News

Weltweit steigen die Ausgaben für F&E deutlich stärker als die Umsätze

Trotz rückläufiger Umsätze: Österreichs börsennotierte Unternehmen investieren weiterhin stark in Forschung und Entwicklung
Dagmar Gordon
Dagmar Gordon
Gunther Reimoser, EY Österreich
Gunther Reimoser, EY Österreich
© Stefan Seelig

Österreichs Top-Unternehmen halten trotz wirtschaftlicher Herausforderungen an ihren Innovationsaktivitäten fest. Der Gesamtumsatz der untersuchten börsennotierten Top-30-Unternehmen sank 2025 bereits das dritte Jahr in Folge und lag mit rund 114 Milliarden Euro deutlich unter dem Niveau von 2022 (160 Mrd. Euro). Auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gingen auf rund 1,94 Milliarden Euro zurück (-4 %). Jedoch stieg die durchschnittliche F&E-Intensität auf rund fünf Prozent. Damit floss 2025 im Durchschnitt fast jeder 21. Euro Umsatz in Forschung und Entwicklung.

Das geht aus dem aktuellen EY Innovation Index 2026 hervor, für den die 30 börsennotierten Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich mit den höchsten absoluten F&E-Ausgaben untersucht wurden. Zusätzlich wurden die Ergebnisse mit den globalen Top 500 F&E-Investoren verglichen. Der Index vergleicht die F&E-Ausgaben und die F&E-Intensität (Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz) der Unternehmen sowie die Entwicklung von Umsatz und EBIT im Jahresvergleich. Die Daten stammen aus den Geschäftsjahren 2025 bzw. 2025/26.

Bei den forschungsstärksten österreichischen Unternehmen führt ams-OSRAM das nationale Ranking erneut mit 388 Millionen Euro klar an, wenngleich die F&E-Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent sanken. Es folgen Kontron mit 267 Millionen Euro (+13 %) und Voestalpine mit 222 Millionen Euro (+1 %). Den größten Sprung nach vorne machte AT & S mit 175 Millionen Euro und einem Plus von 27 Prozent. Bajaj Mobility zog die Bremse bei den Forschungsausgaben und investierte 40 Prozent weniger.

Die höchste Forschungsintensität wies 2025 Fabasoft mit 29,4 Prozent auf – das Unternehmen investierte damit nahezu ein Drittel seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung – gefolgt von Kapsch TrafficCom (16,8 %) und Kontron auf Platz 3 (16,6 %).

„Der Anstieg der F&E-Intensität ist ein klares Signal: Auch wenn die Umsätze unter Druck stehen, halten die Unternehmen ihre Innovationsinvestitionen vergleichsweise stabil. Das zeigt, dass Forschung und Entwicklung zunehmend als strategischer Faktor für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit gesehen werden.“
—Gunther Reimoser - Country Managing Partner bei EY Österreich

Pharma- und Technologiesektor international am forschungsintensivsten

Während die Sektoren Industrie- bzw. Automobilindustrie (4 %) sowie Baustoffe/Bergbau/Metallgewinnung (1 %) bei der F&E-Intensität weiterhin eine untergeordnete Rolle spielen, zeigt sich erneut die österreichische Informationstechnologie-Branche besonders forschungsfreudig: Im Durchschnitt investierten die dort analysierten Unternehmen fast 15 Prozent ihres Umsatzes in F&E – mehr als in jeder anderen Branche. Damit wird dort im Schnitt gut jeder siebte Euro direkt in Innovation gesteckt.

Der durchschnittliche Anteil der F&E-Ausgaben am Umsatz im Geschäftsjahr 2025 liegt im Technologie-Sektor europaweit sogar noch höher – mit 16 Prozent.

Global gesehen führt die Pharmaindustrie (15 %) wie auch schon im letzten Jahr das Ranking an: Pharmakonzerne investieren im Durchschnitt gut jeden siebten Euro in F&E; Technologiekonzerne gut jeden zehnten Euro und liegen somit abgeschlagen auf Platz Zwei (11 %) vor E-Commerce und Versandhandel (9 %). 

