ARE übergibt Großprojekt an Landespolizei Tirol
Fünf Neubauten und Sanierung von zwei Bestandsgebäuden abgeschlossen
Laut Klima-Risiko-Index 2026 der Umweltorganisation Germanwatch gehört Deutschland zu den 30 Staaten, die weltweit am stärksten von Extremwetter betroffen sindi. „Hitze- und Regenphasen treten zunehmend geballt auf und können im Grunde jede Region Deutschlands treffen. Starkregen ist dabei besonders tückisch: Er setzt oft plötzlich und lokal begrenzt ein und ist damit schwer vorhersehbar“, warnt Gregor Grassl, Associate Partner und Experte für klimafreundliche Stadtentwicklung bei Drees & Sommer, einem auf Bau, Immobilien und Infrastruktur spezialisierten Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Stuttgart. Grassl ist überzeugt: „Klimaanpassung wird für Städte und Kommunen zu einer der größten Aufgaben der kommenden Jahrzehnte.“
Schon 2021 belegte eine Studie der internationalen Initiative World Weather Attribution, dass sich die Wahrscheinlichkeit für Starkregenereignisse in Westeuropa durch den Klimawandel um das 1,2- bis 9-Fache erhöht hat.ii Gleichzeitig nimmt die Intensität der extremen Niederschläge erheblich zu. Wie verheerend die Folgen solcher Ereignisse sein können, zeigte die Flutkatastrophe im Ahrtal im Sommer 2021 mehr als deutlich. In den Jahren darauf kam es auch in Österreich, Tschechien, Polen und Norditalien zu massiven Überschwemmungen infolge von Starkregen.
„Besonders nach langen Hitze- und Trockenperioden, wie wir sie seit einigen Jahren in Europa erleben, steigt das Risiko von Starkregen erheblich“, betont Grassl. Der Grund: Warme Luft kann deutlich mehr Wasserdampf aufnehmen als kalte. Kühlt sie ab, kondensiert die Feuchtigkeit und fällt als Regen nieder. Je länger und intensiver eine Hitzephase anhält, desto heftiger können also auch die anschließenden Niederschläge ausfallen.
Warum besonders Städte bei Starkregenereignissen verwundbar sind, erklärt Philipp Alber, Experte für wasserbewusste Stadtentwicklung bei Drees & Sommer: „Unsere urbane Infrastruktur ist auf derartige Wassermengen nicht ausgelegt. Teilweise fehlen in Städten grundlegende Elemente wie Grünflächen zur Wasserspeicherung, getrennte Regen- und Schmutzwassersysteme oder ausreichend bemessene Notabflüsse.“ Dennoch sind die Drees & Sommer-Experten überzeugt, dass sich Städte und Kommunen mit dem richtigen Know-how anpassen und widerstandsfähiger werden können. Folgende Maßnahmen ihnen dabei beim Umgang mit Starkregen helfen.
Risiken erkennen und minimieren
Oft kommen Defizite im Hochwasserschutz erst dann zutage, wenn ein Starkregenereignis Straßen überflutet und die Infrastruktur lahmlegt. „Überlastete Abwassersysteme gehören zu den häufigsten Ursachen für Überschwemmungen in Städten. Eine leistungsfähige Kanalisation und intakte Gewässer sind daher die zentralen Voraussetzungen für einen wirksamen Hochwasserschutz“, sagt Grassl. Für Städte und Kommunen gilt es deshalb, bestehende Hochwasserschutzmaßnahmen regelmäßig zu überprüfen und dort wo dies nötig ist, zusätzliche Vorkehrungen zu treffen. Zudem muss jederzeit gewährleistet sein, dass lebenswichtige Infrastruktur wie Feuerwachen, Krankenhäuser und Notunterkünfte sicher erreichbar sind. Als ein hilfreiches Instrument kann dabei die bundesweite Hinweiskarte über Starkregengefahren dienen. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Baden-Württemberg verfügen zudem über eigene Starkregengefahrenkarten, die an lokale Verhältnisse und Bedarfe angepasst sind.
Grüne Städte statt grauer Flächen
Nicht nur flussnahe Regionen sind bei Starkregen gefährdet. Nach langen Hitze- und Dürreperioden ist die Wasseraufnahme in urbanen Flächen sehr eingeschränkt. Statt zu versickern, sammelt es sich an der Oberfläche oder strömt über Straßen, Wege und Hänge ab. „Um sich auf Extremwetter wie Starkregen wirksam anzupassen, müssen Städte und Kommunen die blau-grüne Infrastruktur deutlich ausbauen. Sie verbindet Grünflächen mit smartem Wassermanagement und moderner Technik und stärkt die Widerstandsfähigkeit von Städten“, erklärt Grassl. Eine zentrale Rolle spielt dabei das Schwammstadtprinzip: Parks, Grünzüge und urbane Freiflächen fungieren als natürliche Rückhalteräume, die bei starken Niederschlägen überschüssiges Wasser aufnehmen und so Überflutungen gezielt abpuffern. Gebäudebegrünungen, Parkanlagen oder Grünbrücken verbessern zudem das Stadtklima, schützen den Boden vor Austrocknung und stärken die Biodiversität.
