Sensorgestützte Sortierung als Gamechanger im Baustoffrecycling

Die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG zeigt wie die Technologie die recyclete Materialqualität maßgeblich erhöht
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Sensorgestützte Sortierung als Gamechanger im Baustoffrecycling
© BRT

Bau- und Abbruchabfälle bilden den größten Abfallstrom Europas – und bergen zugleich erhebliches ungenutztes Potenzial für die Kreislaufwirtschaft. Brechen, Sieben und Waschen gehören in vielen Aufbereitungsanlagen längst zum Standard. Den entscheidenden Qualitätssprung erzielt jedoch erst die sensorgestützte Sortierung: Sie trennt Materialströme präzise und hebt die Qualität von Recyclingbaustoffen spürbar an. Wie das in der Praxis funktioniert, demonstriert die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG in der Schweiz – mit Aufbereitungsmaschinen von Binder+Co, darunter zwei CLARITY-Sortieranlagen.

BRT Thurgau: 75 Prozent zurück in den Kreislauf

Die BRT Baustoff Recycling Thurgau AG versteht sich als fachkompetenter Partner der mineralischen Kreislaufwirtschaft. Das Unternehmen verarbeitet überwiegend belastetes Aushubmaterial.

„Wir bearbeiten vor allem Aushubmaterial, welches chemisch verschmutzt oder mit Bauschutt vermischt ist.“
—Martin Feldmann, Geschäftsführer der BRT AG

Dennoch gelinge es, rund 75 Prozent des aufbereiteten Materials als Sand und Kies in den Stoffkreislauf zurückzuführen.

Der Prozess beginnt bereits bei der Materialannahme: Je nach Herkunft und Belastungsgrad wird das angelieferte Aushubmaterial bewertet, in unterschiedlichen Lagern zusammengeführt und anschließend gleichmäßig der nassmechanischen Aufbereitung zugeführt. Dort wird es gewaschen, gebrochen und in verschiedene Korngrößen getrennt. Den abschließenden Qualitätsschritt übernehmen die CLARITY-Anlagen von Binder+Co: Mithilfe hochauflösender Kameras und intelligenter Bildauswertung erkennen sie selbst kleinste Farbunterschiede und Materialmerkmale.

„Vor allem dank der optischen Sortierung können wir heute das aufbereitete Material als Primärkies wieder in Umlauf bringen.“
—Martin Feldmann

Ziegelbruch wird zuverlässig von hochwertigem Kies getrennt, Fremdstoffe werden ausgeschleust.

Der Nutzen reicht über die Anlage hinaus: Der Großteil des sortierten Sands und Kieses fließt direkt in die Betonproduktion des angrenzenden Betonwerks. Auch ausgeschleuster Ziegelbruch findet Verwendung – etwa als Zuschlagsstoff für Dachsubstrate oder in unnormierten Betonsorten. Entscheidend bleibt dabei die Reinheit der Materialien, denn nur hochwertige Sekundärrohstoffe erzielen dauerhaft Marktakzeptanz.

Regulatorischer Rahmen: Die Schweizer VVEA als Maßstab

Die Schweiz gilt im Umgang mit Bauabfällen als besonders streng reguliert. Die Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) unterscheidet fünf Belastungsstufen von Aushub- und Ausbruchmaterial – von unverschmutzt bis stark verschmutzt. Baustoff-Recyclinganlagen kommt in diesem System eine zentrale Rolle zu. Genau in diesem anspruchsvollen regulatorischen Umfeld hat sich die BRT AG etabliert. Seit 2023 ist die nassmechanische Aufbereitungsanlage in Betrieb, ausgestattet mit mehreren Sieb- und Sortiermaschinen von Binder+Co.

„Nun geht jede bei uns aufbereitete Tonne nicht mehr auf die Deponie, sondern wird wieder in den Baustoffmarkt zurückgeführt.“
—Martin Feldmann

KI-Upgrade: Schwarze Materialien zuverlässig trennen

Bislang sortiert die CLARITY vorwiegend farbbasiert. Verbundmaterialien und steigende Qualitätsanforderungen werden künftig leistungsfähigere Aufbereitungsverfahren verlangen. Dank KI-Unterstützung lässt sich künftig auch schwarzes Material – etwa Asphalt und Schlacke – zuverlässig von schwarzem Kies trennen.

„Wir sind sehr interessiert am neuesten KI-Upgrade, um die restliche Verschmutzung in Form von Schlacke und Belag entnehmen zu können, und auch um die Performance der anderen Fraktionen noch zu erhöhen.“
—Martin Feldmann

Deshalb sei es wichtig, neue Technologien kontinuierlich zu prüfen und dort einzusetzen, wo sie Mehrwert schaffen.

Sortierung als Gamechanger: Binder+Co erwartet verschärfte EU-Vorgaben

Binder+Co sieht in der Sortierung den nächsten Entwicklungsschritt im Baustoffrecycling – angesichts wachsender Ressourcenknappheit bei Kies und Sand sowie dem Ziel der CO₂-Reduktion.

„Brechen, Sieben und Waschen sind heute Stand der Technik. Erst durch die Sortierung wird jedoch eine optimale und durchgängige Verwertung der mineralischen Baustoffe möglich.“
—Manfred Berghofer, Verkäufer für Sortiertechnik, Mineralien und Bauschutt bei Binder+Co

Angesichts knapper werdender Primärrohstoffe, steigender Deponiekosten und zunehmend strenger gesetzlicher Anforderungen werde die Sortierung künftig eine Schlüsselrolle übernehmen.

Auch regulatorisch erwartet Berghofer Bewegung: Er rechnet in naher Zukunft mit einer Verschärfung der EU-Regeln im Bauschuttrecycling – ähnlich den bereits strengen Schweizer Vorgaben. Unternehmen, die schon heute auf effektive Sortierung setzen, seien darauf vorbereitet.

„Erst die präzise Trennung der Materialien schafft jene Qualität, die aus Bauschutt wieder einen gefragten Rohstoff macht. Die Sortierung wird damit zum eigentlichen Gamechanger der mineralischen Kreislaufwirtschaft und Unternehmen wie BRT zeigen vor, dass diese bereits heute möglich ist.“
—Manfred Berghofer