Österreichs M&A-Markt zieht wieder an – Mega-Deals bleiben die Ausnahme

Im ersten Halbjahr 2026 wurden 131 Unternehmenskäufe mit österreichischer Beteiligung angekündigt
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Österreichs M&A-Markt zieht wieder an – Mega-Deals bleiben die Ausnahme
© EY/Christina Häusler
Österreichs M&A-Markt zieht wieder an – Mega-Deals bleiben die Ausnahme
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Österreichs M&A-Markt zieht wieder an – Mega-Deals bleiben die Ausnahme
Österreichs M&A-Markt zieht wieder an – Mega-Deals bleiben die Ausnahme

Der österreichische M&A-Markt zeigt im ersten Halbjahr 2026 eine deutliche Belebung bei der Transaktionszahl, während das veröffentlichte Dealvolumen stark rückläufig ist. Laut dem aktuellen EY-Parthenon M&A-Index Österreich wurden zwischen Jänner und Juni 2026 insgesamt 131 Transaktionen mit österreichischer Beteiligung angekündigt – ein Plus von elf Prozent gegenüber den 118 Deals im ersten Halbjahr 2025. Das veröffentlichte Transaktionsvolumen sank dagegen von 17,3 Milliarden Euro auf 5,6 Milliarden Euro. Der Index erfasst alle Unternehmenskäufe mit österreichischer Beteiligung, die im Zeitraum vom 1. Jänner bis 30. Juni 2026 angekündigt wurden.

Gemischtes Signal, aber kein Markteinbruch

„Der österreichische M&A-Markt sendet ein gemischtes, aber insgesamt positives Signal. Die Zahl der Transaktionen steigt, obwohl das geopolitische und damit gefolgt das wirtschaftliche Umfeld weiterhin anspruchsvoll ist. Der Rückgang beim Deal Value ist vor allem eine Folge der außergewöhnlichen Mega-Deals des Vorjahres – nicht Ausdruck eines zusammengebrochenen Marktes. Unternehmen bleiben vorsichtig, aber sie investieren gezielt dort, wo Akquisitionen strategisch sinnvoll sind.“
—Robert Hufnagel, Partner und Leiter M&A Advisory bei EY-Parthenon

Mehr Transaktionen, verhaltenes zweites Quartal

Die Dealaktivität verteilte sich im Berichtszeitraum ungleich auf die beiden Quartale. Im ersten Quartal 2026 wurden 77 Transaktionen verzeichnet, im zweiten Quartal waren es 54 Deals. Nach einem starken Jahresauftakt nahm die Dynamik gegen Ende des zweiten Quartals wieder ab. 

„Wir sehen mehr Aktivität, aber keine Rückkehr zu einem ungebremsten Boom. Käufer:innen sind sehr fokussiert: Es geht weniger um opportunistische Zukäufe, sondern um Transaktionen, die das Geschäftsmodell weiterentwickeln, neue Märkte erschließen oder technologische Fähigkeiten ergänzen.“
—Alexander Zottl, Senior Manager bei EY-Pantheon Österreich 

Deal Value rückläufig – Vorjahres-Megadeals verzerren den Vergleich

Das Transaktionsvolumen von 5,6 Milliarden Euro liegt um 67,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Dieser Rückgang erklärt sich wesentlich durch die Vergleichsbasis: Das erste Halbjahr 2025 war durch sehr große Transaktionen wie OMV/Borouge und Erste Group/Santander Polen geprägt. Auch im laufenden Jahr gab es mehrere großvolumige Deals. Zu den größten angekündigten Transaktionen zählen die Übernahme der irischen Permanent TSB Group Holdings plc durch die BAWAG mit einem Volumen von rund 1,6 Milliarden Euro, das Pflichtangebot der Ennoconn Corporation für ausstehende Aktien der Kontron AG mit rund 1,45 Milliarden Euro sowie der Bieterwettbewerb um die Addiko Bank. Die fünf größten Transaktionen kamen zusammen auf ein veröffentlichtes Volumen von rund 4,9 Milliarden Euro.

„Es zeigt sich, dass größere strategische Transaktionen auch in Österreich möglich sind – insbesondere dann, wenn sie eine klare industrielle oder finanzielle Logik haben.“
—Alexander Zottl

Ausländische Investoren verstärken Engagement in Österreich

Besonders auffällig entwickelten sich die Inbound-Transaktionen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 55 Übernahmen österreichischer Unternehmen durch ausländische Käufer angekündigt – ein Plus von 14,6 Prozent. Inbound-Deals machten damit 42 Prozent aller Transaktionen aus. Beim Transaktionswert entfielen von den insgesamt 5,6 Milliarden Euro rund 3,2 Milliarden Euro auf ausländische Direktinvestitionen in Österreich, was einem Anstieg von 2,3 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr entspricht. Getrieben wurde dieser Wert insbesondere durch Transaktionen im Technologie- und Finanzbereich. 73 Prozent der Inbound-Investoren kamen aus Europa; an der Spitze standen deutsche Investoren mit 21 Transaktionen, gefolgt von Käufern aus den USA und Frankreich. 