Entsiegelung als Starkregenschutz
Ähnlich wie trockene Böden lassen auch Asphalt, Beton und andere versiegelte Flächen Regenwasser kaum in den Untergrund eindringen. Stattdessen fließt es ungebremst in die Kanalisation, die bei Starkregen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen stößt. „Um dem entgegenzuwirken, gilt es, große Flächen zu entsiegeln und mit wasserdurchlässigen Alternativen zu ersetzen”, ergänzt Alber. Empfehlenswert sind zum Beispiel Materialien wie Rasengittersteine, versickerungsfähige Beläge oder begrünte Wegflächen. Sie helfen, das Regenwasser unmittelbar am Ort des Niederschlags aufzunehmen und entlasten so nicht nur die Kanalisation, sondern fördern auch den natürlichen Wasserkreislauf und die Grundwasserneubildung. Gleichzeitig verbessern entsiegelte Flächen zur Kühlung urbane Räume bei. „Auch an Stellen, an denen eine Entsiegelung nicht möglich ist, sollte eine Regenwasserrückhaltung geprüft werden. Oft helfen schon begrünte Dächer, die wie ein Schwamm Niederschläge aufnehmen und vorübergehend speichern“, so der Experte.
Um Kosten zu sparen und Synergien zu nutzen, sollten Schutzmaßnahmen gegen Starkregen frühzeitig in geplante Um- und Neubauprojekte integriert werden. So kann der Einsatz von smarten Zisternen, in denen Regenwasser gesammelt wird, zusätzlich den Trinkwasserverbrauch reduzieren. Ein gelungenes Beispiel dafür ist das Stadtentwicklungsprojekt Potsdamer Platz in Berlin, dessen Umsetzung das Beratungsunternehmen Drees & Sommer als General Construction Manager begleitet hat. Vier Zisternen mit einem Volumen von insgesamt 2.550 m³ sammeln und speichern dort Regenwasser für die Nutzung und Retention[i]. Das gesammelte Regenwasser wird für Toilettenspülung, Grünflächen und Feuerlöschsysteme verwendet. Das dadurch eingesparte Trinkwasser entspricht dem jährlichen Trinkwasserbedarf von etwa 150–200 Personen. So wird aus dem Starkregenschutz gleichzeitig ein Trockenheitsschutz.
Dem Wasser Raum geben
Um das öffentliche Kanalnetz weiter zu entlasten, können Städte und Kommunen zudem Retentionsflächen und Regenrückhaltebecken errichten. Das Regenüberlaufbecken unter dem Schwanenplatz in Stuttgart etwa kann 665 Badewannen Wasser pro Sekunde aufnehmen und hat ein Fassungsvermögen von 18 Millionen Liter[ii]. Auch naturnahe Gestaltungsmaßnahmen wie Mulden-Rigolen-Systeme, die das Wasser in einem Hohlraum speichern und langsam an den Boden abgeben, können die Folgen von Starkregen mindern.
„Wasser schnell aus dem Siedlungsraum abzuleiten, wirkt oft kontraproduktiv”, ergänzt Grassl. So galten für gewässernahe Siedlungsgebiete lange Zeit starre Dämme als zentrale Maßnahme des Hochwasserschutzes. Heute zeigt sich: Dämme allein reichen nicht aus und suggerieren in Teilen falsche Sicherheit: Da sie den natürlichen Wasserfluss einschränken, können sie die Fließgeschwindigkeit lokal erhöhen und Hochwasserstände eher begünstigen. „Stattdessen sollte das Wasser kontrolliert zurückgehalten und gespeichert werden. Dafür gilt es, natürliche Landschaftsstrukturen und Retentionsräume stärker in der Planung zu berücksichtigen“, betont der Experte.
Wie wirkungsvolle Klimaanpassung in der Praxis aussehen kann, machen unter anderem Klimaanpassungsprojekte im Landkreis Cochem-Zell und in den Städten Berlin und Potsdam vor. Drees & Sommer steht bei diesen Vorhaben den Städten und Kommunen beratend zur Seite.
Regenwasserbewirtschaftung an 24 Berliner Schulen: Das Straßen- und Grünflächenamt Lichtenberg ließ das Potenzial einer dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in 24 Schulliegenschaften im Stadtteil prüfen. Das Gutachten bildet die Basis für weitere Maßnahmen.
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Klimaanpassung Telegrafenberg in Potsdam: Der Baumbestand auf dem Telegrafenberg in Potsdam ist infolge von Hitze und Trockenheit bereits zu 78 Prozent geschädigt. Mit einem umfassenden Landschaftskonzept soll der traditionsreiche Wissenschaftsstandort wieder zukunftsfähig werden.
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Masterplanung Universitätscampus Hamburg: Die Helmut-Schmidt-Universität plant eine klimaneutrale Campusentwicklung im Stadtteil Jenfeld. Die Masterplanung beinhaltet u. a. ein umfassendes Regenmanagement, das sich am Schwammstadt-Prinzip orientiert
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