ÖGNI Symposium - Sustainability: Turnining Intentions into Impact!

ÖGNI Symposium 2026: Ban Ki-Moon fordert im Wiener Ronacher den Schritt vom Wollen ins Tun
Michael Neubauer
Michael Neubauer
ÖGNI Symposium - Sustainability: Turnining Intentions into Impact!
Peter Engert, Louisa Schneider, Ban Ki-moon, Manuela Raidl, Andreas Köttl
© ÖGNI/ Raphael Fasching
Dass Sie mich heute eingeladen haben, zeigt mir, dass Sie diese Anliegen teilen. Ich hoffe, dass dieser Abend eine Gelegenheit bietet, ernsthaft darüber nachzudenken, wie wir alle zu Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung beitragen können
—Ban Ki-moon

Rund 600 Entscheidungsträger der Bau- und Immobilienwirtschaft folgten gestern Abend der Einladung der ÖGNI ins Ronacher in Wien. Unter dem Titel „Sustainability: Turning Intentions into Impact!“ standen konkrete Lösungen im Mittelpunkt: von transparenten Datenflüssen über KI und Robotik bis zu lebenslangem Lernen.

Nach der erfolgreichen Premiere 2024 in der Wiener Hofburg lud die Österreichische Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) am 22. Oktober 2026 zum zweiten Mal zu ihrem Symposium. Das Ronacher in Wien bildete dafür eine außergewöhnliche Kulisse. Die Botschaft des Abends war klar: Absichtserklärungen allein reichen nicht mehr, die Branche muss ins Handeln kommen.

Eröffnung: Nachhaltigkeit braucht messbare Ergebnisse

ÖGNI Geschäftsführer Peter Engert und ÖGNI Präsident Andreas Köttl eröffneten den Abend, durch den Moderatorin Manuela Raidl führte.

 „Nachhaltigkeit entscheidet sich nicht mit einem Thema. Sie zeigt sich dann, wenn Gebäude langfristig funktionieren: ökologisch, wirtschaftlich und sozial. Das ÖGNI Symposium hat deutlich gemacht, dass wir Klimaschutz, Resilienz, Sanierung, Digitalisierung, Finanzierung und Betrieb gemeinsam denken müssen. Die Branche weiß sehr viel. Jetzt geht es darum, dieses Wissen schneller in Entscheidungen, Projekte und Qualität umzusetzen.“
—ÖGNI Geschäftsführer Peter Engert

Louisa Schneider: Uns fehlen die Utopien

Mit einem Impuls über Gemeinschaft, Mut und Zuversicht brachte Klimajournalistin Louisa Schneider eine persönliche Perspektive auf die Bühne. Für ein Multimedia-Projekt mit Greenpeace bereiste sie fünf Klimakipppunkte der Erde und sprach vor Ort mit betroffenen Menschen. Ihre Erfahrungen hat sie in Live-Shows und in ihrem Buch „Grad°Jetzt“ zu einem Plädoyer der Zuversicht verarbeitet.

Am Beispiel indigener Gemeinschaften im Amazonasgebiet zeigte Schneider, wie der Schutz natürlicher Lebensgrundlagen und gemeinschaftliches Handeln zusammenhängen. Das kreisrunde Dorf der Yanomami wurde dabei zum Bild für eine andere Beziehung zwischen Menschen und Natur.

„Uns fehlen die Utopien“, erklärte Schneider im Gespräch über ihren Vortrag. Es brauche konkrete, positive Bilder einer lebenswerten Zukunft, die Mut machen und zum Handeln motivieren. Technologie müsse dazu beitragen, das Leben zu erhalten und zu stabilisieren. Solche Zukunftsbilder können Menschen darin bestärken, Veränderungen gemeinsam anzugehen.

Drei Arbeitsgruppen, drei konkrete Lösungsansätze

Im Vorfeld des Symposiums hatten Expert:innen aus der gesamten DACH-Region in drei Arbeitsgruppen praxistaugliche Lösungen erarbeitet, die gestern präsentiert wurden:

KI und Robotik aus gesellschaftspolitischer Sicht

KI und Robotik sollen den Wohlstand sichern und Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen. Angesichts fehlender Arbeitskräfte greift die verbreitete Vorstellung, KI vernichte vor allem Jobs, aus Sicht der Arbeitsgruppe zu kurz. Entscheidend ist, wie die Technologien eingesetzt werden und wem die entstehende Wertschöpfung zugutekommt. Sie darf nicht allein in den Händen weniger globaler Konzerne liegen. Die Gruppe formuliert drei Forderungen: Menschliche Arbeit soll von Lohnabgaben befreit werden. Staatliche Förderung soll gezielt dort ansetzen, wo Menschen mit KI und Robotik zusammenarbeiten. Zudem braucht es klare Regeln dafür, welche Aufgaben Menschen und Technologien jeweils übernehmen, sowie verbindliche Lernmöglichkeiten für Berufseinsteiger:innen.

