Stimmung am internationalen Private-Debt-Markt bleibt positiv

Finanzierungskonditionen verschieben sich zugunsten der Kreditgeber
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Private Debt Market Compass
Private Debt Market Compass
© BF.capital

Der BF.Private Debt Market Sentiment Index notiert im zweiten Halbjahr 2026 bei 59,7 Punkten und verbleibt damit deutlich oberhalb der neutralen Marke von 50. Gegenüber dem ersten Halbjahr, in dem der Index 60,1 Punkte erreichte, hat sich die Stimmung am internationalen Private-Debt-Markt kaum bewegt. Der sogenannte Expectation Gap — die Differenz zwischen Zukunfts- und Vergangenheitskomponente der Erhebung — signalisiert einen vorsichtig positiven Ausblick.

Finanzierungskonditionen drehen zugunsten der Kreditgeber

Die Ergebnisse zeigen eine zunehmende Verbesserung der Finanzierungskonditionen zugunsten der Kreditgeber. Im ersten Halbjahr hatten sich noch leicht kreditnehmerfreundliche Tendenzen abgezeichnet; dieser Trend dreht sich nun. Die befragten General Partner erwarten, dass sich diese Entwicklung in den kommenden sechs Monaten fortsetzt. Die Leverage-Niveaus in den Subsegmenten Corporate Direct Lending, Real Estate Debt und Infrastructure Debt bleiben überwiegend in moderaten Bereichen. Aus Sicht der Kreditgeber ergibt sich damit weiterhin ein attraktives Risiko-Rendite-Profil.

Fundraising normalisiert sich, bleibt aber konstruktiv

Die Kapitaleinwerbung stützt das positive Marktsentiment, wenngleich die Fundraising-Dynamik gegenüber der ersten Erhebung etwas nachgelassen hat. Ein zunehmender Anteil der Befragten meldet stabile Fundraising-Bedingungen; deutliche Verschlechterungen bleiben die Ausnahme. Die Kapitalzusagen institutioneller Investoren zeigen sich resilient, wenn auch auf geringerem Niveau als zuvor: 59 Prozent der Befragten verzeichneten im zurückliegenden Halbjahr steigende Commitments der Limited Partner, nach 64 Prozent in der Vorerhebung. Für die kommenden sechs Monate geht mit 62 Prozent ebenfalls eine Mehrheit von weiter zunehmenden Kapitalzusagen aus — gegenüber 71 Prozent im ersten Halbjahr.

Aufstockungen bestehender Investments bleiben ein wichtiger Stabilitätsanker. Im Corporate Direct Lending berichten knapp 87 Prozent der Teilnehmer von Re-up-Quoten von mehr als 40 Prozent. Bei Real Estate Debt sind es 80 Prozent, bei Infrastructure 78 Prozent.

Kreditqualität stabil – Ausfallrisiken steigen leicht

Die Kreditqualität der Portfolios hält sich trotz anhaltender makroökonomischer und geopolitischer Unsicherheiten weitgehend stabil. Bei 75 Prozent der Befragten blieben die Quoten für notleidende oder leistungsgestörte Kredite in den vergangenen sechs Monaten unverändert — nach 85 Prozent in der Vorerhebung. Signifikante Verschlechterungen werden nur vereinzelt genannt. Für die kommenden sechs Monate erwartet eine klare Mehrheit stabile Ausfallraten, wenngleich der Anteil der Befragten, die mit einem deutlichen Anstieg rechnen, von 1,6 auf 6,6 Prozent gestiegen ist. Stressfaktoren konzentrieren sich weiterhin auf einzelne Branchen und Nutzungsarten und gehen weniger auf strukturelle Finanzierungsprobleme zurück.

Akquisitionen und Wachstum bestimmen das Transaktionsgeschehen

Das Sonderthema der aktuellen Ausgabe analysiert die Entwicklung der Transaktionsziele im Private-Debt-Markt. 

„Es zeigt sich, dass Akquisitionsfinanzierungen segmentübergreifend weiterhin eine zentrale Rolle spielen. Gleichzeitig gewinnen Finanzierungslösungen zur Unterstützung von Wachstum, Expansion und strategischer Kapitalallokation an Bedeutung. Restrukturierungs- oder Distressed-Situationen bleiben dagegen die Ausnahme.“
—Eugenio Sangermano, Geschäftsführer der BF.capital
„Die Ergebnisse unterstreichen, dass die Nachfrage nach Private-Debt-Finanzierungen weiterhin überwiegend von unternehmerischem Wachstum und Investitionsaktivitäten geprägt wird und nicht von zunehmendem finanziellen Stress auf Kreditnehmerseite.“
—Michael Flad, Professur Finance & Entrepreneurship an der Hochschule Esslingen und wissenschaftlicher Berater des BF.Private Debt Market Compass

Der Index bestätigt damit ein Marktbild, das trotz leichter Normalisierungstendenzen beim Fundraising und einem marginal gestiegenen Anteil pessimistischer Ausfallerwartungen strukturell intakt bleibt. Die Nachfrage nach Private-Debt-Finanzierungen speist sich weiterhin aus unternehmerischer Wachstumsdynamik — nicht aus Refinanzierungsdruck oder Distressed-Situationen.