Self-Checkout boomt in Österreich

Jeder zweite nutzt gerne SB-Kassen – bei der Gen Z sind es sogar 82 Prozent
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Self-Checkout boomt in Österreich
© Lidl Österreich

Der aktuelle "Consumer Check: So kauft Österreich" des Handelsverbands zeigt: 47 % der Österreicher nutzen gerne Self-Checkout-Kassen – mit enormen Altersunterschieden. Während 82 % der Generation Z auf Selbstbedienung setzen, sind es bei Babyboomern nur 20 %.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

🛒Wahlfreiheit ist entscheidend: 76 % möchten zwischen SB-Kassen und bedienter Kasse wählen können

🛒 Lebensmittelhandel führt: 31 % nutzen dort häufig Self-Checkout, weitere 20 % gelegentlich

🛒 Zeitersparnis überzeugt: 36 % sehen darin den größten Vorteil

🛒 Praxisbeispiel Thalia: Seit 2023 stieg der SB-Kassen-Anteil am Umsatz von 3 % auf 16 %

Generationenthema: Starkes Gefälle zwischen Jung und Alt

Insgesamt geben 47 Prozent der österreichischen Bevölkerung an, Self-Checkout-Kassen gerne zu nutzen. Die Zustimmung variiert jedoch erheblich nach Altersgruppe: In der Generation Z liegt sie bei 82 Prozent, bei den Millennials bei 67 Prozent. In der Generation X sinkt der Anteil auf 39 Prozent, bei Babyboomern und Golden Agern auf 20 Prozent.

„Self-Checkout ist ein Generationenthema. Je älter die Kunden, desto größer die Skepsis. Für 82 Prozent der jungen Menschen ist das selbstständige Scannen und Bezahlen im Handel so selbstverständlich wie Mobile Banking oder das digitale Zugticket“
— Rainer Will, Handelsverband-Geschäftsführer

Wahlfreiheit: Drei Viertel der Kunden wollen beide Optionen

Quer durch alle Altersgruppen dominiert der Wunsch nach Wahlfreiheit. 76 Prozent der Befragten möchten im Geschäft zwischen Self-Checkout und einer bedienten Kasse wählen können. 53 Prozent sprechen sich für SB-Kassen bei einfachen Einkäufen aus, wollen aber persönliche Beratung, sobald sie diese benötigen.

Handelsverband-Vizepräsidentin und Thalia Österreich-Geschäftsführerin Andrea Heumann fasst zusammen: „Die Zukunft der Kassa ist nicht entweder oder. Drei Viertel der Kundinnen und Kunden wollen Wahlfreiheit. Sie schätzen SB-Kassen, wenn es schnell gehen soll, und sie lieben den persönlichen Service im Geschäft, wenn Beratung gefragt ist“

Branchenvergleich: Lebensmittelhandel als Self-Checkout-Vorreiter

Am häufigsten greifen Österreicher im Lebensmittelhandel zur SB-Kassa. Rainer Will: „Ein Drittel der österreichischen Konsumentinnen und Konsumenten verwendet SB-Kassen im Supermarkt häufig, weitere 20 Prozent zumindest gelegentlich. Damit greift bereits mehr als die Hälfte der Bevölkerung beim Lebensmitteleinkauf zumindest fallweise zu Self-Checkout.“

Das Branchenranking nach häufiger oder fast immer erfolgter Nutzung von SB-Kassen stellt sich wie folgt dar:

  1. Lebensmittelhandel: 31 %
  2. Baumärkte: 20 %
  3. Drogerien: 18 %
  4. Einrichtungshandel: 15 %
  5. Sporthandel: 14 %
  6. Mode: 14
  7. Buchhandel: 11 %
  8. Elektrohandel: 10 %

Praxisbeispiel Thalia: Terminals verdreifacht, Umsatzanteil verfünffacht

Im Buchhandel rangiert Self-Checkout im Branchenvergleich am unteren Ende — unter anderem deshalb, weil das Angebot bislang selten verfügbar ist. Thalia bildet eine Ausnahme: Seit der Einführung im September 2023 stieg die Zahl der SB-Kassa-Terminals von 34 auf 106. Der Anteil am stationären Umsatz wuchs von rund 3 auf rund 16 Prozent. Aktuell läuft gut jeder sechste Bezahlvorgang über die SB-Kassa.

Zu Spitzenzeiten fällt der Anteil noch höher aus: Zu Weihnachten 2025 lief in den großen Stadt-Buchhandlungen in Wien und Linz mehr als jeder vierte Euro über die SB-Kassa. An der SB-Kassa zahlen Kunden tendenziell kleinere Einkäufe; die bediente Kasse bleibt für Beratung, Geschenke und größere Besorgungen reserviert.

 „Bei uns kann man die SB-Kassa nutzen, muss aber nicht. Wer eine servicierte Bezahlung möchte, findet immer eine bediente Kassa. So bleiben unsere Buchhändlerinnen und Buchhändler auf der Fläche, statt an der Kassa zu stehen. Die frei gewordene Zeit richten wir durch das persönliche Beratungsgespräch an der Kundschaft aus.“
—Andrea Heumann

Vorteile und Kritikpunkte: Zeitersparnis überzeugt, Arbeitsplatzsorgen dominieren die Kritik

Als größten Vorteil von SB-Kassen nennen 36 Prozent der Befragten die Zeitersparnis. Ein Viertel schätzt das eigene Tempo beim Einkauf, 21 Prozent den kontaktlosen Ablauf, 18 Prozent die Möglichkeit, beim Bezahlen mit niemandem sprechen zu müssen.

Rund ein Drittel sieht hingegen keinen Vorteil. Der häufigste Kritikpunkt ist die Sorge um Arbeitsplätze (36 Prozent). 34 Prozent halten SB-Kassen bei größeren Einkäufen für unpraktisch, 31 Prozent vermissen bei Fragen das Personal. Weitere Hürden sind Barzahlung (27 Prozent), technische Probleme (24 Prozent) und der Wunsch nach persönlichem Kontakt (21 Prozent).

„Technologie kann Abläufe vereinfachen, aber sie ersetzt weder Beratung noch Empathie oder die Problemlösungskompetenz unserer 700.000 Beschäftigten im Handel. Self-Checkout schafft vor allem dort einen Mehrwert, wo Technik und persönliche Betreuung intelligent zusammenspielen.“
—Rainer Will 

Scan & Go: Bekanntheit steigt, Nutzung bleibt gering

Beim Format Scan & Go erfassen Kunden Produkte mit dem eigenen Smartphone und bezahlen direkt per App. 45 Prozent der Befragten kennen diese Möglichkeit, genutzt haben sie jedoch nur 14 Prozent. Mehr als die Hälfte der Österreicher hat davon noch nie gehört.

Auch hier führt die Generation Z: 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen haben Scan & Go bereits ausprobiert. Bei den Millennials sind es 18 Prozent, in der Generation X 10 Prozent, bei den älteren Generationen 4 Prozent. Das Wachstumspotenzial bleibt laut Consumer Check erheblich.