Spürbare Trendwende und steigende Transaktionen bei Wohnimmobilien im westlichsten Bundesland

Vorarlberger Wohnimmobilienmarkt verzeichnet deutliche Belebung
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Bregenz
Bregenz
© AdobeStock

Nach den vorangegangenen Zinserhöhungen und marktseitigen Regulierungen hat der Wohnimmobilienmarkt in Vorarlberg in den vergangenen zwölf Monaten eine spürbare Trendwende erlebt und befindet sich auf einem vorsichtigen Erholungskurs – so die aktuelle Marktanalyse von Engel & Völkers.

Zeichen von Markterholung und selektiveren Kaufentscheidungen

Die Markterholung und das neu gewonnene Vertrauen der Marktteilnehmer spiegeln sich in den Transaktionszahlen wider: Im Vorjahresvergleich ist die Gesamtzahl der verkauften Wohnimmobilien 2025 um über 20 % gestiegen.

„Kaufentscheidungen werden wieder häufiger getroffen, wenngleich Erwerber bei der Objektauswahl deutlich selektiver agieren als in den Vorjahren. Wir sehen eine gesunde Rückkehr der Käufer und eine wachsende Nachfrage nach Substanz, Nachhaltigkeit und Qualität.“
—Richard Jennewein - Geschäftsführer Engel & Völkers Vorarlberg

Für das laufende Geschäftsjahr 2026 wird für das gesamte Bundesland im Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser (EFH/ZFH) eine Transaktionszahl von 800 bis 880 Objekten sowie ein Transaktionsvolumen von 440 bis 490 Mio. EUR prognostiziert. Im Segment der Eigentumswohnungen (ETW) erwartet Engel & Völkers eine Transaktionszahl von 2.200 bis 2.400 und ein Transaktionsvolumen von 830 bis 910 Mio. EUR.

Trotz moderater Preisentwicklung bleibt der Vorarlberger Markt herausfordernd

Mit einer Bevölkerung von 412.356 Menschen und einer Wohneigentumsquote von 55,2 % stiegen die Vorarlberger Immobilienpreise in den vergangenen Jahren nominell moderat, der Markt bleibt weiterhin anspruchsvoll. Für das zweite Quartal 2026 erwartet Engel & Völkers bei Eigentumswohnungen einen durchschnittlichen Kaufpreis von 5.800 EUR/m² (2025: 5.483 EUR/m²) und für Ein- und Zweifamilienhäuser Durchschnittspreise von 640.000 EUR (2025: 621.000 EUR).

„Die gesunkenen, stabileren Zinsen haben die Stimmung aufgehellt und die Finanzierbarkeit etwas verbessert. Für Vorarlberg gilt: Das veränderte Zinsniveau unterstützt die Nachfrage, führt aber nicht zu einer Rückkehr in die Dynamik der Niedrigzinsjahre“, so Sven Schäfer, Geschäftsführender Gesellschafter von Engel & Völkers Vorarlberg.

Stabile Marktdynamik im Rheintal, preisgetriebene Nachfrage in Bludenz

Nicht nur bei der Nachfrage, sondern auch bei der Preisgestaltung zeigen sich im westlichsten Bundesland Österreichs deutliche, regionale Unterschiede: Die stabilste Marktdynamik zeigt weiterhin das Rheintal. „Besonders Dornbirn, Feldkirch und Teile von Bregenz weisen eine vergleichsweise robuste Nachfrage auf. Dort treffen wirtschaftliche Stärke, gute Infrastruktur, Bevölkerungsdichte und begrenzte Flächen aufeinander“, betont Jennewein.

Im Vorarlberger Unterland bleiben insbesondere die Bodenseeregion, Bregenz, Lochau, Hard, Lauterach und Wolfurt sowie Dornbirn attraktiv, während sich im Oberland ein differenziertes Bild zeigt. Im Vorjahresvergleich liegen die Quadratmeterpreise für ETW in Bregenz im ersten Halbjahr 2026 mit einem Plus von 3,5 % bei durchschnittlich 5.285 EUR. Für EFH/ZFH sind bis zu 736.892 EUR (+ 4,6 %) möglich. Dornbirn verzeichnet im Segment der ETW aktuell Preise von 5.955 EUR/m² (+ 10,1 %) und im Segment der EFH/ZFH 683.560 EUR (+ 9,8 %).

Der Immobilienmarkt in der Region Feldkirch zeigt sich aufgrund seiner hervorragenden Infrastruktur, der Nähe zu Liechtenstein und der Schweiz sowie der urbanen Struktur stabil. Die Preise für Eigentumswohnungen liegen in dieser Region in der ersten Jahreshälfte 2026 bei 4.921 EUR/m² (+ 1,8 %) und für Ein- und Zweifamilienhäuser bei 642.297 EUR (- 0,9 %).

„Bludenz und die umliegenden Regionen sind stärker preisgetrieben. Dort schwankt die Nachfrage deutlich zwischen Preiskorrektur und selektivem Kaufinteresse. Der aktuelle Kaufpreis für Eigentumswohnungen liegt hier bei 6.831 EUR/m². Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Plus von 9,9 %. Auch das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 mit Kaufpreisen von 592.155 EUR einen Anstieg von 8,8 %“, erklärt Schäfer.

Neubau bleibt angespannt, Nachfrage wird preissensibler

Ein Ausblick auf die kommenden Jahre zeigt: „Kurz- bis mittelfristig ist nicht mit einer Rückkehr zum Boom des Vorkrisenniveaus zu rechnen. Dennoch wird sich der Markt stabiler, aber dauerhaft selektiver entwickeln“, so die Prognose von Sven Schäfer. Gute Lagen und hochwertige, energieeffiziente Objekte werden sich weiterhin gut behaupten, während schwächere Lagen sowie sanierungsbedürftige Immobilien unter stärkerem Druck stehen werden.

Der Vorarlberger Neubaumarkt bleibt auch künftig herausfordernd. „Hohe Bau- und Finanzierungskosten und eine preissensiblere Nachfrage führen dazu, dass Immobilienprojekte langsamer verkauft und verzögert gestartet werden“, sagt Jennwein abschließend. Zusätzlich wirkt die Reduktion der Vorarlberger Wohnbauförderung im Eigentumsbereich belastend auf den Neubau, was die Nachfrage weiter in Richtung Gebrauchtsegment verschiebt.