F&E als Treiber für Rentabilität: Mehr Innovation, höhere Margen Ein klarer Zusammenhang zeigt sich auch zwischen F&E-Ausgaben und Profitabilität: In den österreichischen Branchen war eine höhere F&E-Intensität in fast allen Fällen mit einer höheren Ertragskraft verbunden. „Wer kontinuierlich in Innovation investiert, schafft nicht nur die Grundlage für künftiges Wachstum, sondern stärkt häufig auch die eigene Ertragskraft. Gerade in einem volatilen Umfeld und zahlreichen Einflussfaktoren von außen wird damit deutlich, welchen Stellenwert F&E für Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Widerstandsfähigkeit hat“, so Reimoser. 

US-Konzerne dominieren, Europa rückläufig

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung steigen bei den Top 500 global deutlich stärker als die Umsätze – 2025 wurden neun Prozent mehr für F&E ausgegeben als im Vorjahr (2025: 1.109 Mrd. Euro), die Umsätze wurden um fünf Prozent gesteigert. Die F&E-Intensität ist mit sieben Prozent gleichauf wie im Vorjahr.

Im regionalen Vergleich zeigen sich deutliche Unterschiede: Während in Nordamerika (+12 %) die F&E-Ausgaben ebenso wie im asiatischen Raum (+9 %) stark gewachsen sind, legte Europa nur um fünf Prozent zu. Damit droht Europa gegenüber den innovationsstarken Wirtschaftsregionen Nordamerika und Asien weiter an Boden zu verlieren. Auch bei der operativen Ertragskraft zeigt sich ein deutliches Gefälle: Nordamerikanische (+ 20 %) und asiatische Konzerne (+5 %) punkten mit deutlichem Wachstum; hingegen mussten Europas Unternehmen einen Rückgang von fünf Prozent hinnehmen. Die Zahlen zeigen: Unternehmen, die stärker in F&E investieren, verzeichnen tendenziell auch höhere Zuwächse beim EBIT.

An der Spitze der F&E-intensivsten Unternehmen stehen weiterhin die USA: Mit sieben Unternehmen unter den Top Ten – angeführt von Amazon (96 Mrd. Euro, +23 %), Alphabet (54 Mrd. Euro, +24 %) und Meta Platforms (51 Mrd. Euro, +31 %) – dominieren US-Konzerne das Innovationsranking. Europa ist mit Volkswagen (18 Mrd. Euro, +2%) und Roche (14 Mrd. Euro, -13 %) in den Top Ten vertreten. Südkorea komplettiert mit Samsung Electronics (24 Mrd. Euro, +8 %) das Ranking.

Im globalen Vergleich finden sich die drei Unternehmen mit den höchsten F&E-Ausgaben in Österreich auch unter den 500 forschungsstärksten Unternehmen der Welt – halb so viele wie im Vorjahr. Angeführt wird das nationale Ranking von ams-OSRAM AG (Rang 357) und gefolgt von Kontron AG (Rang 447) und Voestalpine AG (Rang 482). Pierer Mobility, die voestalpine, die Andritz AG und AT&S fielen aus dem Ranking.

Am forschungsintensivsten sind erneut niederländische Unternehmen mit zehn Prozent, gefolgt von den USA (9 %) und der Schweiz (8%). Deutschland belegt mit sechs Prozent Platz fünf im Ländervergleich.

„Der internationale Vergleich zeigt eine klare Dynamik: Während nordamerikanische und asiatische Konzerne ihre F&E-Ausgaben deutlich steigern, bleibt Europa bei Innovation und Profitabilität zurück. Für Europa und Österreich ist das ein Weckruf. Forschung und Entwicklung sind entscheidend, um technologische Souveränität, Wettbewerbsfähigkeit und langfristiges Wachstum zu sichern. Gerade im globalen Wettbewerb darf bei Innovation nicht der kurzfristige Kostendruck die langfristige Perspektive überlagern“, schließt Reimoser.