Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein

Von 25. bis 27. September lädt OPEN HOUSE WIEN dazu ein, außergewöhnliche Baukultur in Wien und Umgebung aus nächster Nähe zu entdecken.
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Open House Wien 2026
© Caramel architektInnen
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Open House Wien 2026 - Caramel carage
© Otto Hainzl
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Open House Wien 2026 - Caramel carage
© Otto Hainzl
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Open House Wien 2026 - Caramel carage
© Otto Hainzl
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein
Von der Garage zum Architektur-Highlight – Caramel Carage stimmt auf OPEN HOUSE WIEN ein

53 Gebäude und Projekte, die normalerweise nicht oder nur eingeschränkt öffentlich zugänglich sind, öffnen ihre Türen und ermöglichen besondere Einblicke hinter die Kulissen. Einen ersten Vorgeschmack auf das Festival gab es bereits in der Caramel Carage: Das Architekturbüro in einer ehemaligen Garage und Werkstatt steht beispielhaft dafür, wie bestehende Bausubstanz neu gedacht und in einen zeitgemäßen Arbeitsort transformiert werden kann.

Bereits zum elften Mal macht OPEN HOUSE WIEN beeindruckende Gebäude, innovative Stadtentwicklungsprojekte und besondere Freiräume für ein breites Publikum zugänglich. Volunteers und Fachpersonal führen kostenlos durch die teilnehmenden Projekte, vermitteln aktuelle Entwicklungen in Architektur und Stadtplanung und erzählen Wissenswertes über die Gebäude, ihre Entstehung und Nutzung. Erstmals findet OPEN HOUSE WIEN heuer zeitgleich mit dem Tag des Denkmals am 27. September statt. Das letzte Septemberwochenende bietet damit die besondere Gelegenheit, zeitgenössische Architektur ebenso wie denkmalgeschützte Bauwerke zu entdecken.

„Baukultur betrifft uns alle. Mit OPEN HOUSE WIEN möchten wir das Bewusstsein dafür stärken, welchen Einfluss Architektur und Stadtplanung auf unseren Alltag und unsere Lebensqualität haben – und Menschen für die Entwicklung ihres unmittelbaren Lebensraums sensibilisieren“, sagt Festivalleiterin Inge Boch.

Caramel Carage als Bespielprojekt für diesjährige Schwerpunkte

Eines der 53 teilnehmenden Gebäude ist Caramel Carage – ein Architekturbüro, das zeigt, wie aus einer ehemaligen Garage und Werkstatt ein zeitgemäßer, nachhaltiger Arbeitsort entstehen kann. Damit passt Caramel Carage optimal zu den diesjährigen Schwerpunkten des Architekturfestivals: Resilienz und Transformation – ein Bestandsgebäude, das nachhaltig saniert und an neue Anforderungen angepasst wurde.

Die lange leerstehende Garage und Werkstatt in einem ruhigen Hinterhof im 4. Bezirk wurde von den Caramel architektInnen in einen außergewöhnlichen Arbeits- und Begegnungsort verwandelt. Ausgangspunkt ist ein Bau aus den 1930er-Jahren mit hohem Tonnengewölbe und Oberlichtern. Das Projekt setzt auf kreative Wiederverwendung: Stahlträger, Geländer, Glasbausteine und Bodenbeläge aus Abbrüchen, Lagern und früheren Projekten erhielten hier ein zweites Leben. Sichtbare Installationen und rohe Konstruktionen erzählen von der Geschichte des Gebäudes, während ein Baum im Zentrum der offenen Arbeitslandschaft zum Treffpunkt wird. Ein Recyclingmaterialspritzputz aus Altpapier verbessert die Akustik und taucht den Raum in ein ruhiges Graubeige. Akzente in Maisgelb bringen Wärme, Leichtigkeit und Identität. Eine freigelegte ehemalige Rampe, einst Teil der Pferdestallung, wird zum Herzstück des Projekts und bildet heute eine Tribüne für Meetings und Veranstaltungen. So wird Geschichte nicht verborgen, sondern räumlich erlebbar.

Die Carage zeigt damit beispielhaft, wie sich Bestand, nachhaltige Architektur, neue Arbeitswelten und eine eigenständige Gestaltung miteinander verbinden lassen. Bewusst wird auf Hierarchien verzichtet und eine offene Arbeitslandschaft auf einer Ebene geschaffen. Besprechungsräume, Werkstätten und Rückzugsorte liegen an den Rändern der Halle, während das Zentrum als gemeinsamer Raum frei bleibt.

Technisch folgt die Carage dem Prinzip „weniger ist mehr“: gute Dämmung, Erd­wärme, natürliche Lüftung und sichtbare, flexibel nachrüstbare Leitungen. So entsteht ein offener, lebendiger Arbeitsort, der Nachhaltigkeit nicht behauptet, sondern aus dem respektvollen Umgang mit dem Bestehenden lebt.