„Österreich bleibt für internationale Käufer:innen attraktiv – vor allem dort, wo Unternehmen technologisches Know-how, spezialisierte Industriekompetenz oder starke Marktpositionen mitbringen. Gerade in einem unsicheren Umfeld suchen Investor:innen nach Qualität, Stabilität und strategischem Fit. Österreichische Unternehmen können hier punkten.“
—Robert Hufnagel

Österreichische Unternehmen kaufen gezielt im Ausland

Auch Outbound-Deals legten deutlich zu. Österreichische Unternehmen kündigten im ersten Halbjahr 52 Transaktionen im Ausland an – ein Plus von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil der Outbound-Deals am Gesamtmarkt lag bei 39,7 Prozent, das veröffentlichte Outbound-Volumen erreichte rund 1,6 Milliarden Euro, stark geprägt durch die angekündigte BAWAG-Transaktion in Irland. Deutschland blieb das wichtigste Zielland mit 19 Transaktionen, dahinter folgten Italien mit vier Deals sowie Rumänien, Schweden und die USA mit jeweils drei Transaktionen.

„Deutschland bleibt wegen geografischer Nähe, Marktgröße und industrieller Verflechtung der wichtigste Zielmarkt. Gleichzeitig zeigt die breite Streuung der Zielländer, dass österreichische Käufer:innen internationale Chancen sehr gezielt prüfen.“
—Alexander Zottl

Strategische Investoren dominieren, Private Equity bleibt Randerscheinung

Der österreichische M&A-Markt wird weiterhin fast vollständig von strategischen Investoren geprägt. Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 124 der 131 Transaktionen auf strategische Käufer – 15 Deals mehr als im Vorjahr. Private-Equity- und Venture-Capital-Investor:innen waren an lediglich sieben Transaktionen beteiligt; ihr Anteil am Gesamtmarkt lag damit bei fünf Prozent.

„Strategische Investor:innen sind derzeit klar im Vorteil. Sie können Synergien, Marktzugang und industrielle Logik oft stärker in den Vordergrund stellen als reine Finanzinvestor:innen. Private Equity bleibt aktiv, aber selektiv.“
—Alexander Zottl

Branchenverteilung: Industrie führt bei Anzahl, Finanzsektor beim Volumen

Nach Branchen entfielen die meisten Transaktionen auf den Industriesektor mit 38 Deals, vor TMT (Technology, Media & Telekom) mit 25 Transaktionen und Real Estate & Construction mit 21 Deals. Consumer Products & Retail war mit 18 Transaktionen ebenfalls stark vertreten. Beim veröffentlichten Transaktionsvolumen ergibt sich ein anderes Bild: Den höchsten Wert verzeichnete die Finanzbranche mit 2,9 Milliarden Euro, gefolgt vom Technologie-, Medien- und Telekommunikationssektor mit 2,4 Milliarden Euro.

„Die Branchenverteilung zeigt sehr klar, wo strategische Prioritäten liegen. Industrieunternehmen bleiben besonders aktiv, weil sie Portfolios anpassen, Wertschöpfungsketten stärken oder neue Kompetenzen zukaufen.“
—Alexander Zottl 

Ausblick zweites Halbjahr 2026: Selektive Aktivität, kein Boom

Für die zweite Jahreshälfte erwartet EY-Parthenon keinen sprunghaften Anstieg, aber eine weiterhin selektive M&A-Aktivität. Zinsen, Finanzierungskosten, geopolitische Risiken, Konjunkturentwicklung und regulatorische Themen prägen weiterhin die Entscheidungsprozesse. Große Einzeltransaktionen können das Volumen dabei weiterhin stark bewegen. Entscheidend bleibt, ob Käufer und Verkäufer bei Bewertungen, Finanzierung und Risikoallokation wieder leichter zueinanderfinden.

„Viele Unternehmen können nicht einfach abwarten, bis das Umfeld perfekt ist. Transformation, Digitalisierung, Energiewende und geopolitische Verschiebungen zwingen Unternehmen, ihre strategische Position aktiv weiterzuentwickeln. M&A bleibt dafür ein wichtiges Instrument – aber die Anforderungen an Transaktionslogik, Due Diligence und Integrationsfähigkeit steigen.“
—Robert Hufnagel