Zielgerichtete Digitalisierung durch transparente Datenflüsse

Digitalisierung braucht Zusammenarbeit über Zuständigkeitsgrenzen hinweg. Schon die zu Beginn eines Projekts definierten Leistungsbilder schaffen häufig Silos und Schnittstellen, wo verbindende Nahtstellen und durchgängige Datenflüsse notwendig wären. Die Arbeitsgruppe fordert deshalb mehr Mut zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Disziplinen und Projektbeteiligten. Ein zentrales Hindernis ist das „Mehrwertdilemma“: Die Kosten der Digitalisierung fallen heute an, ihr Nutzen wird häufig erst später sichtbar. Um diesen Mehrwert zu erschließen, müssen die Beteiligten gemeinsame Ziele verfolgen und Informationen durchgängig nutzbar machen.

Lebenslanges Lernen als Schlüssel für die Transformation

Wir brauchen eine echte Lernkultur in den Unternehmen und Lernformate, die Fähigkeiten und Wissen konsequent umsetzen: Gelerntes muss in der Praxis erprobt, gelebt und verinnerlicht werden. Innovation entsteht nur im gemeinsamen Tun der Branche und mit flexiblen Rahmenbedingungen, damit Wertschöpfung im Lebenszyklus von Immobilien ermöglicht wird. Die Thesen der Arbeitsgruppe richten sich an die Gesellschaft, weit über die Branche hinaus. Ob daraus Wirkung wird, entscheidet sich auch nicht an einem Abend, sondern am nächsten Tag in den Unternehmen, Teams und Projekten. Die Arbeitsgruppe ruft auf, gemeinsam vom Wissen ins Tun zu kommen.

Die vollständigen Ergebnisse werden zeitnah auf der Website der ÖGNI zur Verfügung stehen.

Ban Ki-Moon: Vom Pariser Abkommen zur gebauten Realität

Höhepunkt des Abends war das Kamingespräch mit Ban Ki-moon. Der ehemalige UN-Generalsekretär (2007–2016) prägte die Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens und der Agenda 2030 mit ihren 17 Sustainable Development Goals entscheidend mit. Wie kaum eine andere Persönlichkeit steht er für den Übergang von Absichtserklärungen zu konkretem Handeln, und damit für das Leitmotiv des Symposiums.

„Dass Sie mich heute eingeladen haben, zeigt mir, dass Sie diese Anliegen teilen. Ich hoffe, dass dieser Abend eine Gelegenheit bietet, ernsthaft darüber nachzudenken, wie wir alle zu Frieden, Sicherheit und nachhaltiger Entwicklung beitragen können.“
—Ban Ki-moon

Er rief dazu auf, die Gestaltung einer friedlichen und nachhaltigen Zukunft nicht allein der Politik und Wirtschaft zu überlassen. Auch jede und jeder Einzelne könne zu Frieden, Sicherheit, Menschenrechten und der Überwindung von Armut beitragen. Mit Blick auf das Pariser Klimaabkommen erinnerte Ban Ki-moon an die Kraft internationalen Zusammenhalts. Seine Ausführungen zu den globalen Nachhaltigkeitszielen machten zugleich deutlich, wie konkret nachhaltige Entwicklung im Leben der Menschen werden muss: Niemand sollte an vermeidbaren Krankheiten sterben oder durch Hunger und Armut sein Leben verlieren. Kinder müssen Zugang zu Bildung erhalten.

Bühne für Innovation: Start-Up Corner und „Maria Theresia“

Im Start-up Corner präsentierten zwölf Jungunternehmen aus den Bereichen Gebäude und Industrie ihre Lösungen. Sie hatten sich im Rahmen der ÖGNI Start-up Challenge powered by Orbyz einen kostenfreien Ausstellungsplatz gesichert. Das Spektrum reichte von Drohnen-Gebäudeerfassung über CO₂-speichernde Baustoffe bis zur Entsiegelung von Parkflächen durch Baumpflanzungen.

Für besondere Momente sorgten zwei Showeinlagen aus der Produktion „Maria Theresia – Das Musical“ der Vereinigten Bühnen Wien. Beim abschließenden Networking setzten die Gäste den Austausch bis in den späten Abend fort.

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