Architektur im Zeichen von Resilienz und Transformation

Bei OPEN HOUSE WIEN stehen heuer die beiden Schwerpunktthemen Resilienz und Transformation im Mittelpunkt und damit Gebäude und Projekte, die zeigen, wie sich unsere gebaute Umwelt an gesellschaftliche, ökologische und klimatische Veränderungen anpassen kann und wie bestehende Architektur durch neue Ideen zukunftsfähig wird.

Resilienz beschreibt dabei die Fähigkeit von Gebäuden und Stadtquartieren, auf Herausforderungen wie den Klimawandel, steigende Energiekosten oder gesellschaftliche Veränderungen zu reagieren und langfristig funktionsfähig zu bleiben. Resiliente Stadtentwicklung entsteht durch das Zusammenspiel von innovativen baulichen Lösungen, natürlichen Kreisläufen und starken Gemeinschaften. Bei der Transformation geht es um die Frage, wie bestehende Gebäude und Stadtquartiere an neue Anforderungen (z. B. durch Umnutzung, Sanierung und Nachverdichtung) angepasst werden können, anstatt sie abzureißen und neu zu errichten.

Resiliente Architektur findet neue Lösungen für die Anpassung an den Klimawandel. Das Roots House z. B. zeigt als Demonstrationsprojekt, wie sich Bestandsgebäude Schritt für Schritt auf erneuerbare Wärmeversorgung umstellen lassen – ohne kostspielige Generalsanierung. Dass Resilienz ebenso ökologische und soziale Aspekte umfasst, verdeutlicht z. B. die Kleine Stadt Farm, ein Lern- und Begegnungsort für urbane Selbstversorgung, Biodiversität und nachhaltige Kreisläufe, der erlebbar macht, wie Städte dadurch widerstandsfähiger werden. Im gemeinschaftlichen Wohnprojekt Assemblage Niklas Eslarn mit Fokus auf nachhaltigem Zusammenleben, Partizipation und nachbarschaftlichen Strukturen wiederum verbinden sich innovative Baustoffe wie Holz, Stroh und Lehm mit neuen Formen des Zusammenlebens.

Das Kollektiv Kaorle auf dem Otto Wagner Areal zeigt schließlich, wie bestehende Gebäude durch gemeinschaftliche kulturelle Nutzung zu lebendigen Orten des Austauschs und der gesellschaftlichen Teilhabe werden. Weitere Projekte wie das Pilotprojekt Deutschordenstraße, In Generationen Wohnen oder die Bildungseinrichtung Willi Resetarits eröffnen zusätzliche Perspektiven auf zukunftsfähige, resiliente Architektur.

Wie Transformation gelingen kann, zeigt etwa Sophie 7, wo ein ehemaliger Spitalsstandort behutsam zu einem lebendigen Stadtquartier weiterentwickelt wird. Historische Pavillons bleiben erhalten und durch Nachverdichtung entsteht neuer leistbarer Wohnraum. Das Reallabor Fassfabrik verwandelt ein ehemaliges Industrieareal in einen experimentellen Ort für Kunst, Forschung und gemeinschaftliche Nutzung. Im Filmquartier Wien wurde eine historische Seidenfabrik erfolgreich zu einer Veranstaltungslocation umgestaltet und damit seine architektonische Identität bewahrt. Ergänzt wird das Programm unter anderem durch Projekte wie das Funkhaus Wien, das Nordwestbahnhofareal, das Atelier Z57 oder die VinziRast am Land, die alle unterschiedlichen Facetten architektonischer Transformation sichtbar machen.

Erstmals zeitgleich mit Tag des Denkmals

Zum ersten Mal in der Geschichte findet OPEN HOUSE WIEN heuer zum selben Zeitpunkt wie der Tag des Denkmals, organisiert vom Bundesdenkmalamt, am 27. September statt. Unter dem diesjährigen Motto Denkmale: Wert für alle. öffnen hunderte Programmpartner:innen in ganz Österreich kostenlos die Türen zu ihren Denkmalen oder bieten interessante Touren an. „Der Tag des Denkmals und OPEN HOUSE WIEN an einem Wochenende – das ist eine großartige Gelegenheit, Österreichs kulturelles Erbe zu entdecken. Dass einige Objekte im Rahmen beider Veranstaltungen ihre Türen öffnen, zeigt nicht nur die Vielfalt, die Unterschiedlichkeit und den Mehrwert unserer Denkmale, sondern auch die gelungene Zusammenarbeit der Teams des Tag des Denkmals und von OPEN HOUSE WIEN“, betont Dr. Christoph Bazil, Präsident des Bundesdenkmalamtes.

Die Vision von OPEN HOUSE WIEN

Mit den diesjährigen Schwerpunkten Resilienz und Transformation rückt OPEN HOUSE WIEN aktuelle Entwicklungen der Architektur und Stadtplanung in den Fokus. Anhand konkreter Projekte zeigt das Festival, wie bestehende Gebäude ressourcenschonend weiterentwickelt, neue Nutzungen geschaffen und lebenswerte Räume für kommende Generationen gestaltet werden können. Besucher:innen erhalten dadurch nicht nur Einblicke in außergewöhnliche Architektur, sondern erleben unmittelbar, welchen Beitrag Baukultur zur nachhaltigen Entwicklung unserer Städte leisten kann.