In Saal an der Donau ist ein Sechs-Parteien-Haus entstanden, das auf ein innovatives Konzept von Leipfinger-Bader setzt: Werkseitig vorgefertigte massive Wandelemente wurden inklusive Fenster und -zargen, Rollläden sowie sämtlicher Anschlüsse und Detailausbildungen installationsbereit auf die Baustelle geliefert. Eine Methode, welche der für das Projekt verantwortlichen B+Z Planungsgesellschaft mbH aus Kelheim und dem Bauherrn Clever Wohnen Quartiersentwicklung GmbH die Möglichkeit eröffnet, den Bauprozess zu optimieren und zukunftsfähig zu gestalten. Die industrielle Vorfertigung gewährleistet eine hohe Ausführungsqualität, optimierte Abläufe auf der Baustelle und eine spürbare Verkürzung der Bauzeit – Aspekte, die im Geschosswohnungsbau und in der Quartiersentwicklung zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Der Schauplatz dieses Neubauprojektes hat Tradition: Im niederbayerischen Saal an der Donau erwarb die Clever Wohnen Quartiersentwicklung GmbH ein Gelände, auf dem sich ein ehemaliges Polizeigebäude befindet. Dieses wurde zunächst umfassend kernsaniert. Die schützenswerte Fassade blieb dabei erhalten und wurde sorgfältig wiederhergestellt, sodass das historische Gebäude weiterhin das Straßenbild prägt. In dem so sanierten Vorderhaus befindet sich nun ein Wohnheim für Pflegeauszubildende.
An die Rückseite des Altbaus schließt sich jetzt ein moderner Neubau mit sechs Eigentumswohnungen an. Die jeweils zwei Wohneinheiten pro Geschoss erstrecken sich über drei Etagen. Hinzu kommen ein Keller mit Abteilen sowie ein Technik- und Elektroraum. Ausgeführt wird das Objekt als KfW40-Haus mit Luft-Wärmepumpe.
Fertigwandsystem für serielle Neubauten
B+Z ging bei diesem Projekt neue Wege und setzte auf eine Systemkombination aus dem Hause Leipfinger-Bader: vorgefertigte Ziegel-Wandelemente mit fertigen Anschlüssen und werkseitig integrierter Fensterzarge. Letztere enthält dabei bereits auch die Fenster sowie einen massiven Rollladenkasten mit integriertem Lüftungssystem und Wärmerückgewinnung. Die Kombination aus massiver Fertigteilwand nebst integrierter Fensterzarge eröffnet neue Möglichkeiten der industriellen Vorfertigung. „Es ist kein Geheimnis, dass wir händeringend nach Lösungen suchen, um Prozesse im Bauwesen zu modernisieren und nachhaltig weiterzuentwickeln. Diese Systemlösung hat das Potenzial, Prozesse im Geschosswohnungsbau grundlegend zu verändern. Wir waren überrascht, wie deutlich sich die Ausführungsqualität erhöht hat – neben dem beschleunigten Bauablauf und der spürbar effizienteren Arbeit für alle Beteiligten“, betont Christian Köglmeier, Geschäftsführer der B+Z Gruppe. Der für die Fertigteilwand verwendete hochwärmedämmende Coriso-Mauerziegel von Leipfinger-Bader trägt maßgeblich zum Erreichen des hohen KfW-Standards bei – ganz ohne zusätzliches Wärmedämm-Verbundsystem. Und zeigt dabei zugleich: Hohe energetische Standards und effizientes Bauen schließen sich nicht aus.
Präzise Vorfertigung minimiert Schnittstellen
Das Fertigteilsystem wurde für das Saaler Projekt direkt bei Leipfinger-Bader produziert und so dimensioniert, dass es von jedem gängigen Baukran verhoben werden kann. Dies vereinfacht Logistik und Handhabung. Einmal auf der Baustelle angelangt, wurden die Elemente an der vorgesehenen Stelle positioniert und die Laibungen ausgemauert. Die Kelheimer Projektverantwortlichen zeigten sich insbesondere von der hohen Qualität der vertikalen und horizontalen Anschlüsse beeindruckt. Nacharbeiten waren nicht erforderlich. Weil insgesamt viele Schnittstellen auf der Baustelle entfielen oder – wie im Fall der Elektrik schon putzfertig vorbereitet waren –, beschleunigte sich der Bauablauf deutlich. „Je nach Größe des Objekts kann diese Systemlösung eine Bauzeitverkürzung von bis zu zwei Monaten bewirken“, prognostiziert Köglmeier. Auch der Baustellenverkehr und der allgemeine Platzbedarf für die Baustelleneinrichtung wurden reduziert, was sich angesichts der begrenzten Fläche auf dem Areal hinter dem sanierten Altbau zusätzlich als vorteilhaft erwies. Nicht zuletzt wurde die Störung von Anwohnern minimiert.
Begleitforschung zur Effizienz serieller Bauweise
B+Z holte sich zur wissenschaftlichen Begleitung dieses Fertigteilprojektes die Fakultät Bauingenieurwesen der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) Regensburg unter Leitung von Detleff Schermer ins Boot. Ein Student der Hochschule widmet dem Projekt sogar seine Bachelorarbeit. Zentrale Fragestellungen dabei sind: Welche Auswirkungen hat der Einsatz vorgefertigter Ziegelwände mit integrierter Fensterzarge auf Bauzeit, Ausführungsqualität und Ressourceneffizienz? Inwieweit können durch diese Systemlösung Schnittstellen minimiert, Prozesse optimiert und Emissionen reduziert werden?
Planung und Umsetzung in Rekordzeit
Die Fertigteile wurden frühzeitig in die Planung eingebunden. Vom Kick-off bis zur Auslieferung vergingen nur sechs Wochen. „Dies zeigt auch, wie effizient wir unsere Beratung und Fertigung aufgestellt haben“, erklärt Ralf Feigel, Fertigteilexperte bei Leipfinger-Bader. Die neue Systemlösung eignet sich besonders für den Geschosswohnungsbau, Pflegeeinrichtungen und bei der Quartiersentwicklung. Das Ziel ist klar: Mit innovativen Lösungen und hoher Ausführungsqualität die Bauprozesse nachhaltig zu optimieren und zukunftsfähig zu gestalten.