Fassadenschindeln aus 100% recyceltem Kunststoff geben Cradle to Cradle ein Gesicht: Über 120 Gebäude weltweit. Mit MONACO bringt Rock Capital Group Pretty Plastic erstmals nach Deutschland.
„Bei Pretty Plastic sind wir der Meinung, dass Gebäude zu Materialbanken und nicht zu Abfallproduzenten werden sollten“, sagt Hajo Reinders, Geschäftsführer bei Pretty Plastic. Das niederländische Unternehmen produziert Fassadenelemente wie Schindeln und Fliesen aus ausgedienten Baumaterialien wie alten Fensterrahmen, Dachrinnen und Fallrohren. „Die Fassaden aus 100 Prozent recyceltem PVC beweisen, dass Abfall nicht versteckt werden muss, sondern zum prägenden Gestaltungselement und Eyecatcher werden kann. Jede Fliese steht für die Idee, vorhandene Materialien so lange wie möglich im Kreislauf zu halten und ihnen mindestens ein zweites, langes Leben zu geben.“ Beim Büroneubau MONACO des Grünwalder Projektentwicklers Rock Capital Group entsteht aus diesem Nachhaltigkeitsgedanken sicher eine der außergewöhnlichsten Fassaden Deutschlands und zugleich ein ökologisches Design-Highlight: Ein wesentlicher Teil der Fassade des Münchner Gebäudes wird in Pretty Plastic-Schindeln schimmern.
„Die Idee hinter Pretty Plastic entstand während der Dutch Design Week. Für einen Pavillon haben wir Schindeln aus recyceltem Kunststoffabfall entwickelt. Das temporäre Designprojekt hat international Aufmerksamkeit erzeugt und führt uns zu der Frage, warum solche Materialien nicht dauerhaft in der Architektur eingesetzt werden sollten“, erinnern sich die Designer Reinder Bakker und Hester van Dijk von Overtreders W, die die Idee gemeinsam mit dem Architekten Peter van Assche vom bureau SLA entwickelt haben. Das Feedback auf der Messe hat sie ermutigt, aus der Idee ein Startup zu gründen. Heute, sieben Jahre später, finden sich Schindeln von Pretty Plastic schon in 13 Ländern. Nur Deutschland war bisher ein weißer Fleck auf der Karte. Bakker: „Aus dem Experiment ist ein internationales Beispiel geworden, wie Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie sichtbar, ästhetisch und skalierbar werden kann.“
MONACO reiht sich in internationale Referenzprojekte ein
Das MONACO holt diese Idee nun prominent nach München. Das stylische Bürogebäude in der Helmut-Dietl-Straße im Werksviertel reiht sich damit in eine Liste ausgezeichneter internationaler Pretty Plastic-Projekte ein. Dazu gehören das Nationale Schwimmzentrum De Tongelreep in Eindhoven, das Whitburn Coastal Conservation Centre im Vereinigten Königreich, das mit einem RIBA North East Award ausgezeichnet wurde, sowie der neue Hauptsitz von Ville Renouvelée in Tourcoing, Frankreich, der sich aktuell im Bau befindet. Der Münchner Büroneubau befindet sich damit in bester Gesellschaft und führt den Design-Anspruch seines Projektentwicklers Rock Capital Group fort, der für das MONACO bereits vor Fertigstellung mit einigen Architekturpreisen ausgezeichnet wurde.
„Für uns war von Anfang an entscheidend, dass Pretty Plastic nicht wie ein klassisches Recyclingprodukt aussieht, sondern als ein eigenständiges architektonisches Material funktioniert. Die Schindeln erzählen zwar von Wiederverwertung, aber sie tun das mit Farbe, Tiefe und Schönheit.“—Reinder Bakker
Beim MONACO lässt die Rock Capital Group fast 12.000 Pretty-Plastic-Schindeln in sieben Farbtönen verbauen – von Hellgrau über verschiedene Grüntöne bis zu Bronze, Mauve und Lila. Angebracht werden sie in einer farblich kuratierten Rautenstruktur. Jede Schindel ist durch den Herstellungsprozess individuell marmoriert und ein Unikat.
