Die Förderinitiative „THINK.WOOD.Innovation 2026“ von Waldfonds und FFG unterstützt Forschungs- und Entwicklungsprojekte zu „Energieinfrastruktur aus Holz“ — und stößt damit auf entschiedenen Widerspruch des Verbands Österreichischer Betonfertigteilwerke (VÖB). Der Verband sieht die Versorgungssicherheit des Landes in Gefahr, wenn einseitige Förderanreize die Baustoffwahl für kritische Infrastruktur vorwegnehmen.
Versorgungssicherheit vor CO₂-Bilanz bei der Errichtung
„Wer über die Energieversorgung von morgen entscheidet, entscheidet auch über die Resilienz unseres Landes. Wasser- und Windkraftanlagen, Stromnetze oder zukünftige Wasserstoffinfrastrukturen gehören zur kritischen Infrastruktur und müssen daher den höchsten Anforderungen in puncto Sicherheit, Verfügbarkeit und Dauerhaftigkeit entsprechen.“—VÖB-Präsident Michael Wardian
Eine vermeintliche CO₂-Reduktion bei der Errichtung dürfe deshalb nicht das ausschlaggebende Kriterium bei der Baustoffwahl sein.
„Infrastrukturbauten werden über einen Zeitraum von bis zu 100 Jahren oder sogar länger genutzt. Die Bewertung ihrer Nachhaltigkeit muss daher den gesamten Lebenszyklus umfassen und noch dazu die Robustheit gegenüber Sabotage sowie Hochwasser, Sturmereignissen, Waldbränden und anderen Folgen des Klimawandels berücksichtigen.“—VÖB-Geschäftsführer Anton Glasmaier
Nur eine ganzheitliche Lebenszyklusbewertung liefere belastbare Grundlagen für die Baustoffwahl — nicht der Errichtungs-CO₂-Wert allein.
„Diese Anforderungen kann nur der Baustoff Beton aufgrund seiner Robustheit, Langlebigkeit sowie Wasser- und Brandschutz gewährleisten. Das zeigen zahlreiche kritische Infrastrukturbauten wie zuletzt der Koralmtunnel und der U-Bahn-Ausbau in Wien.“—Anton Glasmaier
Forderung an das Bundesministerium: Schwerpunkt aus dem Programm nehmen
Stromnetze, Umspannwerke, Wasserkraftanlagen, Speicherinfrastrukturen und Wasserstoffsysteme müssen nach Einschätzung des VÖB über Generationen hinweg zuverlässig funktionieren. Objektive Kriterien — Sicherheit, Resilienz, Lebensdauer, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit — müssen bei der Baustoffauswahl Vorrang haben. Einseitige Förderanreize, die diesen Auswahlprozess präjudizieren, lehnt der Verband ab.
Der VÖB richtet daher eine konkrete Forderung an das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz: Die Zielsetzungen der Förderinitiative sollen kritisch hinterfragt und der Ausschreibungsschwerpunkt „Energieinfrastruktur aus Holz“ aus dem Förderprogramm gestrichen werden.
Digitalisierung der Lieferkette: VÖB signalisiert Zustimmung
Differenziert bewertet der VÖB den Ausschreibungsschwerpunkt „3.4 Digitalisierung der Lieferkette Forst-Holz“ derselben Förderinitiative. Transparente und digital nachvollziehbare Lieferketten sieht der Verband als relevanten Beitrag zur nachhaltigen Ressourcennutzung.
„Nachhaltigkeit beginnt bei dem Herkunftsnachweis der Rohstoffe, das muss auch für den Baustoff Holz gelten. Nur durch eine lückenlose digitale Rückverfolgbarkeit kann sichergestellt werden, dass Aussagen zu CO₂-Speicherung, Regionalität, nachhaltiger Forstwirtschaft oder Transportdistanzen aller Baustoffe objektiv nachgewiesen werden.“—Anton Glasmaier
Der VÖB verknüpft diese Zustimmung mit einer impliziten Forderung: Was für Holz gilt, muss für alle Baustoffe gelten. Herkunftsnachweise und digitale Rückverfolgbarkeit sollen branchenübergreifend zum Standard werden — als Grundlage für eine objektiv nachprüfbare Nachhaltigkeitsbewertung im Bauwesen.