Vergangene Woche luden OPTIMUSE und die S+B Gruppe rund 100 Fach- und Führungskräfte aus Projektentwicklung, Bestandshaltung, Generalunternehmen und technischem Asset Management in die Wiener Gösserhalle.
Anlass war kein Produkt, sondern ein laufendes Projekt: Das Quartier Panorama Development in Praha 4 – Pankrác, ein gemischt genutztes Areal aus Büro, Wohnen und Hotel, entwickelt von der S+B Gruppe. OPTIMUSE legte erstmals die Ergebnisse einer simulationsbasierten Machbarkeitsanalyse vor und bezifferte das Einsparpotenzial eines gemeinsamen Energienetzes für vier Gebäude auf rund drei Millionen Euro als Barwert über 20 Jahre.
Vier Fragen zur Anlagentechnik
Die Ausgangsfrage, die S+B an OPTIMUSE gestellt hatte, war eine wirtschaftliche: „Lohnt es sich, die Gebäude energetisch zu einem Verbund zusammenzuschließen oder plant man besser weiter Haus für Haus?“ An dieser Entscheidung hängt die Auslegung der gesamten Anlagentechnik. Daraus entwickelte die S+B Gruppe vier konkrete Fragen: Rechnet sich der Energieverbund zwischen den Gebäuden? Wie viel Photovoltaik verträgt eine Fassade wirtschaftlich? Lohnt sich ein Batteriespeicher – und wie groß muss er sein? Wie viel kleiner darf der Netzanschluss werden?
Digitaler Zwilling, 227 Simulationsläufe
Grundlage der Analyse war ein digitaler Zwilling des gesamten Areals, aufgebaut aus vorhandenen Planungs- und Bestandsunterlagen. OPTIMUSE prüfte Varianten in 227 Simulationsläufen und stellte mehrere Netz-Topologien gegeneinander. Gerechnet wird physikbasiert mit EnergyPlus, Modelica und Radiance, ergänzt um Module für Lebenszykluskosten und für die Bewertung des Stranding-Risikos nach CRREM. Die KI von OPTIMUSE übernimmt dabei nicht das Rechnen selbst, sondern liest Unterlagen ein, ergänzt fehlende Randbedingungen, legt Varianten an, startet die Simulationen und führt die Ergebnisse zusammen. Jeder Lauf durchläuft automatisierte Prüfungen auf Energiebilanz, Komfortgrenzen und Plausibilität; jede Entscheidung wird mit Begründung protokolliert. Bauphysiker und TGA-Fachleute prüfen das Ergebnis vor der Auslieferung.
Haupthebel ist die gemeinsame Reserve
Der Verbund trägt sich – aber aus einem anderen Grund als erwartet. „Der Haupthebel ist nicht die Abwärmenutzung, an die man bei Energieverbünden zuerst denkt, sondern die gemeinsam genutzte Reserve.“ Weil nicht jedes Gebäude eigene Redundanzen vorhalten muss, entfällt ein erheblicher Teil der Investition in die Anlagentechnik.
Auch die übrigen Fragen ließen sich beziffern. Für die Photovoltaik zeigte die Rechnung, bis zu welcher Ausbaustufe sich Dächer und Südfassaden wirtschaftlich tragen. Der Batteriespeicher rechnet sich gleich doppelt – über die vermiedene Anschlussleistung und über den Handel am Day-Ahead-Markt – und fällt kleiner aus als zunächst angenommen. Der Netzanschluss kann spürbar kleiner dimensioniert werden, weil die vier Gebäude ihre Lastspitzen nicht gleichzeitig erreichen. „In Summe beziffert OPTIMUSE das Einsparpotenzial im Verbund auf rund drei Millionen Euro, als Barwert über 20 Jahre, verteilt auf vermiedene Investitionen und laufende Betriebskosten.“