Materialität gegen austauschbare Fassaden
„Für uns ist die maximal nachhaltige Fassade ein wesentliches Gestaltungselement. Während viele Neubaufassaden heute von Glas, Aluminium, Beton oder standardisierten Dämmoberflächen dominiert werden, setzt das MONACO bewusst auf Materialvielfalt, Plastizität und Wiedererkennbarkeit“, sagt Andreas Wißmeier, Geschäftsführer bei der Rock Capital Group. Viele moderne Fassaden nehmen seiner Meinung nach den Städten ein Stück Authentizität. „Sie erfüllen technische Anforderungen, sehen aber häufig fast identisch aus. Dadurch werden ganze Straßenzüge und sogar Städte austauschbar und uniform. Beim MONACO wollten wir das Gegenteil erreichen: eine Fassade, die Tiefe, Charakter und eine eigene Geschichte hat und sich deutlich absetzt vom üblichen Standard. Die Gebäudehülle wirkt über Farbe, Struktur und Plastizität.“
Die niederländische Manufaktur entwickelt ihre Fassadenelemente in unterschiedlichen Formen und Oberflächen. Beispiele sind die Basic-Third-Kacheln oder Second-High-Elemente. Dadurch unterscheiden sich die Elemente nicht nur in der Farbgebung, sondern in ihrer Dreidimensionalität. „Je nach Form entsteht eine andere Lichtwirkung, eine andere Haptik und eine andere skulpturale Präsenz“, erklärt Sven Thorissen vom weltweit renommierten Architekturbüro MVRDV, das für den Entwurf verantwortlich ist und den Baustoff nach Deutschland geholt hat.
Der Mut zu Material, gelebter Nachhaltigkeit und damit auch zum Umweltschutz wird bereits vor Fertigstellung belohnt. „Wir bekommen in Gesprächen mit Mietinteressenten immer wieder gespiegelt, dass besondere Unternehmen besondere Immobilien suchen“, sagt Wißmeier. „Wer sich bewusst für das Werksviertel als Leuchtturmprojekt der Reurbanisierung und sicher als den derzeit dynamischsten und kreativsten Platz in München entscheidet, sucht Räume mit Identität, Innovation und Ausstrahlung. Genau das leistet das MONACO.“
Vom Kunststoffabfall zum architektonischen Statement
Doch damit nicht genug: Das von MVRDV entworfene Bürohaus verbindet die farbigen Kunststoffschindeln zusätzlich mit recycelten Klinkersteinen. Die aus industriellem Abbruch geretteten, teils schon über 100 Jahre alten Vollbrandziegel, aus denen ein weiterer Teil der preisgekrönten Fassade aufgebaut wird, ergänzen die Optik des Hauses zu einem nachhaltigen Gesamtkunstwerk. Auf sechs Geschossen entstehen rund 4.000 Quadratmeter Bürofläche. Hinzu kommen rund 580 Quadratmeter Terrassen- und Rooftop-Flächen, die einen spektakulären Rundumblick über das Werksviertel bieten und sowohl als Meetingbereich als auch als Eventfläche genutzt werden können. Im Erdgeschoss steht den zukünftigen Nutzern ein privater und sehr attraktiv gestalteter Pocket Garden zur Verfügung. Die Büroflächen sind stockwerksweise ab etwa 500 Quadratmetern anmietbar oder lassen sich bei Bedarf als Single-Tenant-Lösung für ein Unternehmen darstellen. Bis Herbst dieses Jahres wird der Rohbau stehen, Ende des zweiten Quartals 2027 folgt die Fertigstellung des Innenausbaus. Die komplette Bezugsfertigkeit ist für Anfang Oktober 2027 vorgesehen.
„Architektur hat die Kraft, Menschen anders auf Material blicken zu lassen. Wenn aus alten Fensterrahmen, Dachrinnen oder Fallrohren eine Fassade entsteht, verändert das die Wahrnehmung. Plötzlich ist Abfall kein Endpunkt mehr, sondern der Anfang von etwas Neuem.“—Peter van Assche