Sieben Jahre nach der Gründung bewirtschaftet das Münchner Technologieunternehmen Wemolo europaweit 4.000 Parkflächen mit rund 370.000 Stellplätzen. Knapp zwei Milliarden Parkvorgänge hat das Unternehmen seit 2019 digital abgewickelt, 2,5 Millionen kommen täglich hinzu. Was 2019 als Instrument gegen Fremdparker auf Supermarktparkplätzen startete, zählt heute zu den größten digital gesteuerten Stellplatzportfolios Europas. Wemolo bezeichnet sich als europäischen Marktführer für schrankenloses Parkraummanagement. Zu den Kunden zählen Einzelhändler wie Aldi und Edeka, Immobilienunternehmen wie die Defama Deutsche Fachmarkt AG und HIH Real Estate sowie Kommunen, Kliniken und Gastronomieketten.
Schrankenlos und kameragestützt: das Systemmodell
Das Wachstum gründet auf einem System, das ohne Schranken, Tickets und Personal vor Ort auskommt. 11.000 Kameras erfassen an den Standorten die Kennzeichen ein- und ausfahrender Fahrzeuge. Die KI-basierte Auswertung prüft Parkberechtigungen, steuert Bezahlvorgänge und liefert Betreibern Auslastungsdaten in Echtzeit. Für Eigentümer entfallen Wartungskosten für Schrankenanlagen und Personalkosten für Kontrollen. Die Skalierung zeigt sich in der Datendichte: Rechnerisch wird jeder von Wemolo bewirtschaftete Stellplatz im Schnitt knapp siebenmal pro Tag neu belegt.
„4.000 Parkflächen bedeuten 4.000 Standorte, an denen Eigentümer und Betreiber heute wissen, was auf ihren Flächen passiert. Vor fünf Jahren wusste das praktisch niemand. Der Parkplatz war die letzte unbewirtschaftete Fläche der Immobilie. Jetzt wird er gesteuert wie jede andere Assetklasse: mit Auslastungsdaten, Erlösmodellen und messbarer Performance.“—CEO und Mitgründer Jakob Bodenmüller
Parkdaten als Standortinformation
Aus den Parkvorgängen entsteht ein Datenbestand, den es für Außenflächen bislang in dieser Breite nicht gab: Auslastung nach Uhrzeit und Wochentag, Verweildauern, Frequenzmuster, Anteil von Fremdparkern, Nachfragespitzen im Jahresverlauf. Einzelhändler nutzen die Auswertungen für Personalplanung und Öffnungszeiten, Asset und Property Manager für Flächendimensionierung, Nebenkostensteuerung und ESG-Reporting.
Dominic Winkler, Head of Sales & Business Development Real Estate bei Wemolo, bringt die strategische Dimension auf den Punkt: „Parkdaten sind Standortdaten.“ Wer wisse, wie stark und von wem eine Fläche genutzt werde, könne die Attraktivität des Standorts besser beurteilen und Entscheidungen zu Mietermix, Revitalisierungen sowie Investitionen wie Ladesäulen fundierter treffen. Auch die Weitervermietung freier Kapazitäten an externe Kurz- oder Langzeitparker werde damit kalkulierbar.
Auslastungsreserven und neue Erlösmodelle
Eine aggregierte Zwölfmonatsauswertung der deutschen Standorte mit digitaler Parkraumkontrolle zeigt, wie groß die Reserven im laufenden Betrieb sein können: Auf den überwiegend handelsgenutzten Flächen lag die durchschnittliche Auslastung während der Öffnungszeiten bei rund 30 Prozent.
„Ein Supermarktparkplatz, der nach Ladenschluss leer steht, ist kein Parkplatzproblem, sondern eine ungenutzte Ertragsquelle.“—Dominic Winkler
Wo entsprechende Nachfrage besteht, erschließt das sogenannte Feierabendparken zusätzliche Nutzungszeiten: Anwohner buchen Supermarktparkplätze nach Ladenschluss. Entsprechende Angebote hat Wemolo zuletzt mit Aldi Süd in Krefeld, München, Augsburg und im Allgäu gestartet.
Vom Kostenfaktor zur steuerbaren Fläche
Für die Immobilienwirtschaft verschiebt sich damit die Rolle des Parkraums grundlegend. Statische Stellplatzflächen, die in der Bewertung als Kostenfaktor liefen, werden zu steuerbaren Objekten mit eigener Erlös- und Datenlogik. Vier Bausteine greifen dabei ineinander: Parkraummanagement hält teuer hergestellte Flächen für ihren Geschäftszweck frei — Zeitfenster und Berechtigungen richten sich nach der tatsächlichen Nutzung, auch in Mixed-Use-Objekten mit unterschiedlichen Kontingenten je Mieter. Digitales Bezahlparken erschließt kommerziell genutzte Flächen und Parkhäuser ohne Schranken und Automatenstau. Freie Kontingente lassen sich an Anwohner ohne eigenen Stellplatz sowie an Kurz- und Langzeitparker vermieten. Und das 360-Grad-Flächenmonitoring geht über das Parken hinaus: Kameras erfassen den Zustand der gesamten Außenfläche, erstellen bei Schäden, Schnee oder Müll automatisch Tickets an die zuständigen Dienstleister und dokumentieren die Erledigungszeiten.
Gerade Asset und Property Manager, die viele Objekte aus der Distanz steuern, erhalten damit erstmals belastbare Nachweise über Objektqualität und Dienstleisterleistung. In seinen fünf Märkten Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen und Italien baut Wemolo das Portfolio weiter aus.