STC und Lindner setzen bei Projekt „Am Kempelenpark“ auf Re-Use von Materialien

Im Bau des Quartieres können bestehende Doppelbodenplatten aus den 1980ern wiederverwendet werden
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
STC und Lindner setzen bei Projekt „Am  Kempelenpark“ auf Re-Use von Materialien
© STC Development

Mit Am Kempelenpark entsteht auf einem früheren Industrie- und Forschungsareal ein zukunftsweisendes Quartier mit großem öffentlichem Park und Altbaumbestand. Bei der Entwicklung des neuen Stadtquartiers setzt die STC Immobiliengruppe auf einen verantwortungsvollen Umgang mit bestehenden Ressourcen, beispielsweise durch die Wiederverwertung von Baumaterialien aus den ehemaligen Büro- und Gewerbebauten.

Re-Use: Neues Leben für hochwertige Materialien

Bereits zum zweiten Mal wird das erfolgreiche Re-Use-Konzept beim Projekt Am Kempelenpark in enger Kooperation mit der Lindner Gruppe in die Praxis umgesetzt. Im Zuge der laufenden Rückbauarbeiten werden bestehende Doppelbodenplatten aus den 1980er-Jahren sorgfältig und materialschonend geerntet. Nach der Entfernung des vorhandenen Teppichbelags werden die Platten aufbereitet und für den Einsatz in einem anderen Bauprojekt vorbereitet. Anstatt als Bauabfall entsorgt zu werden, bleiben die hochwertigen Materialien im Kreislauf. Dadurch wird ihre Lebensdauer deutlich verlängert und der Einsatz neuer Ressourcen reduziert.

Initiiert wurde die langjährige Zusammenarbeit durch die STC Immobiliengruppe: Bereits 2023 trat das Projektteam erstmals an die Lindner Gruppe heran, um den Wiederverwertungsansatz von der Theorie in die praktische Umsetzung zu bringen. Lindner konnte dabei auf bereits vorhandene Erfahrung und ein praxiserprobtes Re-Use-Konzept für Doppelbodenplatten zurückgreifen. Das gemeinsam gestartete Projekt war auf ganzer Linie erfolgreich. Damals konnten rund 5.500 m² der Doppelbodenplatten wiederverwertet werden. Bei der aktuellen Fortsetzung des Re-Use-Projekts werden nun weitere 8.500m² aufbereitet und wertvolle Ressourcen im Kreislauf gehalten.

„Für uns ist das weit mehr als Recycling. In vielen Gebäuden, die nicht saniert oder sinnvoll umgebaut werden können, steckt ein enormes Potenzial an hochwertigen Materialien. Diese Ressourcen einfach zu entsorgen, entspricht nicht unserem Verständnis von nachhaltiger Projektentwicklung. Deshalb haben wir gemeinsam mit unserem Partner, der Lindner Gruppe, bereits vor einigen Jahren begonnen, diese konkrete Re-Use-Lösung umzusetzen.“
—Matthias Waibel, STC-Geschäftsführer und Harald Mezler-Andelberg, Geschäftsführer der Lindner GmbH
„Mit dem Re-Use von Doppelbodenplatten zeigen wir beim AM KEMPELENPARK, wie Kreislaufwirtschaft im Bauwesen konkret funktionieren kann. Lindner hat dieses Konzept bereits seit 2020 entwickelt und ab 2021 in Österreich erfolgreich in die Praxis umgesetzt – umso mehr freut es uns, diese Erfahrung nun gemeinsam mit STC in diesem Projekt auf einen neuen Level zu heben. So bleiben hochwertige Materialien im Kreislauf, Ressourcen werden geschont und die Lebensdauer bewährter Produkte deutlich verlängert.“
—Harald Mezler-Andelberg

Referenzprojekt für Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft

Über die Grenzen der Immobilienwirtschaft hinaus hat es das Konzept auch in die Lehrveranstaltungen von Anna-Vera Deinhammer an der FHWien der WKW geschafft und liefert als Praxisbeispiel nachhaltige Impulse für die Ausbildung zukünftiger Fachkräfte.

„Panta Rhei Circularis – Vertraue dem Prozess: alles fließt und im Kreislauf bleibt es erhalten. 2021 lernte ich Harald Mezler-Andelbergs Idee zur Wiederverwendung von Doppelbodenplatten kennen, für mich der Schlüsselmoment dieses ‚kleinen Loops'. Während der ‚große Loop' bei den Baurestmassen ansetzt, zeigt das Projekt am Kempelenpark, wie Bauteil-Reuse in der Praxis skaliert wird: 8.500 m² Platten werden sorgfältig geerntet, aufbereitet und direkt wiederverwendet. Beständigkeit, Kontinuität und diese industrielle Skalierung sind der Hebel, um Kreislaufwirtschaft im Bauwesen Realität werden zu lassen.“
— Anna-Vera Deinhammer

Kreislaufwirtschaft wird zum Zukunftsthema

Für die Herstellung von Baustoffen werden traditionell große Mengen an Rohstoffen und Energie benötigt, während bei Umbauten, Sanierungen und Rückbauprojekten ohne entsprechende Konzepte erhebliche Mengen an Bauabfällen entstehen.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Kreislaufwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Ziel ist es, Materialien und Bauteile möglichst lange zu nutzen, kostbare Rohstoffe einzusparen sowie Abfallmengen und Energieaufwand zu reduzieren. Gerade Bestandsgebäude bieten hierfür großes Potenzial. Viele Bauteile verfügen auch nach Jahrzehnten noch über eine hohe technische Qualität und können nach entsprechender Aufbereitung in neuen Projekten eingesetzt werden. Re-Use geht dabei deutlich über klassisches Recycling hinaus: Materialien werden nicht zu neuen Rohstoffen verarbeitet, sondern in ihrer bestehenden Form weiterverwendet.