftsführer Paul Forstenlechner
Angesichts des hohen Investitionsbedarfs in der kommunalen Wasserinfrastruktur müsse der gesamte Lebenszyklus stärker in den Mittelpunkt rücken:
„Wir müssen bei solchen Investitionen über Jahrzehnte denken. Entscheidend ist nicht nur, was ein Behälter heute kostet, sondern welche Kosten er über seine gesamte Lebensdauer verursacht.“—Paul Forstenlechner
Automatisierte Reinigung ohne Betreten des Behälters
Beide Behälter in Melk verfügen über ein fest integriertes Reinigungssystem. Statt den Trinkwasserbehälter für die Säuberung zu betreten, reinigen automatisierte Wasserstrahlen die Innenflächen. Auf chemische Mittel verzichtet das System dabei vollständig. Gleichzeitig sinkt das Risiko, durch das Betreten Verunreinigungen einzubringen. Die Lösung verbindet hohe Versorgungssicherheit mit einem auf langfristigen und wartungsarmen Betrieb ausgelegten Speichersystem.
Das Projekt in Melk illustriert, welchen Unterschied eine vorausschauend dimensionierte Trinkwasserinfrastruktur in der Praxis bewirkt: Der erste außergewöhnliche Sommer nach Inbetriebnahme hat gezeigt, dass ausreichende Speicherreserven und langlebige Materialwahl keine theoretischen Planungsparameter sind, sondern operative Notwendigkeiten — gerade angesichts zunehmender Trockenperioden und möglicher Extremereignisse.