Trotz vermehrter Unwetter: Fast 85 % verzichten bei Eigenheimversicherung auf Naturkatastrophenschutz

Hitze und Trockenheit, Starkregen, Hochwasser, Murenabgänge oder Hagelschäden - die Wetterextreme im Sommer häufen sich.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Trotz vermehrter Unwetter: Fast 85 % verzichten bei Eigenheimversicherung auf Naturkatastrophenschutz
© Julia Dragosits

Dennoch stellt das Tarifvergleichs- und Wechselportal durchblicker in einer aktuellen Datenanalyse fest, dass der erweiterte Naturkatastrophenschutz lediglich in 15,5 Prozent der Eigenheimversicherungsabfragen berücksichtigt wird. durchblicker warnt jedoch: Der Standardschutz deckt bei Unwetterschäden maximal 5.000 Euro ab, der erweiterte Schutz bis zu 225.000 Euro.

"Das Bewusstsein für Unwetterschäden und außergewöhnliche Naturkatastrophen steigt, liegt aber immer noch auf niedrigem Niveau. Was viele nicht wissen: Schäden, die durch außergewöhnliche Naturkatastrophen verursacht werden, sind ohne erweiterten Schutz oft nicht ausreichend gedeckt. Dazu zählen etwa auch Starkregenereignisse, die zu lokalen Überflutungen in Kellern oder Wohnräumen führen können. In den vergangenen Jahren waren davon auch immer öfter Haushalte betroffen, die sich außerhalb sogenannter Risikozonen befinden.“
—Sarah Schwarzer - Versicherungsexpertin bei durchblicker

Erweiterter Schutz ab 23 Euro pro Monat

Wählt man den Standardschutz, deckt dieser nur bis zu 5.000 Euro der Schäden, die durch Naturgewalten wie Überflutungen entstehen. Beim erweiterten Schutz sind je nach Produkt und versichertem Objekt von 20.000 bis zu 225.000 Euro gedeckt. Die Kosten für den erweiterten Schutz bei außergewöhnlichen Naturkatastrophen belaufen sich im Mittel auf etwa 280 Euro pro Jahr, also umgerechnet knapp 23 Euro pro Monat. Vergleichen lohnt sich aber auch hier, denn die Aufpreise für das erweiterte Paket beginnen für ein übliches Einfamilienhaus zwischen 135 Euro und 377 Euro. Grundsätzlich gilt: Je höher die Deckungssumme, desto höher die Prämie. "Vor dem Hintergrund steigender Wetterextreme und Starkregenereignisse ist jeder Haushalt gut beraten, die individuellen Risiken fürs Eigenheim neu zu bewerten und die aktuelle Versicherung ggf. anzupassen oder zu wechseln", so Schwarzer. "Speziell ältere Polizzen sollten dahingehend regelmäßig überprüft werden.“

Haushaltsversicherung bietet Schutz für Mieterinnen und Mieter

Eine kombinierte Eigenheim- und Haushaltsversicherung deckt sowohl Schäden am Gebäude als auch an Einrichtungsgegenständen, Möbeln und Elektrogeräten ab. Mieter:innen in Risikogebieten, die hingegen nur eine Haushaltsversicherung abschließen, sollten ebenfalls einen erweiterten Naturkatastrophenschutz in Erwägung ziehen. Laut durchblicker-Daten ist die Abschlussrate mit 4,5 Prozent sehr niedrig. Die Kosten für ein erweitertes Paket liegen im Schnitt bei 70 Euro pro Jahr und decken im Schadensfall bis zu 40.000 Euro ab.

Wohnen in Hochwasser-Risikozonen

Hochwassergefährdete Gebiete werden in drei Kategorien unterschieden: HQ30, HQ100 und HQ300. HQ100 bedeutet etwa, dass man in einem Gebiet lebt, in dem statistisch gesehen einmal in 100 Jahren ein Hochwasser auftreten kann. Personen, die wissentlich in hochwassergefährdeten Gebieten wohnen, haben ein etwas höheres Risikobewusstsein. “39 Prozent der Versicherungsnehmer:innen, die angeben, in einem Risikogebiet zu wohnen, schließen den erweiterten Naturkatastrophenschutz ab“, erklärt Schwarzer.

Das Eigenheim in einer Risikozone HQ30 versichern zu lassen, ist vergleichsweise schwierig, allerdings gibt es zumindest einen Anbieter, der eine Versicherung mit erweitertem Schutz und entsprechend höherer Prämie anbietet. "Die Eigenheimversicherung in Risikogebieten HQ100 oder HQ300 unterscheidet sich preislich nur geringfügig von jenen Angeboten, die außerhalb einer Risikozone liegen. Vergleichen lohnt sich aber auch hier, da es deutliche Unterschiede zwischen Deckungsleistungen und Prämien gibt", so Schwarzer.