Sauberes Trinkwasser für Menschen statt Kühlung für Hyperscaler

Rechenzentren und KI-Boom: GLOBAL 2000 fordert Moratorium und UVP-Pflicht ab 50 MW
Michael Neubauer
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GLOBAL 2000 warnt vor den Umwelt- und Infrastrukturfolgen des wachsenden Rechenzentrenbaus in Österreich. Im Zentrum der Forderungen stehen ein Moratorium für neue Rechenzentren, eine verpflichtende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) sowie eine nationale KI-Strategie. Für die österreichische Immobilien- und Bauwirtschaft sind die Positionen der NGO insofern relevant, als sie regulatorische Weichenstellungen vorwegnehmen, die Standortentscheidungen, Flächenwidmung und Genehmigungsverfahren unmittelbar berühren.

„Der KI-Boom belastet Klima und Umwelt massiv. Die Regierung muss den rasanten, konzerngetriebenen Ausbau der Rechenzentren stoppen.“ Die Organisation erneuert damit ihre Forderung nach einem Moratorium für den weiteren Ausbau dieser Infrastruktur in Österreich."
—Hannah Keller, Klima- und Energiesprecherin bei GLOBAL 2000,

Flächenversiegelung und Ressourcenkonkurrenz

Aus Sicht der Flächennutzung benennt GLOBAL 2000 einen Konflikt, der für die Bau- und Immobilienwirtschaft strukturell bedeutsam ist: Für jeden Hyperscaler, also jedes Riesen-Rechenzentrum, werden „Unmengen an Boden, oftmals wertvolle landwirtschaftliche Nutzfläche, versiegelt“. Keller formuliert die Konkurrenz um Ressourcen pointiert: „Sauberes Trinkwasser für Menschen statt Kühlung für Hyperscaler, leistbare erneuerbare Energie um Häuser zu heizen statt Server zu betreiben und Böden um Essen zu produzieren statt Rechenzentren zu bauen.“

Internationale Warnsignale: USA und Irland

Als mahnende Beispiele führt GLOBAL 2000 Länder an, in denen der Rechenzentrenbau bereits weiter fortgeschritten ist. In den USA und in Irland seien Anwohner:innen bereits von Stromausfällen, höheren Stromkosten und verschmutztem Grundwasser betroffen. Einzelne Betreiber hätten eigene Gaskraftwerke errichtet, um den Strombedarf ihrer Anlagen zu decken. Die Organisation sieht darin eine Entwicklung, die Österreich durch frühzeitige Regulierung vermeiden müsse.

UVP-G Novelle: Schwellenwerte und Beteiligungsrechte

Im Zuge der laufenden UVP-G Novelle soll eine UVP-Pflicht für Rechenzentren eingeführt werden. GLOBAL 2000 begrüßt den Ansatz, knüpft die Zustimmung jedoch an konkrete Ausgestaltungsbedingungen. Keller fordert: „Zum einen muss sichergestellt werden, dass diese UVP auch sinnvoll umgesetzt ist. Das bedeutet, sie muss ab einem Schwellenwert von 50 MW Anschlussleistung gelten und weitere Schwellenwerte für den Wasserverbrauch setzen. Außerdem muss das Gesetz die Beteiligungsrechte von Umweltschutzorganisationen und Bürger:inneninitiativen fest verankern. Für die Bevölkerung muss unbürokratische, niederschwellige Beteiligung möglich sein.“

Forderung nach nationaler KI-Strategie

Die UVP allein reiche nicht aus, betont die Organisation. Keller stellt fest: „KI ist aus vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken, dennoch muss eines klar sein: Dieser Ausbau darf unsere Lebensgrundlagen nicht noch mehr gefährden, als die Klimakrise es ohnehin schon tut. Was derzeit passiert ist ein ungebremster Ausbau, getrieben durch Gewinninteressen internationaler Konzerne.“ GLOBAL 2000 fordert ergänzend zur UVP-Pflicht eine nationale Strategie zum Umgang mit KI und Rechenzentren.

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