ULI Europe lanciert Open-Source-Tool zur Bewertung von Transitionsrisiken

"Preserve" soll Immobilieninvestoren helfen Klimarisiken finanziell zu bewerten
Lorenz Selinger
Lorenz Selinger
Sabine Georgi
Sabine Georgi
© Stefan Wieland 2020

Das C Change-Programm des ULI Europe hat am 10. Juli 2026 „Preserve“ eingeführt – ein Open-Source-Tool, das Investment- und Asset-Manager dabei unterstützt, die finanziellen Auswirkungen des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft auf Immobilienperformance und -wert konsistent zu bewerten. Das Tool integriert sich in bestehende Discounted-Cashflow-(DCF)-Modelle und schließt damit eine methodische Lücke, die die Branche seit Jahren beschäftigt: die Quantifizierung der Kosten des Nichthandelns.

Die Kosten des Nichthandelns

Während die Mehrheit der Immobilienunternehmen inzwischen über Mechanismen verfügt, um die Kosten der Dekarbonisierung zu quantifizieren, sind deutlich weniger in der Lage, das Risiko und die Kosten des Nichthandelns zu beziffern. Herkömmliche Investmentmodelle stoßen dabei an strukturelle Grenzen: Sie bilden künftige Marktveränderungen nur schwer konsistent ab, für die weder historische Vergleichswerte noch etablierte Bewertungsmethoden existieren. Da sich energie- und kohlenstoffbezogene Regulierungen verschärfen und sich die Erwartungen von Nutzern und Investoren weiterentwickeln, gewinnen diese Veränderungen zunehmend an finanzieller Bedeutung. Die Kosten der Dekarbonisierung erscheinen in Investitionsbewertungen häufig sichtbar – die potenziellen Kosten des Nichthandelns hingegen entziehen sich bislang einer verlässlichen Bezifferung.

Methodik

„Preserve“ wurde für die nahtlose Integration in bestehende DCF-Modelle konzipiert. Das Tool stellt eine praxisnahe sowie konsistente Methodik bereit, um die finanziellen Auswirkungen unterschiedlicher Dekarbonisierungspfade und zukünftiger Marktszenarien miteinander zu vergleichen. Die Methodik wurde anhand realer Immobilien und Portfolios von führenden Investmentunternehmen der Branche getestet und validiert. 

„Das Besondere am Tool ist die Zusammenführung von DCF-Verfahren mit der standardmäßigen Bewertung von Klimarisiken, die diese so erst quantifizierbar macht und damit eine bessere Entscheidungsgrundlage für Investmententscheidungen liefert.“
—Sabine Georgi, Geschäftsführerin des ULI in Deutschland, Österreich und der Schweiz

Breite Branchenkoalition trägt die Entwicklung

Mehr als 200 Experten brachten sich im Rahmen von Workshops, Interviews und Arbeitsgruppen ein, um sicherzustellen, dass die Methodik praxisnah, belastbar und auf die tatsächlichen Entscheidungsprozesse im Investmentbereich abgestimmt ist. Zu den C Change-Partnern und Pionierorganisationen von „Preserve“ zählen Arup, Catella, Hines, IPUT, JP Morgan Asset Management, La Caisse, PIMCO und Redevco. Als Unterstützer des C Change-Programms fungieren Bouwinvest, COIMA, Oxford Properties, Sonae Sierra und Urban Partners. Weitere Pilotorganisationen sind Invesco, Land Development Agency, Nuveen, PATRIZIA, PGIM und Swiss Life.

Entwickelt wurde „Preserve“ vom ULI Europe gemeinsam mit dem auf Nachhaltigkeitsanalysen spezialisierten Unternehmen Synergetic sowie den technischen Partnern Mott MacDonald und CBRE.

Perspektivwechsel gefordert

„Angesichts der anhaltenden geopolitischen Volatilität, die für Unsicherheit an den Märkten sorgt – einschließlich der Folgen der aktuellen Energiekrise –, ist klar, dass Investoren eine Vielzahl möglicher Zukunftsszenarien einplanen müssen. Entscheidungsträger müssen vorausschauend handeln und ihren Blick auf ihr gesamtes zukünftiges Risikoprofil richten. Sie müssen in der Lage sein, die finanziellen Folgen des Nichthandelns zu bewerten, da diese die Performance und die Widerstandsfähigkeit von Immobilien beeinträchtigen können. Darüber hinaus müssen sie strategisch vorbereitet sein, um den Werterhalt sicherzustellen. Investoren benötigen einen grundlegenden Perspektivwechsel im Umgang mit den Auswirkungen der Klimatransformation. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sie ihr Risikoprofil unterschätzen und von Märkten sowie Regierungen überrascht werden, die sich zunehmend in Richtung einer kohlenstoffarmen Wirtschaft entwickeln. ´Preserve´ bietet hierfür eine entscheidende Lösung. Doch wie bei jedem praxisorientierten Instrument werden sein langfristiger Erfolg und seine Wirksamkeit vollständig davon abhängen, ob die Branche das Tool annimmt und tatsächlich nutzt.“
—Simon Durkin, CEO ULI Europe

Europäischer Start, globale Perspektive

„Preserve“ soll die flächendeckende Einführung der C Change Transition Risk Assessment Guidelines auf dem europäischen Immobilienmarkt unterstützen und ist als künftiger Branchenstandard konzipiert. Während sich der erste Einsatz auf Europa konzentriert, plant das ULI, den Anwendungsbereich auf Nordamerika auszuweiten und damit auf das wachsende Interesse der internationalen Investmentgemeinschaft aufzubauen. Weitere Informationen zum Tool und zum C Change-Programm sind unter https://cchange.uli.org/ abrufbar.